Auch "Amazonia" versucht, wie die meisten Kannibalenfilme schon vorher, mit einem Hauch Mondocharakter authentisch zu wirken. Dafür wird die berühmte, gewichtige Stime aus dem Off bemüht, um uns die Geschichte von Catherine Miles in Rückblicken zu vergegenwärtigen. Die englische Studentin besucht ihre Eltern, die in Brasilien eine Plantage im Urwald besitzen. Bei einer Bootstour werden ihre Eltern bestialisch umgebracht und Eingeborene entführen Catherine. Zunächst wird sie höchstbietend verkauft, um dann später die Frau vom Krieger Umukai zu werden. Sie verbringt ein ganzes Jahr bei den Wilden, doch sie hat nur eines im Sinn, nämlich Abscheu für Umukai, den sie für den Tod ihrer Eltern verantwortlich macht, und die Flucht aus der Wildnis. So bekommt der Zuschauer über weite Strecken des Filmes Einblicke in den Akklimatisierunsprozeß einer blonden Studentin bei Kopfjägern, was jedoch fast gänzlich fehlt, sind die eigentlichen Kannibalen. Die tauchen nur am Anfang kurz auf, "Amazonia" kommt auch komplett ohne die leckeren Freßszenen aus. Statt dessen gibt es hin und wieder ein paar Tötungen, die sich durchaus sehen lassen können. Besonders die Köpfungen sind fein gemacht, die hier immerhin nicht ganz so ausgebreiteten Tiersnuffszenen weniger, wenngleich die relativ "naturbelassen" bzw, reingeschnitten aussehen. Im Grunde aber handelt es sich um exotisch inspirierte Exploitation, die in der typischen Trashmanier das Leben der Wilden zeigt, dabei ständig unterlegt von einem einschläferndem Score aus der Feder von Franco Campanino (klingt wie Michael Holm in seinen schlimmsten Zeiten). Zum Ende hin gibt es natürlich noch die Gewissheit, dass der tapfere Umukai (der wahrscheinlich größte Frauenversteher des Exploitationkinos) eigentlich der Gute und die Bösen na klar, die Bleichgesichter sind. Nun gut, großes Aufklärungskino wird wohl niemand erwarten, doch außer einer Hand voll Goreszenen und nackten Tatsachen ist dieser Beitrag zum Kannibalenfilm unspektakulär gehalten, nebenbei gesagt ist die Besetzung der Catherine Miles mit Elvire Audray auch nicht gerade als Hingucker gelungen. Die Zeit der großen Kannibalenschocker war vorbei und Regisseur Mario Gariazzo hat mit diesem Nachzügler nochmal den Dschungel aufleben lassen, allerdings eher mit exotischen Motiven als mit ausufernden Splatter- oder gar Folterarien.
Fazit: Ein "Cannibal Holocaust 2", wie der Alternativtitel großspurig tönt, ganz gewiss nicht, dafür immerhin exotische Exploitation. 5/10 Punkten