Review

Bei einem klassischen Kannibalenfilm erwartet der Zuschauer ein paar Ugu-Ugu-rufende Kannibalen, die genüsslich ihre Opfer verzehren. Tiersnuff und das Aufeinanderprallen zweier Kulturen sind ebenso Pflicht.
Glücklicherweise trifft nur Letzteres zu.

Alles dreht sich um Catherine Miles, die nach dem Mord an ihren Eltern von einem Eingeborenenstamm verschleppt wird und über ein Jahr in ihrer Gesellschaft verbringt. Zunächst hält sie den Krieger Umukai für den Mörder und so begleiten sie Ekel und Abscheu gegenüber dem Stamm der Kopfjäger. Doch am Ende erfährt sie, wer die wahren Mörder sind und sinnt auf Rache.

Erzählt wird eine angeblich wahre Geschichte (Cannibal Holocaust ist ja auch so passiert und Blair Witch ebenfalls…), in einer langen Rückblende während des Gerichtsprozesses. Dabei geht es weniger um das wilde Treiben der Kannibalen (die eigentlich keine sind), sondern vielmehr um die Annäherung an Sitten und Bräuche aus der Sicht von Catherine. Dass dabei etwas mehr Tiefe entsteht, als die übrigen Beiträge dieses Genres aufweisen, ist schon erstaunlich.
Recht behutsam vermeidet man die komplette Verurteilung des Andersartigen und auch wenn der Brauch es verlangt, dass eine Frau während ihrer Mens auf einen Baum muß und ein Fremdgeher aufgehängt, mit Honig eingerieben und anschließend von Insekten angeknabbert wird – so halten sich die Klischees im Rahmen und ein paar Splattereffekte sind schließlich auch zu sehen. Ein Blutgelage sollte man aber nicht erwarten. Sensationsshow und Goreoverkill will der Streifen nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern einen etwas anders gearteten Abenteuerfilm mit ein paar härteren Szenen.
Spannung und Action sind allerdings schwer auszumachen, aber die Kulissen sind gut gewählt und die Darsteller funktionieren ganz ordentlich.

Was den Tiersnuff angeht, so verurteile ich das explizite Töten eines Tieres durch Menschenhand, was ich aber bei meiner VHS-Fassung von X-Rated nicht finden konnte. Zwar sieht man einige Doku-Szenen, in der sich ein Leopard über sein Beute hermacht, aber das ist sicherlich nicht zu verurteilen.

Somit ist dieser Nachzügler im Bereich des Kannibalenfilms einerseits typisch, denn die weiße Frau bei den Wilden hat es x-mal gegeben, doch eine aufkeimende Love-Story und ein paar Thriller-Elemente gegen Ende sind andererseits eher neu.
Nichts für den Zuschauer, der mal wieder seine eigene Belastbarkeit austesten will, sondern eher etwas für Leute, die mal einen etwas untypischen Kannibalenfilm sehen wollen.
6 von 10 Punkten

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