Benjamin Braddock (der fast 30jährige Dustin Hoffman) ist Anfang 20, hat das College mit einigen Auszeichnungen abgeschlossen & wird natürlich studieren, zumindest wenn es nach seinen stolzen Eltern geht. Die sind so stolz, dass sie für den Heimkehrer sogar eine Party schmeißen & alle ihre Freunde eingeladen haben. Ben hingegen ist unschlüssig, er weiß noch nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll & die Party & all die Leute & all ihre Fragen überfordern ihn, weshalb er sich gleich in sein Zimmer zurückzieht.
Dann steht die ca. doppelt so alte Mrs. Robinson (Anne Bancroft, ganz sechs Jahre älter als Hoffman) plötzlich vor ihm & bittet ihn, sie nach Hause zu fahren. Ihre Absichten sind eindeutig & Ben wehrt sich nicht lange dagegen. Allerdings ist deren Tochter Elaine (Katharine Ross, auch schon 27) ebenfalls nicht zu verachten.
Die erste Szene im Haus der Robinsons ist große Klasse, ebenso ihr Date im Hotel, wunderbar gespielt, voller kleiner großer Momente, nachvollziehbar geschildert & streckenweise zum Schreien komisch. Auch das Gefühl, sich für eine Entscheidung Zeit zu nehmen, nachdem man etwas geschafft hat, sich treiben zu lassen, das Leben zu genießen & dem Druck von außen standzuhalten, das unsichere Umherirren (& Verirren), wird exzellent rübergebracht. Der Simon & Garfunkel Score passt dazu wie die Faust aufs Auge.
Mit zunehmender Laufzeit wandelt sich die Leichtigkeit in Schwere, es gilt wichtige Entscheidungen zu treffen & sowieso scheinen sich (fast) alle gegen unseren Helden verschworen zu haben & werfen ihm ständig Knüppel zwischen die Beine, um zu verhindern, dass er das, was er will, bekommt. Zu Recht ein Klassiker der Filmgeschichte, keine Frage, wegen der vorzüglichen Darsteller, die ihre Figuren wunderbar zum Leben erwecken, wegen der zeitlosen Musik, wegen der tollen Stimmung & wegen des starken Endes, in das sich bei aller Euphorie auch leise Zweifel schleichen.