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Die Bande von Bill Anderson, eine herabgekommene Truppe einstiger konföderierter Soldaten, terrorisiert das Städtchen Springfield in Missouri. Dem Richter der Stadt geht das irgendwann zu weit, und er organisiert Hilfe von der Detektei Pinkerton. Kurz darauf kommen zwei Fremde in die Stadt: Daniel G. Samuelson behauptet, dass er auf dem Weg nach Westen sei um Gold zu schürfen (oder richtiger: Welches zu organisieren), und Ringo legt sich mit allem und jedem an, rettet mal eben zwei Geiseln der Anderson-Bande vor dem Tod, und macht ansonsten ein großes Geheimnis aus seiner Person. Die beiden Männer raufen sich zusammen, um der Bande endlich den Garaus zu machen. Die unterschiedlichen Motive machen dabei gar nichts, Hauptsache man kann den Banditen endlich das Handwerk legen.
Die allerdings haben sich mittlerweile nach Colorado abgesetzt. Unterwegs trifft die Bande auf eine Gruppe Mormonen, woraufhin die Gangster dann, weil Bill Anderson gar nicht so dumm ist, fortan als Mormonen unterwegs sind, und die Ranch, die sich die gottesfürchtigen Männer zu Lebzeiten gekauft hatten, auch gleich in Besitz nimmt, um von dort aus Raubzüge zu unternehmen. Doch die wackeren Kämpfer Dan und Ringo sind schon unterwegs …

Schlecht ist EIN SCHUSS ZUVIEL ja eigentlich(!) nicht, bietet er doch auf der Habenseite einige wirkliche starke Actionszenen, harte Prügeleien, Dynaik Zurakowska in einer völlig verschenkten Rolle und, selten genug zu sehen, Piero Lulli als Good Guy. Die Musik geht gut ins Ohr, die Landschaft reizt zum Mitraten aus welchen Filmen man diese Kulissen bereits kennt, und man kann anderthalb Stunden auch bedeutend schlechter verbringen. Aber ach, das waren ja nur die guten Seiten des Films, da hat es leider auch noch den ein oder anderen Kritikpunkt. Die sauberen und wie frisch gewaschenen Charaktere, klar und sofort erkennbar in Gut und Schlecht aufgeteilt zum Beispiel. Außer einem gewissen Michael, der hier Kid genannt wird (oder vielleicht Kitt? Was ja gut zu Michael passen würde? Ach nee, falsche Baustelle), der sich zumindest eine Zeitlang eine gewisse Ambivalenz erhalten kann, außer diesem Michael Kid sind alle Figuren so platt und schablonenhaft wie in den amerikanischen Western vor 1940. Gerade dass die Guten nicht auch noch weiße Hüte aufhaben. Aber die zweifelhaften Charaktere und moralisch verkommenen Anti-Helden des gängigen Italo-Westerns des Jahres 1968 werden hier nicht einmal ansatzweise getroffen.
Da wäre aber auch die spannungsarme und vorhersehbar ablaufende Geschichte, die in ihrer ganzen Anlage ebenfalls in die Filmjahre vor 1940 verlegt werden könnte. Bis auf den Schluss gibt es keine Überraschungen, keine Twists, keine Volten, und die Narration ist so flach wie das Grasland in den Great Plains. Hübsch anzuschauen, aber eben unaufregend. Vielleicht könnte man sich über den ein oder anderen völlig unerheblichen Nebenplot aufregen, damit wenigstens ein klein wenig Adrenalin verströmt wird – So ist etwa die Geschichte um die hübsche Lucy, Michaels Freundin, vollkommen zweckbefreit, und generiert nur unnötige Laufzeit. Der Bösewicht, der sowohl in der Stadt als auch bei der Bande auf zwei Hochzeiten tanzt, ist so schnell identifiziert als hätte er ein Schild um, und auch seine Geschichte versandet irgendwann. Von der Nebenfigur Michael Kid dann ganz zu schweigen, der nebulös und unscharf eine interessante Storyline antäuscht, nur um dann im Staub der Prärie vergessen zu werden, genauso wie der Plot um die Detektei Pinkerton, der zu Beginn auf das Interessanteste angetäuscht wird, ab einem bestimmten Zeitpunkt dann aber einfach nicht mehr auftaucht.

Der Western, vor allem der Italo-Western, glänzt oft durch seine ikonischen Bilder. EIN SCHUSS ZUVIEL allerdings nicht. Es gibt diesen Moment, wenn die Bande die Mormonen massakriert, und nur Kid nicht mitmacht, weil er so ein Sensibelchen ist. Die Szene beginnt sehr stark mit dem Gesicht Kids zu den tödlichen Schüssen. Aber leider nur ein oder zwei Sekunden, danach wechselt der Schnitt auf die Colts und der großartige Moment des Grauens vergeht so spurlos wie ein Kojotenruf in der Nacht. Auch sonst gibt sich Kameramann Emanuele Di Cola sehr viel Mühe, die Landschaft rund um Almería so unauffällig wie möglich darzustellen, und überhaupt bloß keine Extravaganzen zuzulassen. Die Kameraführung ist ungefähr genauso langweilig wie die Figuren oder die Geschichte …

Klingt jetzt alles nicht so prickelnd, und das ist es auch nicht. Die positiven Aspekte habe ich angeführt, und an denen hängt man sich dann halt auf. Aber ehrlich gesagt gibt es selbst bei den Western aus der dritten Reihe ansprechendere Arbeiten. Für einen Western von Rafael Romero Marchent auf jeden Fall steckt hier deutlich zu wenig Herzblut und Sorgfalt drin.

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