Nach diversen Internetschrecken war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die mobile Telekommunikation zu ihrem gruseligen Recht kommt und das kommt sie hier zweifelsfrei. Takashi Miike zelebriert die Handyübertragung der mysteriösen Anrufe regelrecht, wenn die von der jeweils eigenen Nummer stammen und ein tödliches Ende vorhersagen. Die Reaktionen der Empfänger sind schockierend, Yoko springt von einer Brücke auf einen fahrenden Zug oder Kenji in einen Fahrstuhlschacht. Das erinnert bisweilen an andere japanische Filme mit horrenden Schüleropfern, wobei "Suicide Circle" nur mal als Aushängeschild genannt sei, interessant ist hier allerdings, wie routiniert Miike sein unheimliches Szenario vom Stapel lässt. Dem Thema an sich traut man kaum noch etwas horrifizierendes zu, doch es geht mehr als nur um schattenartige Wesen in dunklen Ecken der Videoübertragung, die zwar gekonnt eingesetzt werden, doch an die Vorbilder wie "Kairo" oder mit den bekannten schwarzen Haaren auch an "Ring" oder "Ju-On" erinnern. Nichts Neues mag der ein oder andere meinen, der im Genre versiert einige Versatzstücke erkennt, doch der Reiz erschließt sich in der konsequenten Art der Inszenierung trotzdem, denn keine für Miike typische comichafte Überzeichnung und keine überzogenen Gewaltorgien oder große Gesten stören das Bild eines Horrorgruslers, der mit kleinem Augenzwinkern sowie kurzen, derben Einstellungen der Opfer auskommt. Von der Rahmenhandlung her ist "One Missed Call" ein Mystery-Grusler, in dem die beiden Hauptcharaktere detektivisch nach der Ursache suchen, die Verbindung der Todesfälle über das Thema Kindesmissbrauch und Münchhausen Syndrom ist lange Zeit kryptisch. Den Spannungsbogen vermag das aufrecht zu erhalten, zumal, wie so oft in japanischen Filmen wie diesem, von Menschen erzählt wird und nicht nur von einem paranormalen Phänomen. Wohldosierte Schockmomente und eine eigenartige Metamorphose, die der Hauptcharakter vollzieht, lassen sogar manchmal Erinnerungen an den wunderbaren "Audition" durchblicken, wie gesagt, manchmal.
Fazit: Den Daumen mal wieder nach oben für diesen unheimlichen Horrorthriller von Vieldreher Miike, der auch in der Post-"Ring"-Ära zu unterhalten weiß. 6/10 Punkten