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Das South Western Township bei Johannesburg im Jahre 1976: Die rebellische Teenagerin und Halbwaise Sarafina lebt zusammen mit ihren Brüdern bei der Familie ihres Onkels in Soweto, da sich ihre Mutter bei der sozial aufgeschlossenen Burenfamilie Van der Mowe in Park Town als Haushälterin und Erzieherin verdingt. Sarafinas Vater starb einst als Guerillero in Mosambik, was den unterschwelligen revolutionären Eifer seiner Tochter nur noch verstärkt hat. Auch ihre Klassenkameraden Fire und Crocodile sind schon häufiger mit den Apartheidsprinzipien der „getrennten Entwicklung“ kollidiert. Eines Nachts bricht eine Gruppe dunkelhäutiger Jugendlicher ins Schulgebäude ein, um dort einige Molotow Cocktails zur Explosion zu bringen. Ihre Zerstörungswut kennt keine Grenzen und am Ende sind fast alle Klassenräume bis auf einen vollständig zerstört. Der Rektor ist außer sich. In einer wütenden Ansprache an die Schülerinnen und Schüler verweist er darauf, dass eine gute Bildung in einer unbarmherzigen Welt ihre einzige Chance sei. Warum sie denn nicht gleich ihren Verstand in die Luft jagen würden? Wer keine Ausbildung wolle, könne ja auch zuhause bleiben.
Wundersamerweise wurde der Raum von Sarafinas Klasse vom Feuer verschont. Andächtig und als wäre nichts gewesen lauschen die Jugendlichen dem engagierten, aber oberflächlichen Geschichtsunterricht ihrer Lieblingslehrerin Mary Masumbuka, dargestellt von Whoopi Goldberg.
Sarafina ergeht sich derweil auch weiterhin in ihren peinlichen Superstarfantasien und Gebeten an Nelson Mandela, der ja zu dem Zeitpunkt schon seit mehr als einer Dekade im Gefängnis sitzt.
Mary Masumbuka möchte das Schuljahr friedlich und beschwingt ausklingen lassen und plant mit Sarafinas Klasse eine Abschlussfeier. Das allen auf der Seele liegende Thema der Show soll lauten: „Free Nelson Mandela!“ Da Polizei und Militär mittlerweile allzu häufig Zaungäste der funken-sprühenden Stunden von Frau Masumbuka sind, lautet das neue Motto schon bald: „Die Schönheit Afrikas“. Irgendjemand in der Klasse scheint die von allen so geschätzte Frau Masumbuka desöfteren bei der Geheimpolizei zu denunzieren. Wie der Zufall so will, lagert die gute Frau bei sich zuhause ein voll funktionsfähiges Maschinengewehr, das so gar nicht zu ihren plakativen, pazifistischen Sprüchen passen will...
SARAFINA! ist ein recht politisches Afromusical, dessen turbulente, bisweilen beklemmende Handlung die Endphase der Vorherrschaft der Nationalen Partei und der von ihr propagierten „Baaskap“, zu deutsch „Herrschaft der Herren“ markiert. Die politischen Sympathien sind dabei sehr einseitig verteilt. Die ständige Anrufung des nationalen Politgottes Nelson Mandela nimmt schon die spätere Einparteienherrschaft des ANC vorweg. Da Südafrika aber nicht nur aus Soweto besteht, vermisst man tiefere Einblicke in die politische, kulturelle und ethnische Vielfalt der südafrikanischen Nation. Das ist natürlich mehr als ein einzelner Spielfilm leisten kann. SARAFINA! bildet da nur einen kleinen, aber wichtigen Baustein zum Verständnis der Mentalitäten in bestimmten von der Jugend dominierten Townships vom Typ Soweto.
Wann kommt die DVD?

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