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Kevin (Joseph Kaufmann), ein junger, gutaussehender Mann, streift ziellos durch die Weiten Amerikas. Er hat dieses Leben gewählt, da er erstens Gewalt verabscheut und um zweitens nicht in einen Krieg einberufen zu werden, der ihn zum Töten zwingt. Terry (Jennifer Billingsley) ist ein junges, kesses Hippiemädel, so blond wie scharf, und keinem Flirt abgeneigt. Auch sie trampt fröhlich durch die Gegend, und die beiden treffen sich beim Autostoppen. Fortan wandern sie gemeinsam, kreuzen aber nahe der mexikanischen Grenze den Weg einer kleinen Gruppe Söldner. Diese Typen, genannt "Burckhardt's Bastards", sind ungehobelte, gewaltgeile, schmierige Brutalos, die sich nehmen, was ihnen gefällt. Und Terry gefällt ihnen sehr.

Brute Corps ist ein recht durchschnittlicher Exploitationfilm, mit dem Freunde dieses Genres nicht viel falsch machen können. Regisseur Jerry Jameson (Starflight: The Plane That Couldn't Land) bedient die Erwartungshaltung der Fans ansprechend, ohne in allzu schmutzige und unangenehme Gefilde abzurutschen. Brute Corps bleibt leicht verdauliche Genreware, trotz diverser Vergewaltigungen, Prügeleien und Schießereien. In der mir vorliegenden Fassung (keine Ahnung, ob zensiert oder nicht) sind explizite Gewaltdarstellungen jedenfalls Mangelware, und auch das Martyrium der armen Terry findet überwiegend im Off statt. Die Bezugnahme auf den Vietnamkrieg verankert den Film schön in seiner Zeit, auch wenn aus dem Aufeinanderprallen zweier Welten (Wehrdienstverweigerer vs. Kriegsbefürworter) zu wenig gemacht wurde. Während unser Heldenpärchen recht blaß bleibt, glänzen die Darsteller der Söldner zum Teil wie die Glatze des Colonels (Charles Macaulay). Dieser überzeugt zwar als knallharter Anführer, wird aber von Alex Rocco übertrumpft, der den psychopathischen, unberechenbaren Schmierlappen namens Wicks mit Gusto gibt.

Leider tritt der billige Streifen einige Male planlos auf der Stelle, und auch das konventionelle und etwas lustlos geratene Payoff enttäuscht ein wenig und kann nicht einlösen, was der schöne Aufbau versprochen hat. Einen dicken, fetten Minuspunkt gibt es außerdem für die grausig schlechte und dazu noch völlig unpassende Musikuntermalung einiger Szenen (insbesondere in der zweiten Hälfte des Filmes), welche den an und für sich hübsch grimmigen Grundton regelrecht zerstört. Und so dümpelt der Streifen spannungslos vor sich hin, bis sich dann schließlich irgendwann die Frage stellt, ob unser Held Kevin seine hehren Prinzipien über Bord wirft und über sich hinauswächst, oder ob er vor die (des Teufels tolle) Hunde geht und elendig im Dreck verreckt. Gegen Ende kokettiert Brute Corps ungeniert mit Motiven des Westerns, bevor der Streifen mit einem letzten Shootout ausklingt.

Falls sich jetzt jemand wundert, was das alles mit Rockern zu tun haben soll (ein guter Einwand, schließlich ist der Film innerhalb der "Rocker Collection" erschienen), dem sei gesagt, daß in der tollen Eröffnungsszene vier Rocker vorbeischauen, einen auf dicke Hose machen und einen am WC sitzenden Söldner so lange anstänkern, bis dieser das unverschämte Quartett mit einer Schrotflinte wegpustet. Und die Moral von der Geschicht'? Ärgere 'nen Söldner beim Kacken nicht. Sonst darf man die Radieschen gleich von unten begutachten.

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