Manche Horrorthriller ähneln sich inhaltlich gewaltig:
„Hills have eyes“: Zivilisierte Familie mit Baby trifft auf gefährliche Rednecks in der Wüste.
„Savage Island“: Zivilisierte Familie mit Baby trifft auf gefährliche Rednecks im Wald.
Eine feine Referenz hat J.S.Lando mit seinem No-Budget-Thriller zusammengeschustert, denn er beweist, dass man mit geringen Mitteln ein durchaus ansprechendes Ergebnis zustande bringen kann.
Natürlich kann man mit der Story – Zivilisation gegen Hinterwäldler – immer ganz gut punkten, vorausgesetzt, der Geschichte werden notwendigerweise ein paar fesselnde Szenen beigefügt und darüber kann man sich hier gewiss nicht beklagen.
Sogar die Exposition wurde sorgfältig ausgearbeitet, man lernt Land und Leute kennen, das junge Paar Julia und Steven, die mit ihrem Baby auf dem Weg zu ihren Eltern sind.
Auf der Insel angekommen, tauchen zwei der Savage Familie auf und man bekommt schon mal einen flüchtigen Eindruck, welche Haiopeis später mitmischen werden.
Julias Bruder Peter fährt aber dummerweise einen Jungen der Savages an, im Glauben es handle sich dabei um ein Tier.
Der Junge stirbt und die Savage-Family drängt auf ausgleichende Gerechtigkeit: Julias Baby als Ersatz für ihren toten Jungen.
Und wer nicht hergeben will, muss fühlen…
So kommt es dann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die zeitweilig für gelungene Spannungsmomente sorgen, sogar ein bis zwei kleine Plot-Twist werden eingestreut.
Einen maßgeblich positiven Anteil hierfür tragen die überraschend gut agierenden Darsteller, von denen niemand enttäuscht. Im Gegenteil, sie sind mit Herzblut dabei und während Winston Rekert als Oberhaupt der Savages mit Präsenz und brutaler Gelassenheit überzeugt, kann Kristina Copeland als Julia punkten, zunächst als verängstigte und besorgte Mutter, später als betäubtes Opfer in der Gewalt der Hillbillys.
Zwar lässt das Drehbuch ein paar derbe Schwachstellen zu, da Protagonisten in der unmöglichsten Situation mal wieder genau das Gegenteil von dem tun, was Lebensdauer verlängernd wäre. Zudem ist das Ende – Vier Jahre nach den blutigen Auseinandersetzungen- etwas lächerlich und hanebüchen konstruiert.
Ansonsten herrscht Druck und vor allem psychische Gewalt, denn explizite körperlich wird allenfalls nur angedeutet, etwa beim Abschneiden einer Zunge geht die Kamera so weit auf Distanz, dass im Halbdunkel nur zu sehen ist, wie „Etwas“ ins Geäst geworfen wird.
Splatterpuristen werden hier blöde aus der Wäsche gucken.
Ein kleines Ärgernis stellen dann aber doch die mit DV-Handkamera gedrehten Aufnahmen dar. Nicht selten wird im Halbdunkeln gefilmt, - allerdings ohne jegliche Scheinwerfer.
Das Ergebnis ist krisselig, körnig, das Geschehen mit den ganzen Rauschflecken nur schwer auszumachen.
Tolerante Leute mögen es als Stilmittel bezeichnen, ich für meinen Teil möchte aber erkennen, was sich da abspielt, da kann eine externe Lichtquelle, auch bei einer so preiswerten Produktion, doch wohl drin sein.
Zumindest schmälern diese Qualitätsverluste am Bild den Genuss doch streckenweise gewaltig.
Jedoch, wenn man im Hinterkopf behält, dass es sich hier um einen Amateurfilm handelt, ist das Ergebnis beachtlich.
Die Darsteller überzeugen, erfreulicherweise auch ihre deutschen Stimmen, es gibt ein paar packende Szenen innerhalb der Konfrontation zweier Welten und man kommt ohne größeres Blutvergießen aus, welches man überhaupt nicht vermisst.
Das ist zwar noch nicht der ganz große Wurf, aber mit ein wenig mehr Kohle (die hoffentlich auch für Scheinwerfer ausreicht) könnte dem Kanadier Lando durchaus noch Besseres gelingen.
Für den Anfang nicht schlecht, ein ungemütlicher kleiner Film, der seine begrenzten Möglichkeiten ordentlich ausschöpft.
6 von 10 Punkten