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Das Marvel-Universum ist voll von Charakteren, die nach einer filmischen Umsetzung schreien. Und durch den Erfolg von Blade, X-Men, Daredevil und Spiderman war, ohne Berücksichtigung des Hulk-Flopps, klar, dass versucht werden würde, dieses Potential zu heben. Fantastic Four waren Pflicht, Ghostrider nahe liegend. Aber dass das armselige „Man-thing“ noch vor den Avengers oder Moon-Knight das Licht der cineastischen Welt erblicken würde kann doch verwundern.Wir alle kennen „Man-Thing“ als lächerliche Antwort auf das „Swamp-Thing“ von DC, dass ohne dessen zeichnerische Klasse (immerhin Bernie Wrightson) nie einer ernstzunehmenden eigene Serie Wert befunden worden ist. Der Charakter mit seinen albernen, roten Kulleraugen, dem grünen Moospelz und den absurden Tentakeln konnte nicht einmal in Gastauftritten eine Fangemeinde um sich scharen. Und nun gibt es einen Film. Wer hier ernsthaften Horror erwartet belegt, dass er die Vorlage nicht kennt. Wer trashigen Unsinn erwartet, kennt offensichtlich die Vorlage, wird aber bitter enttäuscht. Den dieses Machwerk probiert, um das „Man-thing“ als Verkörperung der Reaktion von Mutter Natur auf ihre Zerstörung herum einen Mangroven-Indianer-Horrorfilm zu stricken, der zu keiner Zeit funktioniert. Dabei gibt man sich redlich Mühe. Die erste Zeit kann die grüne Farbstimmung der Sümpfe noch fesseln. Auch das Wesen selbst ist in Ordnung - wohl weil es überhaupt nicht so aussieht wie das Original. Selbst die Gewalt ist für eine Marvel-Verfilmung akzeptabel.Aber alles nützt nichts. Denn die guten Impressionen werden durch hektische Schnittfolgen und Verfremdungen, die die Sicht des Man-Thing wiedergeben sollen, sofort zunichte gemacht. Die Schauspieler sind wie so oft recht dürftig (nehmen wir mal den „Forscher“ und den Pathologen aus) und der Soundtrack zumindest gewöhnungsbedürftig. Am allerschlimmsten ist die Story selbst. Niemand kann sich für den Polizisten interessieren, die Liebesgeschichte kommt absolut unmotiviert daher und die Schurken erwecken den Eindruck, als müsste man ihnen für die Erschließung des Sumpfes noch danken. Das alles gepaart mit unglaubwürdigen Umweltschützern und schwer langweiligem Indianer-Hokus-Pokus machen „Man-Thing“ zum Garanten eines gründlich versauten Filmabends.Was nach dem unbefriedigenden Konsum als Frage im Raum steht ist, wieso man mit diesem Machwerk versucht, auf der Marvel-Welle zu reiten. Man hätte das Man-Thing auch sonst wie nennen können, es hat ohnehin weder körperliche Ähnlichkeit noch irgendeinen Bezug zum Marvel-universe. Da hätte man sicher viel Geld für Rechte einsparen, diese Moneten ins Drehbuch stecken und damit einen brauchbaren Öko-Horrorfilm drehen können. Der hätte vielleicht mehr als 2 Punkte bekommen. Hätte, ist aber nicht.

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