Review

China, 2ter Weltkrieg. Japan fällt ein.
Eine Gruppe Frauen wird in einem ländlichen Konzentrationslager eingepfercht; Commander Inoue [ Wong Hap ] führt zusammen mit Sicherheitschefin Mako [ Terry Liu ] und seinem Lieutenant Commander [ Chen Shan ] das Regime. Die Frauen beschliessen nach Folterungen und sexueller Ausnutzung zu fliehen; der Dolmetscher Cui Guodong [ Lo Lieh; so cool, dass auch er nachts mit Sonnenbrille rumrennt ] hilft ihnen. Dabei entdecken sie auch ein Goldversteck, dass von den verfolgenden Japanern seit einer Weile heiss gesucht wird...

Bamboo House of Dolls ist seit seinem Erscheinen mit der Inbegriff des Frauengefängnisfilmes und hat damit einen sehr mächtigen Ruf, der seit drei Jahrzehnten anhält. Ob überhaupt berechtigt oder nicht, hängt wohl auch von der Betrachtungsweise des Subgenres an sich ab; dessen Wertschätzung ja nun nicht gerade Lobeshymmnen herausfordert.

Mit Regisseur Kuei Chi Hung hat man den idealen Macher für das „Schund“Werk engagiert; dieser ist so etwas wie der Exploitation – Übervater von den Shaw Brothers. Was vor allem daran liegt, dass er es so gar nicht scheut, Gewalt und Sex in entsprechend hoher Dosis zu zeigen und methodisch auch zu zelebrieren. Reisserische Mittel liegen ihm auch viel mehr als eine folgerichtige Geschichte samt ausgereifter Charakterisierung; es kommt auf den Moment an. Der Augenblick muss wirken und wird von ihm dann auch derartig hochgeputscht, dass jegliches Maß aus den Augen verloren wird und der Film immer mehr oder weniger über das Ziel hinausschiesst.
Nun ist das in einem WIP Setting eh total belanglos, wieweit die Realität flöten geht; da ergänzen sich Sujet und Regisseur perfekt.

Schnell bricht auch hier die Gewalt los. Nach nur wenigen Sekunden der nächtlichen Ruhe stürmen die japanischen Hitlerbärtchen ein bisher stilles chinesisches Heim und schiessen wild um sich. Die ersten Toten fallen; die Location wird ab da potenziert und vollzieht sich über ein gestürmtes christliches Krankenhaus schnell in den Handlungsmittelpunkt des 13ten Frauenkonzentrationslagers.
Doch zuvor wird noch die nun folgende Stossrichtung bekanntgeben: Kein Nanking Massacre – trotz der anfangs ähnlichen Bilder von Hinrichtungen selbst Frauen und Kindern –, sondern einfach ein überdrehtes, sensationslustiges und somit heischendes Machwerk, dass die Zuschauer mit niederen Instinkten anlockt.
Bei der Gefangennahme der Krankenschwestern bleibt nämlich kein Stück Kleidung heil; die Zeitlupen fangen zu dröhnendem Score blossgelegte Unterwäsche allerortens ein, dazu blitzen die Titeleinblendungen und Castangaben stroboskopartig auf.

Das anschliessende Narrationsgerüst erscheint ebenso abgehackt; einzig als eine Abfolge von Episoden, die die Unterhaltung des Publikums als Ziel haben. Der Wechsel zwischen Gewalt und Sex ist rasant und folglich nicht abgegrenzt, sondern fliessend. Mal mehr von jenem und mal weniger; die Dosis hält sich ungefähr die Waage und bedient beide Klientel ausreichend.
Die verschiedenen Spielarten des sexuellen Fetischismus fangen bei der Uniform an; die ja auch immer etwas darstellt, das im eigenen Kontext Macht und Gewalt beinhaltet. Das impliziert dann Bondage und Disziplin, Domination und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus; im Wechsel der Geschlechter eben auch Lesbensex. Addiert mit 1x Geschlechtsverkehr aus wirklichen Gefühlen – dem Chinesen reicht Liebe als Stimulanz - ergibt das eine ganze Palette von Varianten, die erst mal abgeschritten werden müssen; die erste Hälfte der Laufzeit geht episodisch dafür drauf. Nicht wirklich explizit, obwohl 1973 des Jahr des Hardcore Pornos war, aber für damals und asiatisches Kino immer noch detailliert genug.

Dabei erfolgt die Einführung verschiedener Mitglieder einer personenmässig auf circa ein halbes Dutzend eingeschränkten Frauengruppe; die sich anscheinend eben alle erstmal ausziehen müssen, um als vollwertiger, wichtiger und trotzdem nicht weiter entwickelter Charakter der Handlung zu gelten:
Die blinde Hu Lizhu [ Tina Leung ], die auf fremde Hilfe und vor allem Führung angewiesen ist, da sie sonst wie ein scheues Reh in jedem Lichtkegel verharrt.
Neben zwei anderen – schlecht spielenden - Europäerinnen auch die blonde Jennifer [ Birte Tove ], die übers Rote Kreuz in den Schlamassel gelangte und sich als einer der Führungspositionen erweist.
Hong Yulan [ Lee Hoi Suk ], deren Mann bei dem Kampf gegen die Japaner gestorben ist und ihr vorher noch den Platz verriet, an dem er die Ladung Gold versteckte.
Die Studentin Wang Xia [ Lau Nga Ying ], die sich vor allem kampftechnisch besser als andere gegen die Unterdrücker wehren kann.

Eine Verräterin ist auch darunter, die erstmal enttarnt werden muss, bevor man nach einem missglückten Fluchtversuch den nächsten Ausbruch wagen kann. Im zweiten Teil lässt man das sich ständige Ausziehen nämlich sein und entwickelt doch noch so etwas eine Handlung; dem einen sagt es jetzt mehr zu und dem anderen wahrscheinlich überhaupt nicht.
Die Action selber ist dann immer etwas sporadisch. Teils wird eine Rückblende dafür genutzt und dann natürlich auch der Showdown; eher blutig und etwas holprig als wirklich effektvoll inszeniert. Falls man die Catfights samt sehr ungelenkiger Verrenkungen auch dazu rechnet hat Choreograph Luk Chuen sich jedenfalls kein Bein ausgerissen, aber das nimmt ihm wohl auch kaum einer krumm.

Etwaige Kommentare und Erläuterungen zum Realismusgehalt des Filmes sowie dem historischen Hintergrund kann man sich dann sparen; weder wird Geschichtslehre betrieben noch praxisorientierte Kriminalitäts- oder interdisziplinäre Frauenforschung. Wer sich also daran stört, ist hier praktisch von vornherein ebenso falsch wie jemand, der nach ernsthaften politischen Komponenten sucht.
Stattdessen bekommt man die volle Breitseite von sleaziger Unterhaltung ab; was eben auch mal sein muss. Dazu noch aufwendiger als üblich produziert und im knackigem Panavision.

Zu Recht Klassiker.
Gut ? Vielleicht nicht so richtig, aber irgendwie doch schon.

Details
Ähnliche Filme