Robin Williams in einem Werk über das Leben nach dem Tod - das hätte ein großer Film werden können. Williams, der ausgezeichnete Charakterdarsteller, und eine Thematik, die keine Grenzen kennt. Eine heikle Thematik wohlgemerkt, bei der man Gefahr läuft, sich leicht in Dogmen zu verrennen. Das ist hier glücklicherweise nicht passiert, wenngleich Himmel und Hölle in "Hinter dem Horizont" auch eine Rolle spielen. Die größten Übel in Vincent Wards Film sind jedoch die überladene, überemotionale Sensibilität und visuelle Verspieltheit. Für prächtige Bilder opfert er den inhaltlichen Nährwert und am Ende verhält es sich wie mit einer von der Sonne angestrahlten Seifenblase: Für den Moment erstrahlen ihre schönen Regenbogenfarben, doch wenn sie platzt, bleibt nur noch die Leere.
Beginnen wird alles mit Chris Nielsen und Annie. Zwei Seelenverwandte seien sie, wie es an einer Stelle im Film heißen wird. Heirat, Kinder, Idylle. Dann ein schicksalhafter Unfall; Tochter und Sohn kommen ums Leben. Und diesem Schicksalsschlag folgt einige Jahre später ein weiterer. Auch Chris muss vom Diesseits Abschied nehmen und findet sich - ja wo findet er sich wieder? Im Jenseits? Im Himmel? In Bildnissen seines eigenen Bewusstseins? Es ist irgendwie von allem etwas. Zunächst wandelt er allerdings noch geisterhaft in der irdischen Welt, von der er nicht loslassen könne, sagt Albert, sein Fremdenführer für das Leben nach dem Tod. Dann lässt er los und landet im Elysium, wie es scheint. Dort blüht ein Meer voller bunter Blumen, Vögel zwitschern und der Horizont ist rötlich-orange, als hätte sich die Sonne in ihrem Untergang festgefahren. Die Optik ist freilich pompös, selbst in der Hölle, dem Schlund der verdammten Seelen der Selbstmörder. Ward entfachte regelrecht einen CGI-Overkill - da weiß man wenigstens, wofür das Geld vernichtet wurde.
Die von wahrer Schönheit zeugenden Bilder aus dem Jenseits könnten eigentlich ganz beliebig aussehen, denn jeder projiziert sich sein eigenes Himmelreich. Es musste keine Farbexplosion sein, die den Eindruck erweckt, einzig und allein die Funktion der Ablenkung von der inhaltlichen Auseinandersetzung zu erfüllen. Hier ist nämlich alles paradiesischer als paradiesisch, außer wenn Chris die Wut übermannt und dann auch schon mal Gewitterwolken heraufziehen können. Selten ist dies jedoch der Fall, denn dieser Chris Nielsen ist ein wahrhaft unausstehlich süßholzgeraspelter Charakter. Williams spielt wie aufgelöst seine Figur, seine übergute Figur, mit der Mimik des Schlosshundes, gekünstelt wie in einem Shakespeare-Stück, nur dass "Hinter dem Horizont" eben keines ist. Das Schauspiel, auch das eines Cuba Gooding Jr., ist so gestellt gehoben, förmlich nach einem Oscar lechzend, so überspannt emotional, dass es anwidert. Unerträglich sind teilweise die Dialoge, die oft nichtssagenden Texte. Im Ansatz eröffnen sich da interessante Fragen. Fragen, wie die nach dem Ich und seiner Definition. Aber hohe philosophische Ansprüche vermag Ward zu keiner Zeit zu erreichen.
Primär geht es auch überhaupt nicht darum, sondern um Chris' persönliche Geschichte, sein Leid, seine Liebe. Das Leben nach dem Tod wird als Thema verheizt, es ist nur Mittel zum Zweck und nicht Hauptgegenstand. Stattdessen obsiegt im Kerne eine allzu vorhersehbare Lovestory, die Kraft der Liebe, die das Unmögliche möglich macht und selbst die nicht aus der Hölle zu befreiende Seele rettet. Nur bedurfte es dazu nicht eines solchen verheißungsvollen thematischen Gewands. Schließlich gibt es keine nennenswerten Quintessenzen: Die eigentlich unabänderliche Tragödie mutiert zum rundum glücklichen Happyend plus noch folgender Reinkarnation. Der Kitsch hat beste Arbeit geleistet, alles eingelullt und zugekleistert, in Erinnerung bleiben viele opulente Bilder und jede Menge Glückseligkeit. Daran kann man sich natürlich festhalten. Das wäre dann aber wie mit den Paradiesbeschreibungen einer Religion: ein Festhalten an allzu schönen Wunschvorstellungen.