Mit „Man-Thing“ wollte Lionsgate, zusammen mit „The Punisher“, auch in den langsam boomenden Markt der Comicverfilmungen einsteigen, war sich bei dieser eher unbekannten Marvelfigur des Erfolgs nicht so sicher wie beim Bestrafer.
Deshalb fiel die Kinopremiere dieses eher Monsterfilms, für den man den horroraffinen Brett Leonard als Regisseur aussuchte, ins Wasser, obwohl das Budget recht üppig bemessen war für diese Art von Film. Dabei steigt der Film als schnelles B-Movies direkt mit einem generischen Appetizer ein, wenn zwei Jugendliche sich zwecks Schäferstündchen in den Sumpf zurückziehen, der Junge allerdings einen Coitus Interruptus der grausigen Art erfährt, als ihn Ranken durchbohren. Mädel schreit wie am Spieß, Monster nicht gesehen, Opener vorbei.
Die traumatisierte Zeugin ist dann kaum eine Hilfe für den neuen Sheriff Kyle Williams (Matthew Le Nevez), der gleichzeitig noch einen Streit zwischen Umweltschützern, angeführt von der Lehrerin Teri Elizabeth Richards (Rachael Taylor), und Mitarbeitern eines Ölkonzerns schlichten darf. Der Konzern bohrt im Sumpf nach Öl, hat das Land auf dubiosem Wege erworben und man muss nicht alle von den Hunderten ähnlich gelagerter Monster Movies gesehen haben um zu verstehen, dass der Auftaktmord damit in Verbindung stehen muss.
Denn, natürlich, war dies nicht der einzige Tote, nur einer von vielen, und Kyles Vorgänger im Amt ist spurlos verschwunden. Also versucht der wackere Gesetzesmann den Morden auf den Grund zu gehen und kommt dabei bald auf die Spur des titelgebenden Man-Thing…
So weit, so bekannt also, da wird es kaum jemanden wundern, dass die natürlich zwielichtigen Geschäfte der Ölbohrer auf dem natürlich heiligen Indianerland natürlich die Rache der Natur nach sich zogen, hier also in Form des Man-Thing. Das hat nur noch begrenzt etwas mit seiner Comicvorlage zu tun und schlachtet Übelwichte wie Unbeteiligte relativ wahllos ab und könnte daher auch ein x-beliebiges Vieh aus jedem anderen Creature Feature sein. Ebenso wenig überrascht der weitere Storyverlauf, in dem sich Sheriff und Lehrerin erst anzicken, danach die gegenseitige Anziehung entdecken und später als Liebespaar gemeinsam vorgehen, während die Riege der Nebenfiguren immer weiter ausgedünnt wird, ehe man das wenig überraschende Geheimnis des Man-Thing dann lüftet.
Freilich muss man mit diesen stereotypen Figuren aus dem Horror-Setzbaukasten leben können, die durch eine eher formelhafte Geschichte gepeitscht werden, in der die Indianer edel und selbstlos, die Industriellen reich und skrupellos und deren Handlanger verwarzt und gemein sind. Doch Brett Leonard verschwendet wenig Zeit mit seinen Figuren, auch der 08/15-Good-Guy-Sheriff und sein engagiertes Öko-Mädel treiben eher die Handlung voran als wirklich entwickelt zu werden, und setzt stattdessen auf ein durchaus stimmiges Creature Feature. Das Man-Thing kommt häufig zum Einsatz, meuchelt zwar durchaus vorhersehbar die Figuren, die es verdient haben oder das Wort Opferlamm schon fast ins Gesicht geschrieben haben, doch die zahlreichen Jagd- und Mordszenen im Sumpf treiben den Spannungspegel nach oben.
Auch in Sachen Inszenierung setzt Leonard auf eine durchaus effektive Flucht nach vorn: Da die Sumpfszenen komplett im Studio gedreht wurden, liegt stets unheilvoll wabernder Nebel über der Kulisse, während ein grüner Farbfilter das Geschehen in ein unheilvolles Licht taucht. Analog dazu arbeitet Leonard in anderen Passagen mit anderen Farbfiltern (gelb bei Tag bei Szenen im Indianer-Territorium) und verpasst dem Film einen comichaften Look, der immerhin optisch auf das Aufgangsmaterial verweist. Noch dazu setzt er sein Monster effektiv ein, enthüllt erst nach und nach mehr von seiner Kreatur, die zudem recht cool designt ist und durch ihre wenigen Auftritte nie Gefahr läuft das Budget zu enthüllen, dass für ein B-Monsterfilm durchaus hoch, für ein echtes Comic-Effektspektakel wiederum zu knapp bemessen war.
Ein weiterer, eher kleiner Pluspunkt sind die Hauptdarsteller Matthew Le Nevez und Rachael Taylor, die zwar keine Schauspielpreise gewinnen würden, ihre Holzschnittfiguren aber überzeugend genug verkörpern. Die Übelwichte spielen eindimensional, aber immerhin schön schmierig, dass man ihr Ableben mit Freude wahrnimmt. Zudem hat Brett Leonard selbst eine Gastrolle.
Originell mag das Ganze also nicht sein, gerade in Sachen Story und Figurenzeichnung herrscht das Klischee, aber dank eines sehr starken Creature-Designs, stimmig inszenierter sowie teilweise recht blutiger Kills und der schnellen Taktung macht „Man-Thing“ als simples Horrorvergnügen durchaus Laune.