Die Gebrüder Wayans sind bekannt für ihren derben Klamauk. Mit "Scary Movie" brachten sie eine brachiale, recht geschmacklose und von Fäkal-Humor nur so triefende Horror-Persiflage ins Kino, die das Publikum begeisterte und größtenteils auch recht gute Kritiken verzeichnen konnte. Kurz drauf holten sie mit "Scary Movie 2" zum nächsten radikalen Schlag gegen den guten Geschmack aus und trotz des größtenteils gleichgebliebenen Humors des ersten Teils, konnte plötzlich, komischerweise, keiner mehr lachen. Das ging sogar soweit, dass sie die S.M.-Reihe an David Zucker abgeben mussten. Und nun? Nun ziehen sie in ihrem neusten Streifen "White Chicks", die typischen Unarten weisshäutiger Schicki-Micki-Girlis durch den Kakao und wieder spucken die Kritiker aller Orts mit ihrem Gift. Doch nach Ansicht dieses Filmchens kann ich nur sagen: Ich habe gelacht! Nicht durchgängig, aber ich habe gelacht! Und ich versuche mit dieser Review nun mal einige Kritiken, die der Film einstecken musste, zu entkräften.
Manche Kritiker werfen dem Film vor, er hätte keine Story!
Zugegeben, hier mögen die Kritiker erst einmal recht haben. Mit einer besonders gelungenen Geschichte kann "White Chicks" wirklich nicht aufwarten. Die Story um zwei schwarze FBI-Agenten, die als weiße Luxus-Girls verkleidet, eine Entführung verhindern wollen, wirkt nicht mehr als ein Aufhänger, für die gnadenlose Aneinanderreihung, der vorhandenen Gags. Einen wirklichen Sinn hinter dem ganzen Treiben erkennt man eigentlich nie, und Plot-Löcher sind auch nicht gerade selten. Z. Bsp. ist es doch sehr verwunderlich, dass keiner das Theater, welches die beiden Cops einem da vorspielen, erkennt, und das wirklich jeder diese beiden "Bräute" als echt empfindet, obwohl sie nun überhaupt keine Ähnlichkeit mit den wirklichen Mädels haben. Aber nun gut, bei so einer Komödie sollte man wohl auch nichts Anderes erwarten.
Manche Kritiken zufolge, hätte der Streifen keinerlei gute Satire bzw. Gags zu bieten!
Diese These möchte ich nun aber mit aller Entschiedenheit zurückweisen, wenn auch nicht zu 100%. Denn wirkliche Brüller hat der Film eigentlich zu Hauf zu bieten. Wenn die beiden FBI-Agenten in ihre weißen "Ganzkörpermasken" schlüpfen und auf ihre Art und Weise, das typisch "weiße" Schick-Micki-Getue alla Paris Hilton durch den Kakao ziehen, dann ist Lachen garantiert. Es ist einfach herrlich mit anzusehen wenn die beiden Wayans-Brüder Marlon und Shawn, als weiße Schnallen durchs Bild stolzieren und dabei nicht nur typisch männliche, sondern auch typisch "schwarze" Klischees mit ins Bild bringen. Großartig z. Bsp. die Szene, in der die beiden "Damen" in einer Disko so richtig abhotten, wenn sie als Models auf dem Laufsteg langstolzieren oder einfach typische "Frauen-Dinge" aufs schärfste vergackeiern. Das macht einfach Laune und kann wirklich für viele heftige Lacher gut sein.
Schade nur, dass das Abfeiern nicht durchgängig funktionieren möchte. Ab und an verliert sich das Treiben doch zu sehr in seinem Klamauk. Als schlimmste Beispiele wären da die Szenen in der Umkleidekabine und das komplette Finale genannt. Beide Szenen ertrinken leider nach einiger Zeit in ihrem Klamauk, so das einem das Ganze dann doch ab und an etwas auf die Nerven geht. Zudem sind die Szenen mit den echten Wilson-Schwestern einfach nur grässlich, da die beiden Blödtröten mit ihrem Gebrülle und dem vollkommen übersteuertem Getue, einfach nur für Kopfschmerzen, der heftigsten Sorte, zuständig sind. Aber Gott sei Dank sind die Auftritte dieser beiden Subjekte relativ gering ausgefallen, wodurch mans fast schon wieder verschmerzen kann.
