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"Spider Forest" ist einer dieser Filme der selbst nach mehrfachem Ansehen immer noch Fragen aufwirft und den Zuschauer verwirrt. Das liegt einerseits an der verschachtelten Erzählweise ; der Film beginnt praktisch in der Gegenwart und rollt die Geschichte aus der Vergangenheit kommend auf. Und als ob das noch nicht reicht, sind mehrere Sequenzen nicht real, sondern finden nur als Traum im Kopf der bewusstlosen Hauptperson statt. Diese Hauptperson konnte aber schon im realen Leben vorher Geister sehen ( u.a. seine verstorbene Frau ) und diese praktisch zweite Bewusstseinsebene findet sich in den Traumsequenzen ebenfalls wieder. In diesen Traumsequenzen dann ist der Geist seiner Frau durch eine andere Person ersetzt, allerdings durch die identische Schauspielerin in einer Doppelrolle dargestellt.
Somit ist "Spider Forest" extrem schwer zugänglich und mit Sicherheit keine leichte Filmkost, am Box-Office in Südkorea wurde der Streifen zu unrecht allerdings sehr heftig abgestraft.
Alles dreht sich um die Legende von "Spider Forest". Man erzählt sich, dass die Geister der ungeliebt Verstorbenen im Spider Forest als Spinnen wiedergeboren werden. Sie bleiben dort gefangen und haben keine Erinnerung mehr an ihr früheres Leben. Diesen verlorenen Seelen bleibt nur ein Weg zur Rückkehr bzw. zur Erlösung ; jemand anderes aus dem Spider Forest muss dieser Seele die Erinnerung an ihr früheres Leben zurückgeben. Nur so kann die Seele aus dem Spider Forest befreit werden.

Kang Min ( gespielt von Kam Woo-seong ) wacht nachts im Spider Forest auf. Er scheint ohne Gedächtnis und kommt zu einer Hütte im Wald. Dort findet er die übel zugerichtete Leiche seines Chefs und den ebenfalls lebensgefährlich verletzten Körper seiner Freundin Hwang Su-yeong ( gespielt von Kang Kyeong-heon ) vor. Kang Min ist völlig aufgelöst als Su-yeong in seinen Armen verstirbt. Dann scheint er einen Schatten zu sehen und verfolgt diesen durch den Wald. Dort wird er niedergeschlagen und seine Tasche samt Inhalt wird ihm abgenommen. Als Kang Min wieder aufwacht, läuft er verletzt zur Strasse runter und geht in einen hell erleuchteten Tunnel. Gerade als er durch eine Türe im Tunnel eine schemenhafte Gestalt zu sehen glaubt, wird Kang Min durch ein Auto erfasst und lebensgefährlich am Kopf verletzt. Er wird ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert, liegt danach für zwei Wochen im Koma.
Als Kang Min wieder aufwacht, lässt er sofort die Polizei verständigen und sein Bekannter Inspektor Choi Seong-hyeon ( gespielt von Jang Hyeong-seong ) leitet die Befragung. Die Polizei findet nach zwei Wochen die Leichen der zwei Toten in dem Haus und Kang Min gerät nicht nur als Zeuge, sondern auch als Hauptverdächtiger in diesen Mordfall.
Kang Min versucht sich zu erinnern, doch es tauchen Lücken auf die sich nicht schliessen lassen und daneben erzählt er Geschichten die nicht stimmen können. Nachdem seine Frau wohl bei einem Flugzeugabsturz umkam, lernte Kang Min seine Arbeitskollegin Su-yeong kennen und lieben. Diese Beziehung kam jedoch nie über die Stufe einer heissen Affäre hinaus. Kang Min litt wohl zunehmend unter dem Verlust seiner Frau und begann bei der Arbeit Fehler zu machen. Eine Reportage über die Legende des Spider Forest, sollte seine letzte Arbeit für den Sender werden. Vorher bekommt er Anrufe die seine Freundin kompromittieren und jemand spielt ihm einen unentwickelten Film zu. Kang Min macht sich auf zum Spider Forest um dort in einem Fotoladen die junge Min Su-jin ( gespielt von Jung Suh die auch Kang Min´s Ehefrau spielt ) zu interviewen. Sie hatte ihm wohl angeblich eine Mail mit Infos zugesand. Bei diesem Interview lernt Kang Min die Legende des Spider Forest kennen, erkennt aber das Gesicht seiner Frau in Su-jin nicht wieder.
Als Inspektor Choi diese Angaben zur Entwicklung vor der Nacht im Spider Forest von Kang Min überprüft, stellt er fest dass es diese Su-jin überhaupt nicht gibt.
Was geschah wirklich in dieser Nacht und wer ist der Mörder? Wer ist Su-jin wirklich und welche Rolle spielt sie in dem ganzen Fall?

