Im Stadtwald wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Er wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Hauptkommissarin Lena Odenthal soll den Fall lösen. Sie wird von Stefan Tries unterstützt, ihrem neuen Assistenten. Die Mutter des toten Jungen, Silke Tennenbaum, ist erfolgreiche Chefin einer großen Werbe-Agentur. Die Werbefrau mißtraut der Polizei, schaltet eine Privatdetektei ein und startet eine skrupellose Werbekampagne mit Plakaten, Spots und Rundfunkdurchsagen. Und dabei bleibt es nicht: Ein Sponsor steigt ein, weitet die Kampagne bundesweit aus. Es werden TV-Spots und Auftritte in Reality-Shows geplant.
Die Kampagne gefiel mir als Tatort Beitrag aus Ludwigshafen schon immer recht gut, vor allem weil die Mutter des Opfers so eine herrlich polarisierende Figur darstellt. Einer solchen egozentrischen Karrierezicke und hauptberuflicher Rabenmutter gönnt man als Zuschauer einfach das am Ende ihre Welt gleich in doppelter Hinsicht zusammenbricht. Spätestens wenn die überkandidelte Pute zu Beginn einen armen Polizisten runterputzt, weil dieser nicht sofort Hundertschaften auf die Suche nach ihrem Sohn schickt (war zu dem Zeitpunkt gerade mal 8 Stunden verschwunden), kann man schon ahnen das sie und Odenthal keine Freundinnen mehr werden, was dann auch der erste Dialog trefflich bestätigt.
Unterstützt wird die Hauptkommissarin diesmal recht prominent von Ben Becker, als ihren zugeteilten Praktikanten (sehr professionell mit AC DC Razors Edge T-Shirt) und Hannes Jaenicke als Kollegen von der Sitte und Pädophilie Experten. In diese Richtung gehen nämlich die Ermittlungen, denn während Frau Tennenbaum eine öffentliche Jagd veranstaltet (fehlt eigentlich nur noch ein Kopfgeld und ich frage mich, ob so etwas in der Realität überhaupt erlaubt ist) und einen vermeintlichen Täter als Erfolg feiert, muß sich die Kripo auf wirklich akribische Polizeiarbeit verlassen und präsentiert dann letztendlich den doch überraschenden Mörder.
Allerdings ist die Überführung ein wenig dünn geraten. Denn lediglich durch ein gefälschtes Foto kann der Täter überführen, was für einen fähigen Anwalt eigentlich eine recht leichte Fingerübung darstellen sollte. Lena Odenthal gefällt dabei mal wieder durch ihre direkte Art und der Traute auch Prominenz und dem eigenen Chef die Meinung zu geigen. Auch das man sich hier wirklich auf den Fall konzentriert, statt ausführlich das Privatleben der Ermittler breitzutreten gefällt mir deutlich besser als etwa bei Hannovers Charlotte Lindholm.
7/10