Review

Gottseidank bin ich jetzt endlich durch mit den H.G-Wells-Vergewaltigungen, die Bert I.Gordon in den 70ern verbrochen hat. Nach dem kreuzöd-schlechten "In der Gewalt der Riesenameisen", hab ich mir jetzt auch noch den unmittelbaren Vorgänger reingezwungen, der auf derselben Schiene reitet.
Wieder mal Riesentiere, die die Welt bedrohen, oder zumindest ein Kleine Gruppe Verzweifelter auf begrenztem Raum. Von besonderer Blödheit auch hier: Idee, Umsetzung, Schauspielerei und Tricks.

Der Film wurde nicht umsonst von den Medved-Brothers zum schlechtesten "Nagetierfilm" aller Zeiten in ihrem Buch "The Golden Turkey Awards" gekrönt, das zieht einem echt die Schuhe aus.
Gehen wir es durch: die Hauptrolle spielt Marjoe Gortner. Das ist nicht, wie der Mitteleuropäer vermuten könnte, eine Frau, sondern ein Mann und noch dazu ein religiöses Unikum. Weil der natürlich nicht schauspielern kann, läßt ihn Gordon meistens wie angestachelt durch die Gegend rennen, in der Absicht, irgendwelche Riesenviecher zu killen. Frauen, werdende Kinder und reichlich Unschuldige erstmal präventiv in Sicherheit zu bewegen, fällt ihm nicht ein. Stattdessen wird um ihn rum die Schar der Eingekesselten immer kleiner (und reiner, denn natürlich müssen nur die Kaputten, die Zweifler und Bösewichte dran glauben), während er sich immer neue Kniffe ausdenkt. Vielleicht gar nicht so schlecht, mangelnde Mimik durch puren Aktionismus zu ersetzen. Damit es auch der Dümmste rallt, spielt Gortner im Vorspann und auch noch mal danach (offenbar aber trotzdem am selben Tag aufgenommen) in einem leeren Vorstadtstadion Football, kann sich aber einfach mal zum Riesenrattenkillen trotz Endspiel am Sonntag ein paar Tage frei machen.

But why? Weil die ansässige Fauna sich inzwischen riesig auswächst.
Und das kommt so: aus einem Felsen in der Nähe einer Farm am Arsch der Welt/Insel sickert nämlich eine seltsame Substanz, die wie Vanillesauce aussieht und es wohl auch ist. Wer die schlabbert und noch im Wachstum ist, geht ab wie ein Zäpfchen. Bei Erwachsenen funktionierts nicht, aber wohl beim Nachwuchs.
Und die Fauna geht natürlich auf die Einwohner los (im Umkreis 10 Meilen eine Anzahl von ca. 10).
Der liebe Farmer hat schon einen fiesen Nahrungsproduzenten aufgestachelt, der mit einer "Lady"-Bakteriologin (Pamela Franklin aus "Schloß der Schreckens" und "Tanz der Totenköpfe") reist, die ihn permanent beleidigt und niedermacht, weil er schließlich ein Arschloch ist, trotzdem aber keine Angst um ihren Job hat (und auch nicht entlassen wird). Des Farmers Frau (Ex-B/C-Star Ida Lupino in einer ganz schlimmen Rolle als religiöses Landei) sitzt derweil hinter dem Ofen und muß sich der Tierwelt wehren.

Und da reicht Gordon natürlich den ganzen Schwung: im Stall stehen (als Rückprojektion unschwer auszumachen, da die Ränder zwischen Realfilm und Trickprojektion IMMER deutlich zu sehen sind) Riesenhühner rum, die alsbald von den Riesenratten vermampft werden. Vorher wird Gortner aber noch von einem halben Hahn angegriffen, nämlich von der oberen Hälfte, die als übergroßes Püppchen auf ihm rumhacken darf. Auch die Ratten gibt's als Riesen-Kopf-Modell, wenn sie laufen, sinds die kleinen aus dem Kinderzimmer.
Besonders knuffig sind die Farmer-Vernaschszenen im Auto, in denen die Köpfe recht blutig den Alten wegknuspern, die Zwischenschnitte von außen ins Auto rein aber zeigen, daß gar keine Ratten bei ihm drin sind.
Ansonsten machen noch ein paar einkopierte Riesenwespen den Film unsicher, so schlecht eingebaut wurden, daß sie nur transparente Schattenspiele sind und ein paar Monter-Würmer, die Mrs.Lupinos Hand annagen. Auch die Szene ist himmlisch, denn während sie sich windet schreiend und wimmernd windet in der Halbtotalen (aber sinnigerweise nicht schreiend die Flucht ergreift), bleibt ihre Hand im Gegenschnitt mit den Würmern vollkommen bewegungslos. Absolut top!

Leider geht's in der zweiten Filmhälfte nur noch um die Rattenbelagerung mit weiteren superschlechten Effekten und Dialogen, wie sie finsterer nicht sein könnten, inclusive einer erbärmlich schlechten Anmachszene der Franklin. Am Ende ersaufen alle Viecher und das Zeug (das dem Orginaltitel nach "Food of the Gods", also das Essen der Götter ist) kommt trotzdem ins Wasser, von dort in die Kuh und dann in die Schulspeisung. Fortsetzung in "Liebling, wir haben jetzt ein Riesenvorschulkind".

Ein schönes Beispiel für einen Film, in dem so recht nichts stimmt und der deutlich zeigt, wie man es besser nicht machen sollte. Schlecht in jeder Beziehung, aber nicht so schlecht, als daß Gordon nicht noch die Ameisen hinterherinszenieren durfte. Trotzdem hier verdiente 1/10.

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