"Rojo Sangre" ist in erster Linie eine Hommage an Paul Naschy, der hier in der Hauptrolle zu erleben ist. Für Freunde dieses geradezu legendären spanischen Schauspielers ist dieser Film daher wohl ein Großereignis. Ich finde den Mann nicht allzu sympathisch, und das nimmt dem Film schon einmal einen Teil seiner potentiellen Attraktivität, da mit den üblichen Stilmitteln des Horrorfilms ansonsten recht sparsam umgegangen wird. Besonders ist anzumerken, daß der Titel recht trügerisch ist, da es sich hier nicht um einen Splätterfilm handelt. Blutige Szenen kommen zwar vor, aber nur in einem so geringen Ausmaß, daß Zuschauern, die hauptsächlich darauf aus sind, schnell langweilig werden dürfte. Diese sollten eher zu "Mucha Sangre" greifen. Ansonsten hat der Film auch nicht zu verachtende positive Aspekte. Die Optik ist durchgehend sehr stilvoll und elegant, von Panoramen eines dekadenten Groß-Nachtclubs über düstere Keller, in denen "Snuff"-Filme gedreht werden, bis zu Detailansichten silberglänzender Messerkollektionen. Auch was Kostüme und Farbgebung angeht, beweist Christian Molina durchgehend einen guten Geschmack. Außerdem scheint er ein Faible für leicht abgehalfterte, verwelkende Frauengestalten zu haben, die sich wie so viele Mitwirkende als Gehilfen des leibhaftigen Lucifer entpuppen. Paul Naschy, ob man ihn nun mag oder nicht, macht seine Sache gut, und die restlichen Schauspieler ebenso, bis auf einige, deren Spiel aber an ihren allzusehr auf "Schlachtvieh" hin gearbeiteten Rollen krankt. Das Drehbuch schafft auch das Problem, daß ein Motiv, nämlich der Tod der Tochter des Protagonisten, ständig im Hintergrund des Geschehens steht, ohne daß man einmal wirklich Genaues darüber erfährt.
Im ganzen ist die Orientierung an Brian Yuznas "Faust" kaum verkennbar, sowohl von der Thematik als auch von der Optik her. Wenngleich Molinas Werk insgesamt unspektakulärer ausfällt, können Freunde düster-eleganten Horrors hier einen Blick riskieren.