"Spider Forest" ist ein Film wie ein 8000´er Puzzle, man braucht viel Geduld und ein wachsames Auge um ihn halbwegs zu verstehen. Selbst wenn man viele Stücke beisammen hat, einen richtigen Sinn macht das Ganze nicht immer und die Botschaft hätte man bedeutend einfacher und verständlicher übermitteln können. Der Film will eindeutig zuviel und das erzählt er dann auch noch eindeutig zu verschwommen. Selbst am Ende wenn einiges plötzlich Sinn macht, kommt es nicht zu diesem "Aha-Effekt" der alles auflöst. Einiges bleibt immer noch verschwommen und verworren.
So ist "Spider Forest" natürlich ein einfacher Kriminalfilm, aber auch ein Geisterthriller mit Horror- und Mysteryanleihen. Aber "Spider Forest" ist auch ein Film voller religiöser Zeichen, die Pantomime mit dem Apfel ( dieser Apfel taucht später wieder auf ) sei nur ein Beispiel. Natürlich wird hier die Problematik der Schuld und der Sünde angegangen ; auch das Phänomen der tiefen Trauer und der eigenen Hemmung beim weiteren Leben wird thematisiert. Der Spider Forest soll wohl eine Art Fegefeuer darstellen und die Spinnen spinnen ein Netz in dem die Erinnerungen gefangen gehalten werden. Man will sich auch an verschiedene Sachen nicht erinnern und verdrängt bis zum Verlust des Gedächtnisses. Die Rückführung der Erinnerung und das sich stellen wird als Ausweg aus diesem Spider Forest dargestellt und das Symbol des Tunnels kann so oder so gesehen werden. Entweder der Tunnel als Weg ins Dunkel, oder aber man sieht das Licht am Ende des Tunnels.
Das hört sich jetzt alles nicht sehr stichhaltig an, doch ohne zu spoilern ist es kaum möglich anders zu schreiben. Der Film hält sehr viele Symbole und sehr viele Bilder für den Zuschauer bereit und eigentlich ist der Film hoffnungslos überladen, ja er überbeansprucht seinen Zuschauer eindeutig. Diesen Eindruck müssen auch die Koreaner gehabt haben und blieben dem Kino dann fern.
Damit schlägt sich "Spider Forest" klar unter Wert und seine visuelle Schönheit gilt es zu entdecken. Der Film ist bei aller Verwirrtheit die er verursacht ein Genuss, die Schauspieler sind stark und die Geschichte eigentlich genial. Wenn Song Il-gon blos mehr klare Auflösungen anbieten würde. Statt dessen stellt er den Zuschauer vor immer neue Rätsel und lässt ihn in seiner Symbolik und Schwere fast ersaufen.
Manchmal ist weniger deutlich mehr und mit weniger Kompliziertheit hätte Song ein deutlich breiteres Publikum angesprochen. Doch vielleicht wollte er dies überhaupt nicht und vielleicht wollte er auch am Ende nicht alles aufklären.
So bleibt "Spider Forest" allerdings ein technisch sehr guter und visuell beeindruckender Film, leider bleibt er aber auch nahezu unverdaulich und extrem schwer zugänglich. Die letzten beiden Punkte können einem den Genuss der ersten beiden Punkte gehörig verderben. Bei mir überwog letztendlich die Begeisterung und so bleiben es starke 8 Punkte mit einer deutlichen Warnung an alle, die "mal eben" einen koreanischen Film schauen möchten. "Spider Forest" verlangt einem seine gesamte Fantasie und Konzentration ab, doch es lohnt sich.

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