Review

Mit fast fünfjähriger Verspätung hat es jetzt mit „House of D“ ein Film in unsere Videotheken geschafft, der wohl zielgruppenorientiert nirgendwo eingeordnet werden konnte – was aber insofern verwundert, daß mit Robin Williams in einer Hauptrolle und David Duchovny als Regie und Erzähler durchaus Publikumspotential vorhanden gewesen wäre.

Dennoch wirkt der Film ziemlich untypisch und wie ein Liebhaberprojekt und insofern hat es sich für Duchovny sicherlich gelohnt, eine neue Form der „Coming-of-Age“-Story zu präsentieren, die die Zuschauer ins Jahr 1973 zurück führt, wo Duchovnys jüngeres Ich von einem Tag auf den Anderen alles aufgeben muß, was sein Leben bisher ausgemacht hat.

Aufgewachsen in der Obhut seiner alleinstehenden, depressiven und tablettensüchtigen Mutter, auf einer Jungenschule in Greenwich Village in die Pubertät taumelnd, verbringt Tommy (ein junger Anton Yelchin, den man zuletzt als „Chekhov“ in Star Trek sah) seine Tage mit Auslieferungen von Fleisch mit seinem debilen Freund Pappas (Williams), doch die erste Freundin verändert alles in diesem komplizierten Beziehungsgeflecht.

Ein tragischer Unterton durchzieht dieses Spiel mit der Vergangenheit, das Duchovny ungewöhnlich zielsicher und passend inszeniert, ohne in Vergangenem zu schwelgen. Wie sehr eine einzige Handlung oder Entscheidung unser Leben beeinflußen kann, wird hier stark betont, denn der erste Kuss provoziert Eifersucht und Kurzschlußhandlung beim Freund, was wiederum Einstehen für den Freund bedeutet, was wiederum Veränderungen an der Schule bedeutet, was wiederum fatale Änderungen in der Familie nach sich zieht.

Der nötige Halt und ein Platz im Leben, das ist alles, was ein junger Mensch braucht und wie fragil das ausfallen kann, zeigt dieser unaufdringliche Film, der allerdings nie zwingend ist, sondern sich liebevoll dahinwindet.
Sein größtes Problem ist ausgerechnet Williams „Pappas“, ein typischer „scene stealer“, der trotz gebremster Verbalitäten meistens die Aufmerksamkeit zum Profanen hin lenkt, während die jugendliche love story ein wenig zu überschaubar und bieder bleibt.
Ein paar „Life Lessons“ dürfen es dann auch sein, bis das Skript Tommy einen sehr ungewöhnlichen, aber reizvollen Ausweg bietet, der es ihm erlaubt, gut 25 Jahre später Frieden mit sich selbst zu schließen, was sehr gefühlvoll, aber auch sehr einfach herüber kommt.

„House of D“ ist sicher nicht ungeheuer mitreißend, aber es ist ein gefühlvolles Drama in alten Bildern und hat Heranwachsenden möglicherweise mehr zu sagen, als zielgruppenorientierte Filme es tun. Insofern lohnt sich der Gang in die Videothek auf jeden Fall. (7/10)

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