Review

Jeder von uns hat mit Sicherheit schon einmal mit dem Gedanken gespielt, wie es ist, einen Sechser mit Zusatzzahl im Lotto zu haben. Ach, was würden wir uns alles kaufen. Ich würde es so handhaben: Ein Drittel in einen Zehnjahresvorrat in Koks und Nutten bei Seite legen (alles wird gut), ein weiteres Drittel in einen sicheren aber von den Zinsen her niedrigen Bausparvertrag reinhauen, dass mein Leben so geil wäre wie das von Arno Dübel und das letzte Drittel würde ich in ein Grundstück investieren - und zwar genau neben die Halle meines Arbeitgebers. Dort würde ich ein kleines Spaßbad mit einer Mega-Wasserrutsche bauen (lassen), und bei jeder Schicht eine Dauerrotation an Runterrutschen hinlegen mit gleichzeitigem Winken zu den Ex-Arbeitskollegen - obwohl ich die alle eigentlich ganz doll lieb hab.

Aber wer ist so krank, und hat sich schon mal überlegt, was er machen würde, wenn er der Präsident der Vereinigten Staaten wäre? Also, ich meine, außer Osama und Hussein und all die anderen, die schon aus "Sicherheitsgründen" liquidiert worden sind. Keine Socke von euch, oder?

Doch genau mit dieser Frage muss sich der Gutmensch und Arbeitsvermittler Dave Kovic (Kevin Kline) auseinandersetzen, der dem Präsidenten (ebenfalls Kevin Kline) verdammt ähnlich sieht und gegen ein wenig Taschengeld ihn auf kleinen Festen doubelt. Denn genau dieser Präsident Bill Mitchell bekommt beim Querfeldeingehen in eine andere Muschi als in seiner Frau (Sigourney Weaver) einen so heftigen Herzinfarkt, dass in nur noch die besten Komamaschinen, E.T. und Chuck Norris am Leben erhalten.
Stabschef Bob Alexander (Frank Langella) und sein Assistent Alan Reed (Kevin Dunn) reagieren spontan und engagieren den armen Dave als 24-Stunden-Vollzeitdouble vorerst. Zum einen, dass sich die USA sicher fühlt und eine Art Notlösung hat, bevor Panik ausbricht, zum anderen da der dubiose Bob Alexander vorhat, den wohl nie mehr fit werdenden Präsidenten zu ersetzen. Mit aller Macht und Intrigen, die er auf Lager hat.
Doch Dave, der erstmal komplet irritiert ist und sich in seiner neuen Rolle zurecht finden muss, findet immer mehr Gefallen daran, Präsident zu sein. Denn im Gegensatz zum echten Präsidenten, der nur an sein Ego und seinen Pint denkt und dem sein Land, seine Menschen und die Armut am Allerwertesten vorbeigehen, sind das genau Daves Punkte, wo er nach und nach ansetzt und sein Land zu einem besseren machen will. Er hat lediglich nur zwei Hürden: Zum einen seine Ehefrau, die First Lady, bei der vielleicht die Tarnung auffallen könnte - und zum anderen Bob Alexander, dem das gar nicht gefällt, was Dave mit dem Sozialen System anstellt.

Ja,ja. Ich weiß. Die Amis packen jetzt wieder ihrer Fähnchen aus, schwenken die Teile heftig, keulen sich einen auf den Patriotismus und während sie Nordkorea-Flaggen verbrennen, schreien sie ganz laut und die ganze Nacht durch "Juhh Essss Eyyyy"....

Nee, falsch gedacht. Ivan Reitman hat hier nur ein Ziel gehabt: Er hat zwar die USA gewählt, die bei vielen Filmkritikern schon VORAB ein Dorn im Auge ist, aber sie steht quasi sinnbildlich für jedes mit Demokratie geführte Land, in dem der f*cking Islam noch nicht die Überhand gewonnen hat. Gut, wir Dreckschristen haben Kreuzzüge gehabt und auch genug gemeuchelt und vom Feinsten gemordet, was das Zeug herhält, aber immerhin haben wir ab und zu ein "Update 2.0" erhalten, das den Glauben an den Zahn der Zeit anpasst. Aber das ist ein anderes Thema und dafür geh ich lieber wieder ins Salafisten-Forum trollen.

In dem Film geht es um den braven Bürger Dave, der schon immer mehr an das Wohl anderer als an sein Eigenes gedacht hat. Und in der Position, die er einnimmt, hat er natürlich das, was aus den meisten Menschen schlechte Menschen macht: Geld und Macht. Doch Dave bleibt seiner Linie treu und probiert alles für die Unterschicht der Bevölkerung zu tun, damit diese besser verdienen oder überhaupt Arbeit bekommen.

Natürlich ist der Film nüchtern betrachtet totaler Humbug. Hier gibt es nur Schwarz und Weiß. Aber ich sehe diesen Film als Märchen an. Genau wie Walt Disney Filme. Ivan Reitman gelingt es, dass man ihm diese ganze Chose abkauft, die er da auf der Leinwand fabriziert. Als würde echt alles so einfach gehen, ein Land zu führen.
Mir macht es einen Heidenspaß, dem tapsigen aber dennoch spontanen und schlagfertigen Kevin Kline zuzuschauen, wie er aus etwas Schlechtem was gutes machen will und es ihm auch größtenteils gelingt. Gewürzt ist diese Komödie mit einer Portion Romantik, viel Gefühl und Moral, nettem aber niemals aufdringlichem Humor, Intrigen, und selbst Wendungen und auch Spannung finden darin platz. Also für mich so etwas wie die perfekte Mischung.

Damals als der Film erschien war der große Aufreger natürlich die Anspielung auf Bill "The Bullwhip" Clinton, der sich von seiner Sekretärin einen hat blasen lassen. Mich hat das damals schon nicht interessiert, heute interessiert dieser Vergleich keine Sau mehr. Die beste Szene für mich ist immer noch die, in der der falsche Präsident mit der richtigen First Lady von einer Polizeikontrolle angehalten wird und sie ein Liedchen trällern. Totaler Ohrwurm. Oder Ving Rhames´ Abschlussrede. Oder der Dialog zwischen Kline und Ben Kingsley. Oder der Dialog mit dem farbigen Jungen im Waisenhaus. Oder...

Wie man meiner Review anmerkt, bin ich ein total blinder, verliebter Fanboy von diesem Film. Es gibt sehr viele Szenen, bei denen mir das Herz aufgeht und es gibt wirklich nicht viele Filme, die das können. Schade. Das hat Null Komma Null mit Amerika zu tun, sondern ich denke mir immer, wie schön es ist, aus einem schlechten (fiktiven) Land ein gutes zu machen.
Wer gerne Märchen sieht und nicht unbedingt Animiertes Zeugs, Zeichentrick oder 3D braucht, sollte vielleicht mal zugreifen.

Mir geht es nach jedem Anschauen immer verdammt gut und auch James Newton Howard trägt mit seinem exzellenten Score viel dazu bei, dass die Welt danach wieder ein klein wenig besser aussieht, als sie ist. Ein Film für Träumer.

10/10

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