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Otto Westermann ist der Kopf der Hamburger Mafia und kann mehr oder weniger ungestört seinen „Geschäften“ nachgehen – bis ihm eines Tages der US-Mafioso italienischer Abstammung Lucca Messina mit seinen Mannen die gesamte Stadt abstreitig zu machen gedenkt. Ein erbarmungsloser Kampf zwischen beiden Parteien beginnt, in den auch die Kinder Westermanns und Messinas hineingezogen werden. Doch diese fühlen sich zueinander hingezogen...

„Zinksärge für die Goldjungen“ ist ein rasanter Gangster-Action-Streifen aus dem Jahre 1973; eine deutsch-italienische Koproduktion unter der Regie von Jürgen Roland. Der Realismus tendiert vermutlich gegen Null, aber der Unterhaltungswert ist enorm. Wenn Westermann seine Handlanger zu als Pudel-Club (!) getarnten, konspirativen Treffen lädt, zahlreiche Brüste von klischeehaft sexistisch dargestellten jungen Damen durchs Bild hüpfen, Horst Janson als Mitt- oder gar Enddreißiger den halbstarken Sohn Westermanns spielt, Henry Silva als Gangsterboss Messina seine eingemeißelte Mimik präsentiert und es zu technisch wirklich großartig umgesetzten Verfolgungsjagden per Auto durch Hamburg und per Schnellboot auf der Elbe kommt, kommt keinerlei Langeweile auf, im Gegenteil - der Zuschauer frohlockt ob des für eine deutsche Produktion aus den frühen Siebzigern überraschenden Tempos. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Schießereien, Prügeleien (teilweise inkl. Martial-Arts-Einlagen) und Explosionen. Da nimmt man es dem Film auch nicht krumm, dass die eingebettete Romanze zwischen den Kindern der Herren Mafiosi ziemlich flach wirkt und man es ihm nicht so recht abnehmen will, dass er ernsthaft und nachhaltig einen Generationskonflikt thematisieren wollte. Auch, dass im längst durch Mord und Totschlag zugespitzten Krieg für kurze Zeit Waffenstillstand herrscht, als Messinas Mutter einen Herzinfarkt erleidet und Westermann seinem Widersacher hilfreich zur Seite steht, halte ich angesichts der fatalistischen Tendenz und allgemeinen Härte des Films für hanebüchen. Interessanter finde ich da die, ob nun bewusst oder unbewusst gewählte, Thematik der „Globalisierung der Kriminalität“, der (versuchten) Vertreibung der einheimischen Unterwelt durch ausländische Kriminelle. Betrachtet man sich heutzutage die Machtverhältnisse in so manchen Rotlichtbezirken, kann man zumindest diesem Aspekt des Films den Realitätsbezug nicht absprechen. Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, dass „Zinksärge…“ trotz deutlich italienischer Handschrift über eine hohe Dosis Hamburger Lokal- und Zeitkolorit verfügt, das sich nicht nur in den Astra-Knollen der Schurkenstammtische äußert. Das überraschende bis schockierende, letztlich aber konsequente Anti-Happy-End ist der Schuss Raffinesse, der dem zuvor prächtig unterhaltenen Zuschauer evtl. noch etwas zum Nachdenken mit nach Hause gibt.

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