Während der Proben für eine neue Revue in einem Theater geht es drunter und drüber: Neue Künstler zeigen ihre Darbietungen, die Frau des Klempners strippt, Brosset Colette Einmeterneunundfünzig barfuss aber mit Absätzen viiiiiiel größer zeigt dass sie nicht so richtig toll tanzen kann, und mittendrin Inspektor Knopf von der Sitte (Louis de Funès), der die Show auf verbotene Schlüpfrigkeiten überwachen soll.
Für das Heimkino wurde DIE KNALLSCHOTE als Teil der Balduin-Collection von Kinowelt veröffentlicht, und ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als die Verwertung einer Lizenz für einen Film, den als Standalone kein Mensch außerhalb Frankreichs kaufen würde. Mal ehrlich, eine französische Nummernrevue aus dem Jahr 1954 mit Louis de Funès und Michel Serrault in mehr oder weniger kleinen Nebenrollen, klingt das interessant? Nicht wirklich …
Umso größer die Überraschung, was sich hier für eine funkelnde Perle verbirgt. Sicher wirkt der Humor gelegentlich etwas angestaubt, aber die Schauspieler machen ihre Sache so gut, dass man eigentlich die ganze Zeit zumindest am Kichern ist. Die Musik groovt teilweise sehr (das Lied von der Kurtisane Leopoldá ist ein absoluter Ohrwurm) und auch die künstlerischen Darbietungen sind nicht ohne. So haben mir unter anderem das Metallballett und die Lilie wirklich hervorragend gefallen, und die Militärischen Träumereien, dargeboten von einem offensichtlich gut aufeinander eingestimmten Komikerteam, sind ziemlich lustig geraten.
Und dann sind da noch die Frauen. Etwa ein Drittel der Bühnendarbietungen bietet gutaussehende Frauen oben ohne an, ein weiteres Drittel nur äußerst knapp verhüllte Damen. Und es kann auch mal passieren, dass die Frau des Klempners eine Tür öffnet und vor einer komplett nackten anderen Frau steht. Woraufhin sie eine Tür weitergeht und einem fast nackten Mario David begegnet, dem sie sehr erfreut schöne Augen macht. Dann haben wir noch einen Catfight, in dessen kurzen und hartem Verlauf einiges an Klamotten verloren geht, und den netten Satz von Colette Brosset während des Balletttanzes: „Das ist kein Ballett, das ist Pornographie“, als der Tänzer sie umarmen und hochheben will. Ein paar ausgesprochen ansehnliche Hinterteile gibt es auch noch, und insgesamt bietet DIE KNALLSCHOTE fast genauso viel nacktes Fleisch wie ein durchschnittlicher Joe D‘Amato-Erotiker, nur abwechslungsreicher dargebracht.
Die Lösung dieses Rätsels heißt „Les Branquignols“. Diese Komikergruppe hat von den 40er bis in die 70er Jahre existiert und bestand unter anderem aus Robert Dhéry, Colette Brosset, Louis de Funès, Jean Lefebvre, Jean Carmet, Jacqueline Maillan, Michel Serrault, Micheline Dax und vielen anderen.
Die Gruppe begann wohl relativ früh, Mädchen systematisch zu entkleiden und nackt zu zeigen, was wohl auch in Frankreich damals als kühn empfunden wurde, gleichwohl auch Erfolg gebracht hat.
Wer Filme aus dem 50er Jahren mag, und mit dem Humor der damaligen Zeit etwas anfangen kann, der ist hier goldrichtig. Hinzu kommen einige Schauspieler, die damals am Anfang ihrer Karriere standen, und die in späteren Filmen quer durch alle Genres immer wieder gern gesehen werden. Neben Louis de Funès glänzen Jacques Legras als absagender Ansager, Robert Dhéry als Regisseur, Mario David als Bodybuilder, Jacqueline Maillan als Direktrice des Theaters, Michel Serrault als Trompeter und wenn man sich ein wenig durch die OFDB klickt stellt man fest, dass das Team de Funes/Dhéry/Brosset noch mehr Filme gedreht hat. Und dass der Klempner Raymond Bussieres unter anderem sogar einige Western in seiner Filmografie hat.
Als Fazit bleiben „Die Dame hat irgendwie einen traurigen Hintern“ und locker 7,5 von 10 nackten Brüsten …