Catherine Miles hat sich wegen Doppelmordes vor einem südamerikanischen Gericht zu verantworten und erzählt in Retrospektiven die Geschichte ihrer Leidenszeit(?) bei einem Eingeborenenstamm im Dschungel.
Titelheldin Elvire Audray, die auf dem gezeichneten Cover deutlich mehr Oberweite hat als in Wirklichkeit, verkörpert die Catherine Miles zumindest einigermaßen glaubhaft. Ihre Darstellung der gefangenen blonden Studentin mit einer Mischung aus Bestürzung und Entsetzen, gleichzeitig aber Standhaftigkeit und Entschlossenheit ist gemessen an anderen Darstellerinnen dieses Genres sogar relativ gut gelungen. Daß sie den ganzen Film über gleich aussieht, nämlich wie eine 25jährige, die allerdings als 18jährige vorgestellt wird und auch während ihrer Gefangenschaft nicht altert, kann man nicht ihr, sondern nur der Requisite ankreiden. Dennoch hat sich Regisseur Mario Gariazzo ein bißchen mehr Gedanken gemacht als seine Vorgänger Lenzi oder Deodato und läßt manche Ereignisse und Zusammenhänge von Catherine in ihren Rückblicken erklären, beispeilsweise das Sozialverhalten der Indios, um Frauen vor versammelter Gemeinschaft zu verhandeln und zu kämpfen, Mädchen im Alter von 4 Jahren zu entjungfern oder Ehebrecher zum Tode zu verurteilen. Das macht diesen Film natürlich noch lange nicht gut, hebt ihn aber etwas aus den bisher bekannten Exponaten der Kannibalen-Thematik heraus - zumal es hier auch gar nicht um Kannibalen, sondern um einen ganz normalen Indio-stamm am Amazonas geht.
Die wenigen Splatterszenen sind nicht besonders schockierend ausgefallen, für die damalige Zeit aber ganz ordentlich handgemacht. Auch der Sleaze-anteil hält sich in Grenzen, zwar läuft Catherine die meiste Zeit oben ohne herum, was angesichts ihrer flachen Oberweite kaum auffällt, dennoch wird auf explizite Szenen verzichtet und die wenigen diesbezüglichen Momente sehr dezent gefilmt.
Natürlich gibts auch hier wieder massenhaft unlogische Momente, so scheint Catherine den ganzen Film über die Eingeborenen quasi missionieren zu wollen, indem sie deren Sitten und Gebräuche zwar kennenlernt, aber ihre eigenen beibehält und sie den "Wilden" beibringen will. Überhaupt hat man nicht unbedingt den Eindruck daß sie sehr ungern bei den Indios lebt. Umukai, der stärkste Krieger des Stammes scheint privat ein richtiges Weichei zu sein und verhält sich geradezu verständnisvoll gegenüber seiner blonden Beute: als Catherine die Schrumpfköpfe ihrer Eltern in einem Erdloch bestattet, schmeißt er die Kette mit dem Kreuz, die er Catherine anfangs abgenommen hatte, gleich noch hinterher - das ist ebenso unglaubwürdig wie seine letzten Szenen, als er plötzlich ein holpriges englisch(?) spricht. Die Story mit dem Indiomädchen Luamari, die ebenfalls Catherines´ Sprache spricht und daher dolmetschen kann (weil sie als Kind in einer Missionsstation aufwuchs aber später von den Eingeborenen zurückgeholt wurde) ist genauso an den Haaren herbeigezogen wie die Szenen, wo Catherine auf einer Blockflöte spielt - woher hat sie die? Der Plottwist gegen Ende des Films, als es um die wahren Mörder von Catherines´ Eltern geht ist dann wieder erschreckend klischeehaft, genauso wie die Hubschrauberbesatzung, die in bester Rambomanier mit dem MG Eingeborene abschießt - hier mußten wohl auf Teufel komm raus einige Action-elemente eingeflochten werden, die aber keinen wirklichen Höhepunkt darstellen.
Insgesamt ist Amazonia also eher mäßige Unterhaltung mit einigen Längen, mehr dem Genre "Abenteuerfilm mit ein paar härteren Szenen" zuzurechnen.