Review

Frühwerke sind immer auf eine Art komisch, entweder weil man den Charme des jeweiligen, noch jungen Stars nicht wiedererkennt oder weil der Film an sich einfach anders ist. Anders gesagt einfach schlecht. So ist das dann auch mit "Die Knallschote", einer frühen Eskapade vom französischen Superstar Louis De Funes, die nach dessem großen Erfolg provisorisch natürlich als DAS Frühwerk von De Funes bezeichnet wurde, wo er zum ersten mal die leicht verrückte Autoritätsperson gibt und noch alle Haare auf dem Kopf (und im Gesicht) hat. Wer hier allerdings die herrliche Situationskomik aus Klassikern wie "Oscar" oder der Gendarm-Reihe erwartet, der wird derbst enttäuscht werden.

Als Sittenwächter besucht De Funes alias Michel Leboeuf Proben der Theatervorstellung "Ah! Die schönen Bachantinnen", da das Wort Bachantinnen nichts anderes als wolllüstige Frauen mit zerzaustem Haar bedeutet. In Folge dessen beobachtet Leboeuf die einzelnen Vorführungen, sieht sich die leicht bekleideten Mädchen genau an und spielt (ich weiß wirklich nicht wieso) letztlich auch in einigen Stücken frivol und munter mit.
Für das Jahr 1954 und einem Film, der doch tatsächlich ab 6 freigegeben wurde, wird hier ziemlich viel nackte Haut gezeigt, von abertausenden Brüsten bis hin zum Kampf zweier Frauen, die sich im Rausch des Streits schrittweise gegenseitig ausziehen.

Louis agiert während der ganzen Vorstellung (in Filmlänge gestreckte 90 Minuten) als halbwegs auffälliger Nebenfaktor, der ab und zu mit geknautschtem Gesicht ans Set tritt und in besonders heiklen Momenten ein Huhn nachahmt. Seine Auftritte sind dann sicherlich die rar gesätzen Höhepunkte, ob er nun mit seiner hohen Stimme aus einer Gesangstruppe hervorsticht oder in einem typischen Slapstick-Moment zusammen mit zwei erregten Männern eine attraktive Frau in der Strandumkleide besichtigt. Besonders diese Stücke sind dann deutliche Anspielungen auf Stummfilme und deren Eigenarten, weil hier auch kein Wort gesprochen wird (in der deutschen Version wurde dann natürlich das ein oder andere Wort dazugemogelt).

Da De Funes aber nunmal nur zwanzig Minuten mitspielen darf, streckt sich die andere gute Stunde wie Kaugummi. Die anderen Stücken sind stellenweise langweilig, aus heutiger Sicht relativ humorlos und wiederholen sich auch allzu oft. Eine Geschichte gibt es absolut nicht. Mit einer unerfahrenen Tänzerin, die unbedingt diesen Job braucht und nicht zuletzt natürlich Sittenwächter Leboeuf deuten sich zwar zwei wesentliche rote Punkte an, verlaufen sich aber während der ziellosen Handlung im Nichts und werden in der letzten Minute dann noch für ein haltloses Happy End aufgegriffen, ohne das der Zuschauer hierfür in irgendeiner Form mitgefiebert hätte. Bis auf die zahlreichen halbnackten Frauen (von denen auch nur die Hälfte wirklich schön anzusehen sind) gibt es also nix spannendes zu sehen.

Letztendlich wird dies wohl ein Film für Sammlerfreunde und ganz harte Fans sein, die schon froh sind wenn De Funes nur irgendein Wort sagt (seine Dialoge im Film beschränken sich übrigens auf maximal 3 oder 4 Sätzchen). Sicher gibt es schlechteres im französischen Filmkatalog, und irgendwie fasziniert "Die Knallschote" auch mit seinem absoluten Widerwillen gegen eine klar strukturierte Handlung, aber bis auf Louis und einige halbwegs interessante Stücke innerhalb der Probe befindet sich nichts in diesem Film, das ihn überlebensfähig gemacht hätte, würde es sich denn nicht zufällig um ein Frühwerk von De Funes handeln. Ergo also ein interessanter Film für Freunde seltener Frühwerke, mehr als einmal schaut man sich die lose Sketch-Sammlung aber nicht an.
4/10

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