Auf der Suche nach innovativen (oder wenigstens andersartigen) Filmstoffen, hat es sich schon immer gelohnt, einen genaueren Blick auf den asiatischen Markt zu werfen, da es dort oftmals einige echte cineastische Perlen zu entdecken gibt, die es nie in hiesige Kinos schaffen würden (höchstens mit etwas Glück direkt in die Videotheken). Auf diese Weise bin ich dann auch auf „Face“ gestoßen – einem beachtlichen Kritiker- und Publikumsliebling in dessen Produktionsland Korea:
Beruhigt hat mich die Tatsache, dass es sich bei der Handlung nicht um eine weitere Variation des „Ring“-Themas handelt, denn jenes ist inzwischen nur allzu ausgereizt – vor allem, wenn es sich um ein asiatisches Werk handelt (die US-Remakes haben wenigstens eine andere Bildersprache), wie etwa jüngst der recht einfallslose „One Missed Call“…
In „Face“ geht es um die so genannte „Facial Reconstruction“-Technik, mit welcher sich durch das Auftragen von Modelliermasse auf skelettierte Schädel (unter Berücksichtigung der charakteristischen Daten bezüglich Gewebe- und Muskelstärke) das Gesicht der zugehörigen Person rekonstruieren lässt. Diese Thematik, die auch noch nicht sehr oft filmisch umgesetzt wurde, habe ich schon immer als faszinierend empfunden, und so habe ich dem Film schließlich eine Chance gegeben – als sich dann jedoch schon nach wenigen Minuten (nicht schon wieder!) eine blass geschminkte, weibliche Geistergestalt in weißer Kleidung mit langen schwarzen Haaren im Gesicht durchs Bild bewegte, begann mein Enthusiasmus (trotz der guten Inszenierung) nachzulassen, doch leider sollte das auch nicht mein letzter Sehvergnügen-Dämpfer bleiben…
Der Film eröffnet rasant und direkt mit dem Mord an einer jungen Frau, bei dem ihr das Herz herausgeschnitten wird – ein Serienkiller treibt auf diese Art sein Unwesen, der (um die Organentnahme zu vertuschen) die Körper nach der Tat zusätzlich in Säure auflöst, so dass nur noch die blanken Knochen übrig beleiben.
Währenddessen reicht Hyun-min Lee, der örtliche Experte für forensische Gesichtsrekonstruktionen, bei seinem Chef die Kündigung ein, da er sich um seine schwerkranke Tochter kümmern muss, die kürzlich eine Herztransplantation überstanden hat. Da jedoch gerade ein weiteres Opfer des Killers aufgefunden wurde, möchte man ihn nicht gehen lassen, worauf man die junge Beamtin Sun-young Jung beauftragt, gemeinsam (bei ihm zuhause) in vertrauter und beruhigender Umgebung an dem Schädel zu arbeiten. Eher widerwillig lässt er sich darauf ein und bringt seine Tochter raus aufs Land zu deren Großmutter, doch ab jenem Zeitpunkt geschehen merkwürdige Dinge – er kann sich beispielsweise nicht mehr daran erinnern, den ersten Schritt der Rekonstruktion selbst vollzogen zu haben, und zudem wird er von einem weiblichen Geist sowie mysteriösen Geschehnissen heimgesucht…
Mit freundlicher Unterstützung von Sun-young treibt er die Arbeit umso verbissener voran und stellt eine Verbindung zwischen den Morden und dem örtlichen Krankenhaus her, welches seine Transplantationsorgane allem Anschein nach von dem Killer bezieht, da der zuständige Arzt nur auf diese Weise an passende „Spenderherzen“ kommt, mit denen er „Beta-Allergie“-Patienten (= einem speziellen und seltenen Defekt) helfen kann.
Einem Traum folgend, entdeckt Lee schließlich eine weitere Leiche, und mit der Zeit kommt ihm ein schrecklicher Verdacht, der einen Zusammenhang zwischen dem Geist, Sun-young, dem Präparat und seiner am Herzen operierten Tochter aufzeigen würde…
Die ersten 20 Minuten von „Face“ sind absolut viel versprechend: Die Story ist zwar wahrlich nicht neu oder gar clever (…es ist offensichtlich, dass es ein Zusammenhang besteht, wenn in einer Szene einer Frau das Herz herausgeschnitten wird, und in der nächsten die Tochter der Hauptfigur ein Spenderherz implantiert bekommt, welches der Arzt in einer geheimnisvollen Metallkiste aufgefunden hat…), doch die Art der Inszenierung kaschiert das noch seht gut, indem sie mit akustischen und visuellen Mitteln wirksam Spannung, Gänsehaut und Schockeffekte erzielt. Man hat in letzter Zeit zwar schon sehr viele blasse schwarzhaarige (Geister-) Asiatinnen gesehen, doch gruselig ist es hier ebenfalls anfangs – und ihr Erscheinen im Badezimmerspiegel ist wirklich meisterlich in Szene gesetzt worden.
Doch dann, nachdem die Arbeit an dem Schädel aufgenommen wird, bricht der Film ein: Es wird sehr viel Zeit in die (anfangs natürlich eher widerwillige, später von aufkeimender Zuneigung geprägten) Zusammenarbeit von Jung und Lee investiert, was vielleicht der Charakterzeichnung dient, in diesem Fall aber einfach nur langweilig ist, denn lange passiert so gut wie gar nichts. Als im letzten Drittel die Handlung mal wieder ein wenig in Gang kommt, nützt es dem Film kaum noch etwas, denn dem Regisseur gelingt es einfach nicht mehr, wirksam Spannung zu erzeugen.
Handwerklich ist der Film in seiner Gesamtheit sauber und routiniert inszeniert worden (bis auf einen wirklich schlechten Special Effect, der mit einem Mädchen und einem Zug zutun hat…), doch leider wirken die einzelnen Handlungselemente halbherzig (die Ermittlungen der Polizei, die Gesichtsrekonstruktion, die Visionen von Lee und seiner Tochter etc) und werden allesamt eher oberflächlich verfolgt – selbst die faszinierende (und eigentlich den Ausgang der Geschichte bildende) „Facial Reconstruction“-Technik habe ich schon in diversen „C.S.I.“-Folgen besser und ausführlicher behandelt gesehen.
Am Ende will man natürlich noch mit einer „ach so überraschenden“ Wendung auftrumpfen, die jedoch auch nicht unbedingt überzeugen kann, da sie einfach belanglos wirkt. Von dem absolut lahmen Showdown und dem kitschigen Abschluss will ich lieber gar nicht erst anfangen…
Insgesamt kann sich der Film nach dem furiosen Auftakt von dem sehr schwachen (weil absolut langweiligen) Mittelteil nicht erholen und dümpelt bis zum Ende einfach nur noch vor sich hin, da man die Horrorelemente vernachlässigte und statt dessen mehr auf Krimi-Unterhaltung setzte, was angesichts der schwachen Story ein großer Fehler war.
Fazit: „Face“ ist ein spannungsarmer Krimi mit übernatürlichen Gruselelementen, der zwar stark beginnt, doch nach dem ersten Viertel gnadenlos nachlässt – daher gerade noch „3 von 10“.