Wenn man mit Filmen wie „Achterbahn“ oder „Zwei Minuten Warnung“ domestiziert worden ist, dann erweckt ein unschuldig bei Youtube versteckter Streifen mit einem raumfüllenden Titel wie „Superdome“ natürlich Erwartungen, selbst wenn es sich nur um einen TV-Film handeln sollte. Aber etwas Thriller oder Katastrophenfilm sollte bei so einem Slogan doch schon drin sein, immerhin hatte man David „Auf der Flucht“ Janssen hier die Hauptrolle gegeben, wie in so vielen TV-Film-Projekten, wo neben krachender Action auch mal gemenschelt (oder gedacht) werden sollte.
Offenbar hatten die Macher auch die Absicht, sich an gängige Panik-Vorbilder zu hängen, denn ständig umkreisen sie per Flugaufnahme den besagten Super Dome (in New Orleans), in dem laut „NOCH VIER TAGE“ bald der SuperBowl Nr.12 stattfinden soll.
Aber das Event ist – logo – in Gefahr, denn…Trommelwirbel…es läuft ein großer Wettskandal und irgendwer soll verhindern, dass der Starspieler der „Cougars“ (ojojoj, es ist Tom Selleck in einer netten Nebenrolle) überhaupt antreten kann.
Wie jetzt? Das ist es schon?
Kein marodierender Amokläufer, kein Sprengstoff unter dem Dome-Dach, kein herannahender Hurricane?
Nein!
(NOCH DREI TAGE!)
Natürlich passiert noch etwas mehr in diesem Ensembledrama, dass den einen oder anderen erfahrenen oder bekannten Namen zu bieten hat, aber all das, was noch passiert, ist vor allem zweierlei: banal und cheesy.
Erst wird ein smooth talkin‘ dude schwarzer Hautfarbe auf Tom angesetzt, aber der redet immer nur wild auf seine Holde ein und macht gar nichts. Irgendwann schüttet man ihm die tödliche Doris ins Glas, aber sogar den Schierlingsbecher leert sein Stewardessendate. Als alles nichts hilft, entsendet das Syndikat einen gedungenen Mörder, den uns hier übrigens als „identity suprise“ verkauft werden soll. Wenig logisch erstickt und erschießt besagter Mörder ein paar Leute, darunter den fröhlich Schmerzmittel verschenkenden Fitnesstrainer, bis man ihn dann ganz unzeremoniell nach dem dritten Mord (und allerlei verhüllende Kamerawinkel) sturztrocken einfach zeigt. Wozu also der POV-Mumpitz?
Wer hier meuchelt, das sei der letzte Joke, den im Ärmel lasse, stattdessen huldige ich gern noch der Soap, die man hier nebenbei anschäumt.
Wir hätten da vor allem (oder auch nicht) Onkel David in der Rolle des…Teammanagers?
Äh sorry, er hat irgendeinen Titel, aber was er eigentlich tut, macht der Film nicht klar. Meistens schüsselt er durch die Gegend, isst Fisch und schnuckelt mit einer hübschen Journalistin rum, die sich an ihn rangemacht hat. Er hat weder Laune noch Motivation, sich um das Team wirklich zu kümmern, auch wenn die Clubeignerin und alte Freundin (Gastauftritt von Jane Wyatt) nun wirklich mal das Vermächtnis ihres toten Gatten mit dem Titelgewinn schaffen will, bevor sie den Club verhökert. Nachrichten von Morden im Umfeld quittiert er mit grantigem Gegrummel und wer sich das Ding in OV einflößt, wird feststellen, dass Richard Kimble 1978 nicht fünfzehn Jahre älter aussah als er wirklich war – er klang auch so. (NOCH ZWEI TAGE!)
Janssen krächzt und raspelt sich in bester „3 Päckchen am Tag“ –Gesundheit durch seine Szenen, ehe er dann erst zum Finale unter dem Stadiondach (juhu!) endlich mal jemandem nachlaufen darf. Und sogar dafür benutzt er hauptsächlich ein Golfwägelchen. Zwischendurch gibt es noch ein paar Ermittlungen, ein Handlungsstrang dreht sich um Sellecks Teamkollegen Walecki, dessen Gesundheit wegen Spielhärten nicht mehr kickt und dessen Ehe deswegen in Gefahr ist. Und zwischendurch läuft noch ein trauriger Van Johnson herum, der von seinem Boss gezwungen wird, Sellecks Unterschrift auf einen Werbevertrag zu bekommen oder gefeuert zu werden. Seine hübsche Tochter macht auch noch mit.
Leider ist das alles ebenso brav wie unbeholfen in eine Episodenhandlung gepresst, bei der sensationell genau null Spannung heraus kommt, einfach weil man auch nicht begreift, warum all diese seltsamen Morde geschehen. Die Einblendungen suggerieren eine Countdown-Stimmung (NOCH EINEN TAG!), die der Plot leider nicht mitliefert und die schnarchigen Love-Boat-Konflikte sorgten sogar dafür, dass der Film bei MST3K verwurstet wurde. Das Finale besteht dann – aufgepaßt – aus einem Mörder, der wegen Höhenangst aufgeben muss und einer ebenso strategisch wie hirnrissig geplanten Stromstoßsabotage im Ermüdungsbecken. Was dazu wohl Per Mertesacker sagen würde. Das Skript schlägt noch ein paar komplett unlogische Haken, bis Selleck tatsächlich in die Wanne steigen will und ihm Janssen per Hechtsprung gerade noch das Handtuch runtereißen kann (oder so ähnlich).
Schließlich ist dann Superball-Samstag (HEUTE!!!JETZT!!!), Tom onduliert seinen Schnauz schon mal für Magnum vor und läuft mit seinen Kumpels auf das Spielfeld, wo man sich in der Schlußszene zum Jubilieren der Nationalhymne trifft. Und dann ist der Film auch schon pünktlich vor dem Anstoss wieder vorbei.
Ihr merkt es: „Superdome“ ist eine harmlose, mies geskriptete, dialoglastige und lustlos gespielte Mogelpackung, die stetig so tut, als wäre sie ein veritabler „pot boiler“, doch statt des Deckels geht stattdessen die Geduld des Publikums flöten. Mitunter sind die Gespräche unfreiwillig komisch, aber als volltönendes TV-Special zum tatsächlichen SuperBowl wenige Tage später war das ein arger Rohrkrepierer. (3/10)