Das Jenseits - endlich abgebildet!
Kloßartig!
Schnabelhaft!
Die Meisterklasse der Kleistermasse!
Vincent Ward schickt Robin Williams auf einen Trip durchs Jenseits, um seine durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Ehefrau aus den psychischen Untiefen der Suizidhölle zu retten.
Und er verkleistert mittels enormen Zuckeraufwand damit unsere gesamte Körpersensorik.
Wer immer sich also auf diesen Film einläßt, um optische Wunder zu erleben, darf aber wirklich auf NICHTS anderes achten, ansonsten drohen Langzeitschäden.
Das hier ist kein Blitzkrieg, das ist ein Atombombenangriff auf menschliche Sinne. Inhaltlich schon eine hohle Nuß für Taschentuchträger (Glückliches Paar Seelenverwandte findet sich, heiratet, zeugt zwei Kinder, lebt, verliert die Kinder durch Autounfall, dann geht der Ehemann ex und die Ehefrau greift zu den Tabletten, worauf es im Jenseits abgeht wie Schmidts Katze...), machen Ward und die FX-Abteilung optisch ernst.
Sämtliche Schauspieler sprechen mit zentimeterdickem Schmelz, Gefühl durch Betonung, Innigstes weil Innerstes. Dazu kommen ungefähr drei Lastwagen voll Weichzeichner. Die Farben sind so intensiv, so bonbonbunt, daß selbst "Legende" als künstlichstes Machwerk der Thron wackelt. Dazu erstrahlt warmes Licht aus unendlichen Himmeln, golden und schimmernd, dazu kerniges Rot und schreiendes Blau.
Als sei das nicht schlimm genug, pappt Michael Kamens Sirupscore alles zusammen, was eventuell noch eigenständig von der Stelle kommen könnte, stets den Dialogen in der Grundstimmung um eine halbe Minute zuvorkommend. Im Zusammenhang mit den hier zelebrierten Bildern, erstarrt der Film glatt in Schönheit - oder in Zuckerbäckerkitsch, wenn den Zuschauer das ununterbrochene Gefühlspathos nicht gerade erschlägt. Dazu noch ein gehauchter Off-Kommentar in ungebremstem Schwulst - fertig ist der Jenseitsschluchzer.
Daß die Schauspieler da wie ein Stein untergehen, sollte niemanden mehr wundern. Williams menschelt, als ginge es um den Oscar und wirft hier und da einen Oneliner aus, damit unsere Gesichtszüge nicht vollends einfrieren, nur leider wollen die hier nicht passen. Sciorra muß für nahezu die gesamte Laufzeit auf deprimiert machen, was sie schaffen könnte, wenn Ward ihr mit seiner Ausstattung nicht zuvor käme (Williams in tuschkastenbunter Kinderarztpraxis, Sciorra mit gefühlskaltem Kurzhaarputz in funktioneller Schwarz-Weiß-Galerie!). Cuba Gooding fährt immer noch auf "Show me the money"-Modus und bringt nur selten Eigenständiges mit und Maxi Sydow hat man wohl nur wegen seiner Ex-Teilnahme an Bergmanns "Siebtem Siegel" hier verheizt.
Dabei hat der Film von der Optik tatsächlich Rauschhaftes zu vermelden und zwischen wunderschön und grauenhaft hin- und herpendelt. Hieronymus Bosch hat wohl einiges hier inspiriert, für den Rest waren Turner und Casper David Friedrich im Duett mit den Gebrüdern Hildebrandt zuständig. Angekifft wäre man hier wohl nach dem Kino heimwärts geflogen, doch die unsäglichen Dialoge und die rücksichtslose Gefühlsmühle von Plot (Richard Matheson, der Autor der Vorlage, hat hoffentlich in seinem Buch Besseres geschrieben.) machen das ohne Unterlaß wieder kaputt.
Also alles Sülze, was zu einem interessanten Beitrag zum Thema Jenseits werden könnte, denn wo wir uns hier befinden, ist weder Himmel noch Hölle, sondern die Abbildung des unsterblichen Bewußtseins. Okay, uns geißelt hier keine christliche Symbolik, doch der wahrhaft interessante Ansatz ist wohl in Dr.Snuggles Regenbogenpalette abgesoffen. (3/10)