Der saarländische Beitrag zur „Tatort“-TV-Krimireihe „Kesseltreiben“, der nach einem Drehbuch von Michael Haneke („Funny Games“, „Das weiße Band“) 1993 von Regisseur Peter Schulze-Rohr inszeniert wurde, fasst ein heißes, heutzutage traurigerweise wieder hochaktuelles Eisen an: Die Machenschaften der Atom-Industrie, Kraftwerksbetreiber, die Störfalle und kritische Erkenntnisse mit allen Mitteln vertuschen und auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Von belangloser Sonntagabend-Unterhaltung zu sprechen, verbietet sich in diesem Falle somit von selbst. Und das Drehbuch ist in seiner Direktheit wahrlich nicht von schlechten Eltern, hat meines Erachtens aber Schwierigkeiten, die vermutlich geforderten „Tatort“-Charakteristika adäquat zu integrieren. So macht Jochen Senf als ermittelnder Kommissar Palu gerade in seinen emotionalen Szenen nicht immer eine gute Figur und wirkt die ganze Chose um den saarländisch-luxemburgischen Kripo-Mitarbeiteraustausch und das damit verbundene Auftauchen eines „jungen, dynamischen“ Ermittlers, der fortan mit Palu der Sache auf den Grund zu gehen versucht und anscheinend als eine Art Kontrast zum ruhigeren, älteren Palu installiert werden sollte, insbesondere mit seinen humoristischen Ansätzen unpassend und leicht nervig. Falls man damit zudem versucht hatte, das allgemein etwas trocken wirkende Erscheinungsbild dieses Tatorts aufzulockern, ist das nicht so recht gelungen.
Jedoch wird durchaus eindrucksvoll die Ohnmacht Palus aufgezeigt, denn der Einflussbereich der Atomlobby reicht bis in den Polizeiapparat hinein. Entsprechend pessimistisch fiel auch das Ende dieses spannenden Falls aus, der spätestens hier Hanekes Handschrift offenbart. Für eine Fernsehserie erscheint mir dieser Beitrag ungewöhnlich brisant und kritisch und nicht darauf bedacht, dem Zuschauer gegenüber ein trügerisches Bild einer letztlich dann doch immer für Gerechtigkeit sorgenden Polizei aufrecht zu erhalten. Das rechne ich dem „Tatort“-Team hoch an.