Schlechte Karten für Lagerware.
Zwei Jahre lang ist „Asylum“ bereits fertiggestellt und erst jetzt hat sich ein Kleinstverleih gefunden, um das Drama in die Kinos zu bringen.
Es werden nicht allzu viele werden, steht zu befürchten.
Denn bei „Stellas Versuchung“ handelt es sich um sperrige Arthausware, die wirklich an ein Publikum appelliert, das sich freiwillig auch mal einem sogenannten Problemfilm widmet, ohne jetzt auf großartigen Unterhaltungsanspruch zu pochen.
David MacKenzies Film behandelt die Höllenfahrt einer Psychologengattin, deren Ehemann einen Job in einer ländlichen Nervenheilanstalt für kriminelle Geisteskranke annimmt und aufgrund des lieblosen Umgangs ihres Mannes sich eine zerstörerische Affäre mit einem Patienten einlässt, dessen gewalttätige Eifersucht schon einmal einer Frau das Leben gekostet hat.
Das wesentliche Problem von „Asylum“ ist vermutlich die Vermarktung an sich. Angekündigt wurde der Film als Romantik- oder Erotikthriller, doch trotz einiger nackter Haut (Natasha Richardson ist sich in ihrem Alter nicht zu schade, sich reihenweise unbekleidet vor der Kamera zu wälzen) entpuppt sich der Film als simples Psychodrama ohne Netz und doppelten Boden.
Erwartet man anfänglich noch, dass der Film eine Art 50er-Jahre-Version von „Eine verhängnisvolle Affäre“ mit gewalttätigem Ausgang wird, gerät der Plot immer mehr zum Protokoll des Verfalls einer Frau, die in einer Art sexuellen Besessenheit einem anderen Mann hörig geworden ist.
Ohne den Fall über Gebühr zu analysieren, dokumentiert Mackenzie einfach die Reise in den Abgrund mit, geht von der Affäre über die Flucht bis zur nicht mehr einlösbaren Schuld, was nicht gerade zum locker-leichten Sehvergnügen animiert.
Wer möchte, kann einen feministischen Ton feststellen, geht es hier in erster Linie um die Ausnutzung von Leidenschaften und zwar der weiblichen. Stella steht den Männern in ihrem Leben in diesem unheiligen Viereck schutzlos gegenüber: ihr Mann nennt sie resignativ ihren Lieblingspatienten, ihre Affäre ist Sklave seiner psychopathischen Eifersucht und selbst ein weiterer Psychiater (Ian McKellen bringt den Film im Schonmodus souverän hinter sich) hat persönliche Motive.
Dabei ist „Stellas Versuchung“ nie auf den äußeren Effekt hin inszeniert, sondern protokolliert die realistische Sprödigkeit des Seins mit, ohne hinter die Fassade zu blicken.
Das allerdings muß man akzeptieren.
Hapern tut es aber bedenklich in allen Sektoren, außer bei den schauspielerischen Leistungen (die sehr gut sind) – die Regie ist flau und unkoordiniert, die Musik uninspiriert und wenig unterstützend. Besonders schlecht jedoch der Schnitt, der so unbeholfen Szenen zusammenhackt, als hätte ein Praktikant im Schnittstudio das mit einer Tube Pritt schnell zusammengekleistert.
Ergo wird es schwer sein, dafür eine passende Zielgruppe zu finden, in einem Arthauskino kann man sich den Film, der im Ganzen eher wie eine typische Fernsehproduktion wirkt, kaum zwei Wochen vorstellen.
Für ein gängiges Kinopublikum ist der Verzicht auf Unterhaltungsanspruch jedoch ein Todesurteil, es wird mit akuter Langeweile reagieren. (5/10)