Review

Man stelle sich vor, man geht so gemütlich seines Weges als einem plötzlich eine herrenlose Videokassette auffällt, die ebenso gemütlich im Rasen liegt. Neugierig wie der Mensch nunmal ist lässt man sie nicht einfach so liegen sondern nimmt sie mit nach hause wo man sie direkt in den guten alten VHS Player schiebt um, dem eigenen Voyeurismus folgend, zu überprüfen wer da wohl seinen Privatporno oder Oma's Urlaubserinnerungen verloren hat.
Was man dann zu sehen bekommt ist das Privatvideo dreier Sadisten, die ihre Neigungen ohne Rücksicht auf (menschliche) Verluste in einem nicht näher definierten Kellerloch ausleben...

Mit dieser kurzen Beschreibung wären sowohl der fragwürdige Sinn als auch die Geschichte hinter August Underground's Mordum schon einmal abgehakt. Dann wollen wir mal zur Bewertung schreiten, die ich mal in zwei Hälften teile: die objektive und die subjektive:

1. Die objektive Bewertung (10 / 10 Punkte):
Versucht man mal eine persönliche Wertung außen vor zu lassen und Mordum nur danach zu bewerten inwieweit er das ist was er sein will, hat er klare 10 Punkte verdient. Beginnend mit der Blairwitch-artigen Kameraführung, über die amateurhafte Beleuchtung hin zum (wahrscheinlich nachbearbeiteten) Onkel-Alwin-filmt-das-Familientreffen-Look, ergibt sich ein äusserst stimmiges Gesamtbild des "Films". Man hat tatsächlich zu keiner Zeit das Gefühl, einen Film zu sehen, der in irgendeiner Art und Weise einem Drehbuch oder sonstigen Charakteristika eines (ich nenne es Mal) semiprofessionell produzierten Werkes folgt. Würde ich diese VHS finden, ich hätte wirklich gar keinen Zweifel daran, dass sie authentisch ist.
Unterstrichen wird diese Authentizität von den extrem professionellen und guten Special Effects. Mir wäre nicht einmal so etwas wie Gummi, Latex oder Kunstblut aufgefallen. Es wirkt einfach absolut echt. Nicht umsonst wird Mordum unter dem Label "Pseudo-Snuff" angepriesen.
Ein weiteres Detail, das zur Glaubwürdigkeit des Films beiträgt, sind kurze Abstecher in einen Burgerladen (so viel Kotzen, Vergewaltigen, Morden und Demütigen erzeugt allem Anschein nach auch Hunger), abrupte Schnitte (nach dem Motto: Kamera ausschalten und irgendwann einfach wieder einschalten) und eine klassische Kameramikro-Soundkulisse.
Kurzum: Mordum ist absolut glaubwürdig und so hart wie man es von einem derartigen Tape erwarten würde....also sehr hart....um genau zu sein: bis dato (!) das kaputteste, kränkeste und abartigste Stück Film, das ich bis jetzt gesehen habe.

2. Die subjektive Bewertung (4 / 10)
Vielleicht ist es kontraproduktiv einen Film objektiv zu bewerten weil hier ja schließlich in der Hauptsache von Interesse ist wie der Film letztendlich gewirkt hat.
Für mich persönlich stellt Mordum die Spitze dessen dar, was ich an Gewalt (...) bisher gesehen habe. Wenn manche Leute erzählen, dass "All night long" (gähn) einen unglaublichen Nihilismus versprüht, kann ich darüber nach Mordum nur lachen. Wenn mir  jemand allgemein etwas über (visuell) harte Filme erzählt kann ich darüber nach Mordum ebenfalls nur lachen. Dieser Film befriedigt  einen kranken Voyeurismus, verpackt in Bilder die man sich freiwillig nicht besonders lange antun will weil es einfach nur anstrengend ist zuzuschauen. Ich ziehe meinen Hut vor der SFX-Kunst des Fred Vogel, aber Spaß gemacht hat mir der Film gewiss nicht. Ich habe schnell gemerkt wo bei mir die Grenze des guten Geschmacks endet, und das ist eindeutig vor Mordum. Ständig habe ich mich gefragt: "Was schaue ich mir hier eigentlich gerade an?".
Warum ich es trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe? Weil Mordum auf eine gewisse Art und Weise fasziniert, weil er etwas gänzlich anderes ist als ich es bisher gesehen habe...und weil ich wissen wollte wie dieses seelische und nervliche Massaker endet. Soviel sei verraten: authentisch.
4 / 10 Punkten für ein Machwerk, das sicher kein guter Film ist, aber eindeutige Pluspunkte für Andersartigkeit und SFX verbuchen kann.

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