Sean lebt in einsam und zurückgezogen in einem kalten Industriegebäude. Rund 90 Kameras, in jedem Raum angebracht, verfolgen sein einseitiges Dasein Tag und Nacht. Die Bänder werden sorgfältig archiviert. Das Gebäude verlässt Sean höchst selten, - und wenn, ist eine Kamera an seinem Körper angebracht und auf ihn gerichtet.
Warum dieser Mann so handelt, erklärt Regisseur und Autor John Simpson mit seinem gelungenen Debüt „Freeze Frame“.
Im Oktober 1993 wurde Sean bezichtigt, drei Mitglieder der Familie Jesper ermordet zu haben, doch er wurde aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen.
Noch einmal soll ihm diese Situation nicht passieren und so richtet er ein kameraüberwachtes Heim ein, um für jeden Zeitpunkt ein entsprechendes Alibi parat zu haben. Genau zehn Jahre lang geht das gut, doch dann tritt die Polizei abermals an ihn heran. Er wird mit einem fünf Jahre zurückliegenden Mord an einer Frau in Verbindung gebracht und seltsamerweise fehlen Sean für diesen Zeitraum die Archivbänder…
Beeindruckend, wie man mit einem ausgezeichneten Hauptdarsteller und ein paar Kameraspielereien eine stilsichere, klaustrophobische Atmosphäre erzeugen kann.
Lee Evans, gänzlich kahl geschoren, nimmt man den paranoiden Sean in jedem Frame ab. Der eigentlich als Komiker bekannte Brite meistert seine Rolle überzeugend und trägt einen Großteil zur bedrückenden Stimmung bei, die durch die kalten Kulissen, verpackt in Grau- und Blaufilter unterstützt wird.
Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt kann auch die Story fesseln: War nun Sean der Täter? Oder die zwielichtige Reporterin? Womöglich einer der ermittelnden Cops?
Bis zum Ende wird der Zuschauer im Unklaren gelassen, immer neue Twists lenken auf falsche Fährten, was in den letzten 20 Minuten allerdings in zu hohem Maße übertrieben und konstruiert wirkt. Offenbar wollte der Autor hier eine storytechnische Intelligenzbombe platzen lassen, dabei liegen aber einige Motive allzu sehr im Bereich des Unwahrscheinlichen.
Auch Seans Treiben beinhaltet ein paar kleine Lücken: Der Mann scheint nicht zu arbeiten, hat aber genügend Geld für Strom und Tapes. Woher sein Essen kommt, erfährt man ebenso wenig, warum er bei der am Körper angebrachten Kamera nie die Akkus wechseln muß.
Ist aber alles nicht so wichtig, denn sein skurriles Dasein weiß zu unterhalten.
Und hätte sich der bemitleidenswerte Kerl nicht sein Kameraüberwachtes Gefängnis errichtet und wäre stattdessen in eine große WG gezogen, müsste man auf diesen Film komplett verzichten.
Wäre schade, denn Simpsons Erstling macht Lust auf mehr.
7 von 10 Punkten