Manche Kritiken behaupten, dass der Film nur so mit Fäkalien-Humor vollgestopft sei!
Auch das stimmt nicht. Im Vergleich zu ihren beiden "Scary Movie"-Streifen, gehen die Wayans-Brüder dieses mal sogar relativ bescheiden mit den Witzen unter der Gürtellinie bzw. den üblichen Pupser-Witzen um. Zwar geht es nicht ganz ohne, zum Beispiel gibt eine relativ heftige "Magen-Krampf"-Szene in der wirklich heftigste Flatulenzien zum Vorschein kommen und auch hier und da rutscht der ein oder andere Gag in den mittleren Körper-Bereich ab, aber im Grunde ist das wirklich nicht so schlimm, wie manch einer behauptet und man kann diese Gags an maximal zwei oder drei Händen abzählen, was, in Anbetracht der hohen Gag-Rate, nicht gerade viel ist!
Manche Kritiker erzählen uns, dass der Film rassistische Ansätze gegenüber den "Weißen" hätte und sie zu Stereotypen dekradieren würde!
Nun, dass ist wirklich völliger Blödsinn! Wer bei dieser Satire rassistische Ansätze sieht, dem ist wirklich nicht zu helfen. Zwar gehen die Brüder nicht gerade zimperlich, mit den typischen Klischees der Weisshäutigen um, doch wirklich bösartig oder gar abwertend und eben rassistisch werden sie dabei wirklich in keiner Minute. Zudem nehmen sie sich und ihre "Brüder" ja zwischendurch auch selbst mal auf die Schippe! Und wirklich von der Hand zu weisen, sind die persiflierten Begebenheiten ja schließlich auch nicht. Und außerdem: Man wird doch wohl auch mal über sich selber lachen können, oder?
Was in den meisten Kritiken aber völlig untergegangen ist, sind die Arbeiten der Masken-Abteilung. Was die Maskenbildner hier aus Marlon und Shawn gemacht haben, ist schlichtweg gelungen! Die Beiden sind nach ihren stundenlangen Sitzungen in der Maske, wirklich nicht mehr wieder zu erkennen. Selbst Michael Jacksons Schönheits-Chirurgen hätten das nicht besser hinbekommen. Sicher, für den Zuschauer ist die Maskerade unübersehbar aber alles sitzt hier so gut, wie es nur irgendwie möglich war.
Schauspielermäßig kann man allerdings nur mit den Hauptdarstellern zufrieden sein. Die beiden Brüder sind einfach sensationell gut in ihren Rollen und man könnte sich kaum andere Darsteller für diese Parts vorstellen. Mit unglaublich viel Freude am Spielen und einem wirklich perfekten Gang in Frauenklamotten, gibt es da einfach nichts zu kritisieren. Alle anderen Darsteller wirken dagegen allerdings vollkommen blass und sind maximal unter der Rubrik "Durchschnittlich" einzustufen. Vor allen die Darstellerinen der echten Wilson-Sisters sind eher etwas für die Trash-Schublade als fürs Kino. Ein besseres Händchen beim Casting wäre da wirklich sehr wünschenswert gewesen.
Fazit: Deftige Satire, auf das typisch "weiße" Schicki-Micki-Getue unserer Luxus-Schlampen alla Hilton und Co., die zwar durchaus ihre Schwächen hat, und ab und an auch etwas zu tief im Klamauk versinken mag, aber, im Großen und Ganzen, doch eher mit gelungenen Gags aufwarten kann. Wer nicht immer einen Sinn hinter dem ganzen Treiben finden will und sich auch einmal ohne großes Nachdenken amüsieren kann, der dürfte eigentlich soweit zufrieden sein, wenn auch nicht ganz ohne Kritik.
Eine Wertung von 6,5, mehr als verdienten, Punkten gibt es da von mir, die wirklich nur um Haaresbreite am Aufrunden zur 7 gescheitert ist!
Wertung: 6,5/10 Punkte