Review

Es ist natürlich für jeden Genrefreund eine Freude und ein Muß diesen Film in der ungeschnittenen Fassung auf DVD zu besitzen, die noch dazu von einer erstaunlich guten Bildqualität ist. Der Film muß auch aufgrund seines relativ frühen Entstehungsjahres mit anderen Maßstäben gemessen werden als jene seiner Nachahmer, die mir in verschiedener Hinsicht besser gefallen. Eines ist mir aber unerklärlich, wieso dieser Film als Aneinanderreihung besonders barbarischer Grausamkeiten gilt. Tatsächlich reduziert sich dies auf drei Folterszenen, von denen die eine "echte Folterszene" (also was man so allgemein sich unter Folter vorstellt) auch in der ungeschnittenen Fassung sehr kurz ist. Die beiden anderen sind das Aussetzen der Mädchen ohne Wasser in der Sonne und eine ausführliche Auspeitschungsszene gleich am Anfang des Films. Dazu kann man noch eine Szene rechnen, in der das blinde Mädchen gezwungen wird über Glasscherben zu gehen und schließlich auf diesen vergewaltigt wird. Diese Szene ist am gelungensten und auch einigermaßen originell.
Tatsächlich fehlen in den geschnittenen Fassung im übrigen weniger die Folterszenen (auch wenn sie wohl gekürzt sind) als die Softsexszenen, die zum Rest des Films überhaupt nicht passen, teilweise kitschig in Szene gesetzt sind und sich auch musaklich völlig vom Rest abheben. Sie beginnen manchmal als Vergewaltigungen, dieser Aspekt ist - mit Ausnahme der erwähnten Glasscherbenszene - aber nicht forciert.
Ein Großteil des Films ist dem Ausbruch und der Verfolgung der Entflohenen gewidmet. Hier wird ein Teil der Spannung dadurch genommen, daß der Zuseher von Anfang an erfährt, daß der Ausbruch von der Lagerleitung bewußt zugelassen wird, um auf die Spur des versteckten Goldes zu kommen. Die Spannung in dem koreanischen "Mädchen im Tigerkäfig" ist weitaus größer. Auch die Dramaturgie dieses Films ist besser gelungen. An Härte und Tragik wird das Bambuscamp ebenfalls von einem anderen Lagerfilm übertroffen, von "Confort Women". Dieser stammt allerdings aus den Neunziger Jahren. Punkto Vorreiterrolle kann auch dem Bambuscamp Paroli geboten werden. So spielt der japanische Film "Decapitation Island" (Onna-rô hizu) zwar in der Tokugawa-Zeit, weist aber zahlreiche Merkmale des Frauenlager-Genres auf.
Alle diese FIlme hatten im übrigen offenbar nicht soviel Geld zur Verfügung wie die Shaw-Brothers-Produktion, was sich vor allem in den ausführlichen Kampfszenen zeigt, die allerdings für mich nur bedingt etwas zur Qualität eines Frauenlager-Films beitragen. Die schauspielerischen Leistungen sind Durchschnitt, die Musik fällt durch ihren krassen Wechsel und das Fehlen von Leitmotiven auf. Einige Szenen bleiben im Gedächtnis haften, der gesamte Film bewegt sich aber leider nicht auf diesem hohen Niveau.

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