H. G. Wells war seiner Zeit bekanntermaßen weit voraus. Der 1904 erschienene Roman „Die Riesen kommen“ beschäftigt sich mit Gentechnik, was Trashfilmer Bert I. Gordon jedoch zum Anlass nahm, daraus einen simplen Die-Natur-schlägt-zurück-Film zu basteln.
Mit Effekten, bei denen in entsprechender Bierlaune kein Auge trocken bleibt.
Als drei Footballspieler um Morgan (Marjoe Gortner) einen Ausflug auf eine Insel unternehmen, wird einer von Riesenwespen attackiert und stirbt. In der Waldhütte von Mrs Skinner (Ida Lupino) wird man fündig, denn die Hühner wurden mit einem speziellen Zusatzfutter ernährt und weisen ein Vielfaches ihrer eigentlichen Körpergröße auf. Doch auch Ratten haben von der Spezialnahrung genascht…
Obgleich sich der Streifen von A bis Z konsequent ernst gibt, sah das die Synchro ein wenig anders, so dass bekannte Stimmen wie Lutz Mackensy oder Christian Rode einige Klopse raus hauen. Hinzu kommt die unglaublich schlechte Leistung von Hauptdarsteller Gortner, der Gesichtsausdrücke macht, die es eigentlich nicht gibt. All das wird jedoch übertroffen von einer unfassbaren Tricktechnik.
Richtig übel sind die Riesenwespen, die in einer Szene wie in die Landschaft geworfenes Schattenspiel aussehen, ein mutierter Hahn aus Gummi ist ebenfalls ein Knaller, wogegen bei den Ratten auf echte Tiere zurückgegriffen wurde, die wahlweise in Großaufnahme durch Miniaturkulissen huschen oder per Fell-Dummy Leute attackieren. Leider dürften zahlreiche Tiere während des Drehs verendet sein, denn auch wenn Gordon dies dementiert, so gibt es doch viele kleine Einschüsse, die mit Sicherheit nicht getrickst sind, zumal man selbst hyperklugen Ratten nicht antrainieren kann, sich für einen Moment tot zu stellen.
Davon abgesehen ist jedoch immer was los, weil die Figuren eine irrationale Entscheidung nach der anderen fällen, zwischenzeitlich ordentlich viel Kunstblut hervorgeholt und gegen Ende sogar ein Damm gesprengt wird. Was das Paar mit der Hochschwangeren auf der menschenleeren Insel treibt, leuchtet zwar genauso wenig ein, wie man ein von Blut und Gedärm umgebenes Auto an einem Pfad übersehen kann, doch immerhin kriegen alle Bösewichte ihr Fett weg und das Ende wartet mit einer boshaften Pointe auf.
Feingeister und Freunde der literarischen Vorlage dürften an diesem Nagetierhorror verzweifeln, doch Trashfans kommt er definitiv gelegen, zumal sogar der eine oder andere atmosphärische Moment auf der Insel oder in der Hütte auszumachen ist.
Tierhorror der charmant-stümperhaften Art.
6 von 10