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Ein wenig Wilderei in der fast vergessenen Ozploitation-Kiste der 70er und 80er bringt so manche Kuriosität hervor und eine besonders vergessene ist sicherlich „Early Frost“ von 1982.

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Serienkillerfilm, der im australischen Blacktown spielt, wo die Tage hübsch und bunt sind, nachts aber finstere Untaten begangen werden. Thema des Monats ist eine Reihe als Unfälle einzuordnender Todesfälle, die aber häufig Frauen betreffen. Deswegen hat die Polizei die Sache auch nicht so recht auf dem Schirm, doch hier fühlt sich eine weitere Mutter in Gestalt von Val Meadows zunehmend unter Beobachtung – und alsbald auch als Ziel möglicher „Unfälle“. Ihre bei ihr putzende Nachbarin Peg ist da analytisch schon einen Schritt weiter und wähnt hinter allem einen geschickten Mörder, getriggert durch die Privatermittlungen ihres etwas morbide wirkenden Sohnes, der sich natürlich als roter Hering anbietet.

Was diesen Film besonders macht, ist die im Zentrum stehende Figur der Val, gespielt von Diana McLean, die nicht eine Heldin oder "Damsel in Distress" ist, sondern ein faules und kettenrauchendes Monstrum, welches man gern mal im Garten vergraben möchte. Sie ist zickig, bitchig, egoistisch, grausam und beleidigend, was auch bei ihren beiden Söhnen Peter und Joey nur so semi ankommt, wobei Peter allerdings schon eine Verlobte hat und sich damit notfalls auch mal absetzen kann. Darüber hinaus ist das nimmer zufriedene Biest auch noch indirekt verantwortlich für das Ableben ihres Gatten vor einigen Jahren, als sie die Kinder beim Schwimmunterricht dermaßen triezte, dass der Ehemann per Herzschlag ablebte.

Ein Großteil der Faszination des Films geht auf diese Figur zurück, die man praktisch über die volle Lauflänge einfach nur ermordet sehen will, aber es sind auch Peg, ihr Sohn, ein schmieriger Privatdetektiv und ein älterer und erfahrerener Vertreter der Zunft in diesem Kuddelmuddel unterwegs, welches nach zerfahrener und episodischer erster Hälfte in eine brachiale Studentenparty mündet, die wiederum in einer Höllenfahrt endet, womit der Bezug zu beliebten Slashern gegeben wäre.

Leider ist das Gesamtergebnis eher entsprechend einer Fahrt treppabwärts auf einem Kinderfahrrad, denn dieses Thrillerprojekt wurde offenbar als Steuersparmodell angeleiert, wechselt dann mehrfach den Regisseur (der eigentliche wurde am letzten Drehtag gefeuert) und steht nun eigentlich ohne Regieangaben bereit. Der Film lag dann erst im Regal, dann wurde fleißig daran rumgeschnippelt und montiert und am Ende wurde daraus etwas, was wie ein episodischer TV-Film ohne zentrale Identifikationsfigur wirkt. Ein Spannungsbogen kommt auch nicht auf, als der POV-Killer dann endlich aktiv ins Geschehen eingreift, der Film mäandert ziellos durch seinen Cast und die finale Enthüllung will man dann auch nicht so recht schlucken, wobei ich am Ende gar nicht recht verstanden habe, wieso die ganzen Frauen nun eigentlich dran glauben mussten. Und weil das alles so unbefriedigend ist, haben die Macher noch ein erklärendes Ende dran gesetzt, was denn danach noch so alles geschah.

Gelegentlich ist eine brauchbare Handschrift durchaus zu bemerken und die Settings, die mal in der suburban Vorstadt und mal im Zentrum spielen, sind gut geeignet und sehen ordentlich aus, aber der Aufbau mit den vielen unsympathischen Figuren ist linearem Sehen wirklich nicht sonderlich zugewandt.
Generell wird der Film als totaler Rohrkrepierer angesehen und bis zur Mitte sind viele Szenen auch eher desorientierend (allein der Tod des Familienvaters wird in drei Rückblenden spannungssenkend immer wieder und wieder eingebaut), aber insgesamt strahlt der Film für mich die morbide Faszination eines elegant zerstörten Autowracks aus, der man sich kaum entziehen kann, je länger das biedere Vorstadtdrama von Teenagern und enttäuschten Eheweibern läuft – eine Horrorsoap, in der tatsächlich ein Killer umgeht.

Wer mag, möge den Film im Netz mal ausbuddeln, er spielt sicher nicht in einer Liga mit „Road Games“, aber wer sein Herz für cineastische Seltsamkeiten geöffnet hat, bekommt hier zumindest nicht den Killerfilm der Woche nach bewährtem Prinzip serviert. (4/10)

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