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James Marsden und Scott Speedman sind wohl in erster Linie als Hollywood-Schönlinge bekannt, nicht aber für darstellerische Höchstleistungen. Vor allem Speedman musste für seine Auftritte in den beiden "Underworld"- Filmen herbe Kritiken einstecken, da er neben der hinreißenden Kate Beckinsale wie ein blasser Schluck Wasser wirkte- und dabei war sie diejenige, die den Vampirpart hatte! Dass es auch anders (nämlich besser) geht, das zeigt "The 24th Day", ein als Psychothriller getarntes Drama, in dem die Problematik "Aids" eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Immerhin will der introvertiert wirkende Tom (Scott Speedman) unbedingt wissen, ob er von Dan (James Marsden) mit dieser Geschlechtskrankheit infiziert wurde. Die Begegnung der beiden liegt schon Jahre zurück und wurde von Dan beinahe verdrängt. Doch nun muss er sich schmerzhaft mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Hat ihn Tom doch in seiner Wohnung gefesselt und geknebelt. Die Sache wird noch bedrohlicher, als Dan Blut abgenommen wird- und Tom ihm droht, dass er ihn töten wird, sollte sich der damit erstellte Aids-Test als positiv erweisen...

Die Story lässt es schon erahnen und wenn man dann noch weiss, dass es sich hierbei um die Verfilmung eines Theaterstücks handelt, dürfte wohl endgültig Klarheit herrschen: der Zuschauer hat es hier mal wieder mit einem waschechten Kammerspiel zu tun! Egal ob "Der Tod oder das Mädchen" oder (bezogen auf die letzten jahre) "Hard Candy"- auch "The 24th Day" ist einer dieser Filme, in dem zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen und auf engstem Raum ein (psychisches) Kräftemessen veranstalten. Und genau wie in den genannten Streifen, geht es auch hier in erster Linie um die Frage nach der Wahrheit, die im Laufe eines nervenzermürbenden Psychokriegs immer mehr ans Licht gebracht wird. Zu diesem Zweck setzt Regisseur und Drehbuchautor Tony Piccirillo neben den üblichen, dialoglastigen Szenen auch auf, nur zu Beginn irritierende Rückblenden, die wie beim Schälen einer Zwiebel nach und nach enthüllen, wie weit Tom`s Motivation eigentlich reicht.

Trotz der definitiv vorhandenen Thriller-Elemente (Dan´s Gefangenschaft, verzweifelte Fluchtversuche und die Aussicht auf den Tod) ist "The 24th Day" aber, wie schon erwähnt, in erster Linie ein Drama, das auch schon mal riskiert, die Spannungskurve zugunsten ausschweifender Dialoge fallen zu lassen. Dies geschieht besonders im Mittelteil, der sich bemüht, die beiden (vielleicht nur scheinbar) grundverschiedenen Figuren einander näher zu bringen. Da kommt dann auch der Theater-Charakter zum Vorschein, wobei Tony Piccirillo aber trotz der ein oder anderen kleinen Länge glücklicherweise nicht den Zuschauer verliert. Neben den guten Leistungen der Darsteller, ist dies vor allem der Geschichte zu verdanken, der es tatsächlich gelingt, ein scheinbar altbekanntes und für viele abgehandeltes Thema wieder anzusprechen und Fragen in den Raum zu werfen, die der ein oder andere wohl lieber verdrängen würde. Piccirillo spielt sich dabei nicht als Moralapostel auf oder ist eifrig bemüht, dem Zuschauer seine eigene Meinung aufzudrücken, aber er schafft es auf subtile Art und Weise, zum Nachdenken anzuregen. Da verzeiht man auch gern, dass dem Film etwas mehr Intensität nicht schlecht getan hätte.

Fazit: Ein interessantes Drama, das filmisch gesehen zwar nicht über jeden Zweifel erhaben ist, dank dem durchaus beeindruckenden Spiel von Marsden und Speedman sowie dem immer noch aktuellen (Tabu-)Thema "Aids" aber ordentliche Kost darstellt. Das bedrückend bittere Ende sorgt noch einmal für eine nachhaltige Wirkung. Kann sich sehen lassen!
7/10 Punkten

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