„Jet Generation – Wie Mädchen heute Männer lieben“ – das ist das Langfilm-Debüt des berüchtigten deutschen Genrefilmers Eckhart Schmidt („Der Fan“). Das (nennen wir es mal) Drama wurde im Sommer und Herbst 1967 in München und Umgebung gedreht und am 25. Januar 1968 uraufgeführt. Für das Drehbuch arbeitete Schmidt mit Roger Fritz („Mädchen Mädchen“) zusammen, der zugleich die männliche Hauptrolle verkörperte.
Die attraktive, junge Carroll Buchheim (Dginn Moeller) reist von New York nach München, um persönliche Nachforschungen in Bezug auf das spurlose Verschwinden ihres Bruders Dirk anzustellen. Vier Monate ist es bereits her, dass man zuletzt etwas von Dirk gehört hat. Seine Wohnung hat er verkauft und die Behörden sind Carroll keinerlei Hilfe. Ihre Spur führt zum eingebildeten Modefotografen Raoul Malsen (Roger Fritz), der Dirk offenbar als Letzter gesehen hat. Ausgerechnet zu ihm fühlt sie sich immer stärker hingezogen…
„Na, das ist ja eine spannende Sache“, würde die scheidende Kanzlerin angesichts der Inhaltsangabe eventuell kommentieren – um vermutlich ähnlich enttäuscht zu werden wie ich. „Jet Generation“ ist leider kein knisternder, packender, erregender Erotik-Thriller, der die sexuelle Revolution knapp vorwegnimmt, die vermeintliche Verführbarkeit einer jungen Frau aufgreift und diese letztlich als großangelegten Racheplan entlarvt. Vielmehr handelt es sich um das oberflächliche Porträt eines ebenso oberflächlichen Fotografen aus der nicht minder oberflächlichen Modewelt, der großkotzig auf seine Mitmenschen herabblickt, ohne dass es negative Konsequenzen für ihn hätte – im Gegenteil: Aus vollkommen unerfindlichen Gründen verguckt sich auch Carroll in ihn. Über die vom Fotomodell Dginn Moeller in ihrem einzigen Filmengagement verkörperte Frau erfährt man darüberhinausgehend kaum etwas, sie bleibt weitestgehend nebulös. So tritt der Film narrativ die meiste Zeit auf der Stelle, bis im „Finale“ immerhin Dirks Verschwinden aufgeklärt wird.
Seine Qualitäten zeigt „Jet Generation“ in seinem unbedingten Stilwillen. Wie er die bayrische Landeshauptstadt in eine übertriebene Swingin‘-Sixties-Ästhetik taucht, wie sie dort mutmaßlich niemals vorherrschte, ist in Kombination mit seinen bunten, sonnendurchfluteten Bildern aller Ehren wert. Doch wann immer etwas Überraschendes innerhalb dieser Parallelrealität passiert, stellt sich heraus, dass es mit der Handlung gar nichts zu tun hat. Trotz Raouls Vielweiberei und Schmidts Bemühungen um eine gewisse libidinöse Anspannung bleibt sein Film seltsam asexuell und außer ein paar verschämt eingestreuten nackten Oberweiten jegliche Erotik außen vor.
Dabei sind die Darstellerinnen und Darsteller, u.a. Jürgen Draeger („Polizeirevier Davidswache“) als Raouls homosexueller Assistent Chris, mit einiger Hingabe bei der Sache – allein es fehlt ein Drehbuch, dass dem Stil auch etwas Substanz angedeihen ließe (womit der Film bisweilen an Antonionis „Blow Up“ erinnert, der Schmidt sicherlich inspiriert haben dürfte). So offenbart „Jet Generation“ – zu seinem aufgegriffenen Milieu durchaus passend –, wie langweilig rein äußerliche Attraktivität schnell werden kann. Er scheint nichts zu sagen zu haben und bleibt auch eine Antwort darauf schuldig, „wie Mädchen heute Männer lieben“ – indem sie sich in Arschlöcher verknallen? Sollte das die Aussage des Films sein? Oder ging es schlicht um die Bloßstellung der Modewelt als verführerisches, aber eigentlich vollkommen belangloses Zeitphänomen – und ihr filmisches Pendant dazu? Das weiß Schmidt vermutlich selbst nicht mehr so genau. Somit bleibt sein Debüt in erster Linie filmhistorisch interessant.