"Sie geht dorthin, wo wir alle hingehen. Und das kann doch nicht so schlecht sein."
Als sich Chris Nielsen (Robin Williams) und Annie (Annabella Sciorra) kennenlernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten und gründen eine Familie. Bei einem Autounfall kommen allerdings ihre beiden Kinder ums Leben. Annie zerbricht beinahe durch diesen schweren Schicksalsschlag. Chris ist aber in der Lage, sie zu stützen. Gerade als es Annie wieder besser geht, stirbt auch Chris bei einem Unfall. Völlig geschockt und am Boden zerstört, quält Annie sich mit Selbstvorwürfen.
Zunächst akzeptiert Chris seinen Tod nicht und wandelt noch als geisterhaftes Wesen an Annie's Seite. Albert (Cuba Gooding Jr.), ein verstorbener Freund von ihm, hilft ihm allerdings seine Situation zu erkennen und sich in der Welt im Jenseits zurechtzufinden. Dort erschafft sich Chris eine Kulisse aus einer kunterbunten Landschaft und einer Unterkunft, die er sich einst nur erträumt hat.
Es dauert nicht lange bis sich Annie das Leben nimmt. Geschockt aber auch erfreut wartet Chris auf ihre baldige Ankunft im Jenseits. Er erfährt allerdings von Albert, dass Selbstmörder nicht im Paradies, so wie sie, sondern in der Hölle landen. Durch die besondere Verbindung zwischen ihm und Annie macht er sich auf den Weg sie zu suchen.
"Hinter dem Horizont" ist ein überaus mutiges, esoterisches Drama. Schon viele Filme befassten sich mit dem Tod und der Existenz danach. Während diese üblicherweise in der Welt der Lebenden abspielen, versetzt der hierige Film den Handlungsort überwiegend in ein farbenprächtiges Jenseits, dass ebenso sperrig wie erstaunlich ist.
Von der Erzählweise ist das Drama eher klassisch. Die charmanten Figuren stehen in den ersten Minuten im Fokus. Schnell stellt der Protagonist eine Brücke zu den eher traurigen Abschnitten her. Er wird sehr nachvollziehbar, während sämtliche Nebenfiguren eher blass bleiben.
Mit dem Wechsel ins Jenseits verändert sich auch der Fokus. Nicht mehr länger ist es der Protagonist der im Mittelpunkt steht, sondern die Weltendarstellung. Ruhige, gefühlvolle Passagen könnten "Hinter dem Horizont" sehr langwierig machen. Aber die Visualisierung lenkt ordentlich von den erzählerischen Schwächen und der fehlenden Spannung ab.
Erst nach über einer Stunde fügt eine Aufgabenstellung dem Film eine abenteuerliche Komponente hinzu, die Spannung entwickelt. Dies funktioniert überaus gut, mündet allerdings in ein arg kitschiges Ende.
Mit seinen außergewöhnlich vielen Verweisen zu verschiedenen Religionen und Glaubensarten ist "Hinter dem Horizont" einzigartig. Viel Zeit wird auf die Vermittlung von Werten gelegt. Und obwohl der Anspruch sehr hoch liegt, ist die Stimmung überwiegend heiter.
Auch mit seiner Visualisierung erarbeitet sich das Drama eine ausgefallene Eigenständigkeit. Die surreale jenseitige Welt ist wie ein zum Leben erwecktes Bild, was durch Verweise zur realen Welt auch thematisiert wird. Die bunten Landschaften und schwebenden Charaktere stellen schnell das Gefühl der verträumten Leichtigkeit her. Die digitalen Effekte wirken dabei nur selten künstlich.
Robin Williams ("Good Will Hunting", "One Hour Photo") bietet eine beeindruckend vielseitige Performance, die nur manchmal etwas verkrampft scheint. Annabella Sciorra ("Die Sopranos") gibt sich ähnlich authentisch, wodurch beide in den wenigen Szenen zusammen harmonieren. Cuba Gooding Jr. ("Pearl Harbor") wirkt als Mentor etwas Fehl am Platz.
Wer mit fantastischen Liebesdramen wie "Stadt der Engel" oder "Ghost - Nachricht von Sam" etwas anfangen kann, wird auch mit "Hinter dem Horizont" warm werden. Das wunderbar rührselige Schnulzen-Drama hat glücklicherweise weniger kitschig-romantische Inhalte als die genannten Filme. Stattdessen lebt der Film von seiner fantastischen Traumwelt, den charmanten Figuren, einem passenden Hauptdarsteller und einer abenteuerlichen Komponente. Wer damit sowie esoterischen Inhalten nichts anfangen kann, dürfte sich allerdings zu Tode langweilen. Knappe ...
9 / 10