Irgendwie fühlt man sich mies, wenn man einen auf Teufel komm raus so naiv gutmenschelnden Film verreißt. Nicht das es sonst nichts stichhaltiges geben würde, dass gegen den Film spräche. Im Gegenteil, sowohl in erzählerischen als auch in humoristischen Aspekten, auf die der Film zweifellos auch abzielt, bietet Tom Shadyac's Werk nichts Neues. Ja mehr noch, es ist eine mit komatöser Langeweile vorgetragene Geschichte. Dem ist obendrein nicht besonders zuträglich, dass Robin Williams nicht gerade zum ersten Mal in die Rolle des sentimentalen, weltverbessernden Gutmenschen schlüpft. Aber auch auf die Gefahr hin als Zyniker zu gelten, der die bösartig dysphemistische Wortverunstaltung "Gutmensch" aus reinem Selbstschutz gebraucht, "Patch Adams" ist Kitsch der grauenhaft süßlichen Sorte und tut einfach nur weh.
Hunter "Patch" Adams ein spätberufener Arzt der durch ungebrochenen Idealismus und Tatendrang im Berufszweig der Medizin für eine kleine Revolution sorgte. Lachen als heilende Therapie, den Patienten ihre Individualität zugestehen und sie mit Respekt behandeln, dass sind die Devisen, die schließlich mit einigen Mühen auch von ihm umgesetzt wurden. Doch obwohl ich nicht mit der Biographie des realen Adams vertraut bin, braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten oder fundierte Kenntnisse, um zu wissen, dass Williams sich nicht an die reale Vorgabe gehalten hat, sondern zum x-ten Mal seine Performance vom gütigen, leicht verschrobenen und gegen den Strom schwimmenden Clown gibt.
Adrian Cronauer, der sich gegen die vertuschende Militärhierachie auflehnende Radio-DJ hat den Beruf gewechselt. Oder war es doch der leicht introvertierte aber liebevolle Arzt, der Robert DeNiro aus dem Wachkoma holte und gegen veraltete Systeme ankämpfte. Nicht zu vergessen, der sich gegen festgefahrene und kreativitätstötende Autoritätspädagogik auflehnende Lehrer in "Club der toten Dichter". Ich meine das jetzt gar nicht so böse wie es vielleicht klingen mag, aber man könnte meinen, Williams selbst sollte diese ewig gleiche Figur schon bei den Ohren raus kommen. Williams ist sicherlich kein schlechter Schauspieler, aber in seiner immer gleichen Rollenauswahl mehr als befremdlich und dabei wirkt sein Spiel in solch gearteten Rollen so betont rührselig und angestrengt als spekuliere er ständig auf Oscarchancen.
Doch auch in der Inszenierung ähneln sich die Filme frappierend. Etwa ab der Mitte des Filmes bremst eine tiefgehende Tragödie den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg unserer Hauptfigur. In "Good Morning, Vietnam" war es ein terroristischer Akt, der den naiv optimistischen Idealismus in die bitterer und traurige Realität zurückwarf. Der ermutigte aber nach kurzem Aussetzer eher unseren Helden und brachte ihn gestärkt und mit frischem Mut zurück ins Geschehen. Im Falle von "Patch Adams" ist es ein psychisch kranker Patient, der die geliebte Freundin unseres Helden ermordet. Natürlich ist es auch hier nichts weiter als ein billiger dramaturgischer Kniff, denn nachdem sich Adams aufgrund dieses Vorfalles (erneut) das Leben nehmen will, tankt er in Form eines ihm zugeflogenen Schmetterlings neuen Mut und Lebenswillen. So weit so verkitscht. Doch selbst die Figuren die unserem Helden Steine in den Weg legen, sind nahezu aus früheren Filme abgepaust. Der korinthenkackende, bürokratische, kleinkarierte und nicht zu letzt boshafte Intrigant, der mit Händen und Füßen versucht das bestehende System zu bewahren, egal wie offensichtlich falsch es auch sein mag. In "Patch Adams" verkörpert von dem vielleicht momentan besten und vielschichtigsten Schauspieler Hollywoods, Philip Seymoure Hoffman und dem ebenfalls mehr als routinierten Bob Gunton. Dennoch gelingt weder Hoffman noch Gunton aus dieser engen Klischeerolle auszubrechen und sie durch ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten aufzuwerten.
Was bleibt ist Williams, der uns ein weiteres mal zeigt wie er mit naiven aber doch so ehrlichen Mitteln gegen engstirnige Ansichten ankämpft, wie er es schafft seine Mitmenschen mit neckischem aber stets respektvollem Humor auf seine Seite zu ziehen und natürlich darf man ihm zusehen wenn er verträumt mit sentimental sanftem Lächeln und zum weinen angespannter Stirn auf die guten Taten blickt, die er vollbracht hat. Das alles ist so ekelregend süß und breitgrinsend nett, dass man nur noch aus reiner Panik die Flucht ergreifen will. Wie gesagt, ich möchte mich nicht in zynischen Floskeln verlieren, aber hier bleibt einem alleine aus seelischem Selbsterhaltungstrieb nichts anderes übrig.