Januar 1943.
Der britische Premier Churchill will sich mit dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt in Casablanca zu einer Kriegskonferenz treffen. Das Gipfeltreffen mit dem Codenamen „Operation Symbol“ hat das Ziel, die Differenzen zwischen den verschiedenen französischen Befreiungsbewegungen auszuräumen und sich auf eine gemeinsame Strategie der Alliierten zu einigen, um den Krieg in Afrika und Europa zu gewinnen. Otto Von Tiblis [ Manfred Lehmann ], der Leiter des deutschen Nachrichtendienstes in Afrika, bekommt von Hitler den Befehl, das Treffen von britischer Seite auf jeden Fall zu verhindern.
Nicht wirklich beschaulicher Abenteuer/Actionfilm, der eigentlich schon auf dem Papier genauso aussieht wie erwartet und befürchtet; die biedere italienische Produktion versucht vergeblich, das Nichtvorhandensein von Starpower, Budget und Talent zu übertünchen, Drehbuch und Regie arbeiten auf niederem Niveau.
Ausgangspunkt der Grundstory und Epilog peilen einen starken historischen Hintergrund an, unpassend ausgewähltes und ergänztes Archivmaterial soll die realen Fakten ergänzen und durch die anfangs ähnlich gefilmten Bilder eingegliedert werden. Das wenig gekonnte Ergebnis dieses vorgetäuschten Bemühens zeichnet schon von Beginn an einen unrühmlichen Eindruck, der Film befindet sich ab den ersten Minuten trotz seiner Zeit- und Ortsangaben in einem gestellten filmischen Niemandsland und erweckt nie den Eindruck von Akkuratheit oder Präzision. Dazu kommt, dass die Ausstattung mehrmals und eigentlich durchgängig mit falschen Materialien arbeitet, besonders die militärischen Details entbehren oftmals jeglicher fundierter Grundlage.
Zudem nimmt der Erzählaufbau ein ganzes Drittel des Filmes ein, ohne ein wirklich stimmige Situation geschaffen zu haben; viel nutzloses Gerede um wortwörtlich heisse Luft ergibt in den ersten 30min einen behäbigen Einstieg, der erst mit der Abfahrt des Zuges etwas Bewegung erlangt.
Churchill – hier übrigens ein ziemlicher Kalauer – wurde bisher durch einen umkämpften Luftraum gezwungen in Algier notzulanden; die dort stationierten Mächte im Hauptquartier werden durch General Williams [ Glenn Ford ] und Colonel Bats [ Donald Pleasance ] vertreten. Zusammen mit dem der ehemaligen prodeutschen Vichy Regierung Frankreichs angehörigen Major Valmore [ Jean Sorel ] wird der weitere Plan entworfen. Da die Nazis anscheinend von dem Vorhaben Bescheid wissen, wird mit einem Double und zwei verschiedenen Routen gearbeitet, wobei der endgültige Beschluss nur zwei Stunden vorher ergehen soll, um das Treffen doch noch in der Zeit und gefahrenfrei zu ermöglichen. Dabei wird zugunsten vermeintlicher Sicherheit der Zugweg vorgeschlagen, ein Tag durch Berge und Wüste statt einem zweistündigen Flug. Zur speziellen Bewachung des Vorhabens werden die Abwehragenten Cooper [ Jason Connery ] und Franchetti [ Francesco Quinn ] abgestellt.
Diese beiden Darsteller sollen anscheinend auch als Aushangschild des Filmes hervorstechen, die meiste Aktivität und Einsatz geht abwechselnd von ihnen aus; es wird allerdings nur deutlich klargemacht, dass ihre Väter Sean und Anthony so viel mehr Charisma und Präsenz besitzen. Ob diese Titanen das heillose Unternehmen gerettet hätten steht zu bezweifeln, Sergio Martinos Regie kommt nicht vom Fleck und verheddert sich wie ein schlechtes Katastrophendrama in ein Panoptikum von Klischeesituationen und – personen. An Bord des Zuges sind natürlich die gegensätzlichsten Figuren auf engstem Raum: Huren treffen auf Nonnen, katholische Priester auf Moslimen, Kriegsbefürworter auf Pazifisten. Dazwischen harmonisieren zwei tief homosexuelle britische Offiziere mit einem kleinen jüdischen Mädchen, das aus Warschau flüchtete; Platz für anfängliche Reibereien und späterer Läuterung ist ausreichend vorhanden. Dafür machen sich beim Zuschauer klaustrophobische Gefühle breit, zumal alles sehr eng, voll und frömmig ist.
Bevor alles totgeredet wird, passiert auch schon [ = endlich ] die Entführung des Zuges durch den getarnten Passagier Von Tiblis, der als Einziger den Zug kapert und durch Bremsmanöver die amerikanischen Soldaten vom Zugdach schüttelt. Später erhält er Unterstützung durch deutsche Fallschirmjäger, die Abwehrversuche der Marines im Zug sind schwächlicher Natur.
Als der Zug steht und vermint wird, entpuppt sich der in Algier gebliebene Cooper als Ein – Mann – Armee und Experte für aussichtslos erscheinende Unternehmen, ist flugs mit einem Kamel vor Ort und nimmt mit dem verletzten Franchetti die bösen Deutschen auseinander.
Das spätere Actionspektakel bleibt auf gemässigtem Level; richtet weder weiteren Schaden an noch puscht es irgendetwas. Der monotone Schauplatz der zweiten Hälfte sorgt kaum für Abwechslung und Aufregung, uninspirierte Schiessereien geizen zumindest nicht mit Blut und Bodycount. Der banale Spannungsgrad erreicht nie einen Ansatz von Thrill und Intensität, zu hanebüchen ist das Verhalten aller Beteiligten. Die Deutschen verhalten sich selbst auf der Seite des Bösen wie gewohnt inkompetent, der Zug wird nicht einmal vollständig eingenommen, sondern ein mittiger Waggon in Feindeshand gelassen und sich gar nicht darum gekümmert. Selbst bei dem Bemerken von Saboteuren wird seltenst mal unter den Zug geschaut, sondern nur drumherum gelaufen; und auf die billig ausgespielten Reize der weiblichen Geisel fallen Hans und Konsorten natürlich auch herein.
Da das alles mehr ärgerlich und schlecht als trashig – amüsant erscheint und durch die unattraktive Optik und den miserablen Score von Luigi Ceccarelli so gar nicht ausgeschmückt wird, scheitert der Film eigentlich in allen Belangen. Da vermögen die bewegungsarmen Darstellungen einiger Altstars auch nichts zu ändern, Martinos Werk gehört auf das Abstellgleis.
[ Review wurde auch auf www.filmbesprechungen.de veröffentlicht. ]