Review

Die heimlichen Helden der Horrorkomödie "Scary Movie" waren die Wayans-Brüder, deren Rollen für die besten Gags verantwortlich waren. Die Begeisterung legte sich nach der katastrophalen Fortsetzung schnell, im dritten Teil waren die beiden gar nicht mehr dabei. Nun melden sie sich mit "White Chicks" zurück, um an alte Erfolge anzuknüpfen - ohne Erfolg.

Die (sogenannte) Handlung:
Die dämlichen Polizisten Kevin und Marcus Copeland bekommen einen neuen Auftrag: Es gilt, zwei dumme, aber schwerreiche Schwestern zu beschützen, die Gefahr laufen entführt zu werden. Diverse Umstände führen aber dazu, dass die beiden Ladies eine Spendengala der High Society nicht besuchen können. Um an die potenziellen Entführer heranzukommen, müssen die Copelands sich als die beiden ausgeben, mit Perücke und Make-up. Zu erwähnen wäre, dass die Copelands schwarz, die zwei Tussen aber weiße Blondinen sind...

Über die Handlung auch nur einen Satz zuviel zu sagen, wäre schon ein Verbrechen. Letztlich stolpern die Copelands von nun an durch beliebig aneinandergereihte Szenen im Schicki-Micki und Modedesigner-Milieu. Und das als Frauen verkleidet, den Großteil des Films verbringen sie unter den lächerlichsten Masken (was natürlich niemandem auffällt..), die es seit langer Zeit zu bewundern gibt. Nur sind die Masken nicht, wie beabsichtigt, dümmlich-witzig, sondern nur armselig-peinlich. Leider trifft das auch auf 99% der Späßchen zu. Die Gagdichte ist locker auf "Scary Movie 3"-Niveau, nur - sie pendeln alle zwischen unlustig und schmerzhaft. Zum Heulen, zum Davonlaufen, zum Vergessen, alles schon mal besser gesehen oder schon immer schlecht gewesen. Zoten, Pups-Duelle, Dildo-Action, Missverständnisse, Kotze-Ekel, es ist so schlecht, es tut in den Augen so weh, dass man fast aus Mitleid lachen könnte. Wie krank muss man sein, um einen Vergleich zwischen der Figur hungernder afrikanischer Kinder und der eines Models belachen zu können? Es gibt kaum Filme, in denen so gut wie jede einzelne Szene so richtig versiebt wird, aber "White Chicks" schafft es.

Gute Gags kann man an einer Hand abzählen. Kevin muss in ein enges Frauen-Lederoutfit schlüpfen, das dann platzt - okay. Ein Bodybuilder verknallt sich so stark in Kevin, dass er bei der Gala für irrwitzige Summen einen Abend mit ihm/ihr ersteigert - na gut. Ein paar gute Sprüche haben noch die Agents Harper und Gomez, die die Copelands überwachen. Das sind die 5 Minuten Lichtblicke, in der 100-minütigen Dunkelheit. Das große Finale bei einer Modenschau ist aus "Zoolander" geklaut, wobei das nichts ausmacht, da dieser Film genauso schlecht ist wie "White Chicks". Der Bösewicht wird noch schnell abgeschossen, dann kommt das große Ablegen der Kostümierung, und zum ersten Mal bemerkte ich an mir ein Lächeln von Herzen - klar, der Film würde gleich vorbei sein.

Etwas Gutes hatte es durchaus, "White Chicks" gesehen zu haben: Ich werde von nun an einen großen Bogen um Filme machen, auf denen der Name "Wayans" prangert. Als großer Fan von "Nicht noch ein Teenie-Film" bin ich sicher nicht zu anspruchsvoll für "White Chicks", aber selten war ich von einem Film so entsetzt, wie von diesem. Unterirdische, geschmacklose, peinliche Gags, zwei Hauptdarsteller unter grauenhaften Masken, verheerende Handlung - ein filmisches Desaster. Übrigens ist dieser Film auch weit weg von jeder Familien - Kompatibilität, die die FSK 6 unterstellt, bei Kindern dürfte er sogar nachhaltige Schäden anrichten. Zwei Punkte von mir, einer für den halbwegs gelungenen Anfang und noch ein halber für Harper und Gomez ("Wen würdest du nageln, Roseanne oder Camilla Parker-Bowles").
1,5 / 10

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