Review

„Gorky Park“ ist, wie die meisten Arbeiten von Michael Apted, eine solide Angelegenheit mit Stärken und Schwächen, wobei es sich ungünstig auswirkt, daß die Schwächen hier leider erst gegen Ende zutage treten.
Als Mischung aus Polit- und Polizeithriller ist vor allem das ungewöhnliche Setting, nämlich die Sowjetunion (vermutlich in den 70ern) zu erwähnen, was bei US-Filmen ja nicht gerade typisch ist.

Vielversprechend und vor allem mit viel mysteriösem Drive der Beginn, als drei Leichen, die man fast gänzlich unkenntlich gemacht hat, im Gorky Park in Moskau im Schnee vergraben gefunden werden. Der Miliz-Offizier Arkadi Renko macht sich supergerade an die Ermittlungen und gräbt sich an KGB-Hindernissen in einen Fall ein, in dem es um Pelztier- und Menschenschmuggel und jede Menge Geld geht.

Die Thrillerelemente kommen zu Beginn gepflastert, die Ermittlungsmethoden (mit viel Wodka) bieten ein relativ authentisches Bild der Zustände in der UDSSR, komplett mit Nahrungsmittel- und Gebrauchsgegenstandsverknappung, Autosorgen, Korruption und den KGB-Zuträgern an allen Ecken und Enden.
Leider wird die Storyline zunehmend überdehnt, Brian Dennehy als New Yorker Cop belastet als Zugeständnis an die US-Sehgewohnheiten den Plot mehr, als daß er ihn entwirrt und das romantische Element belastet die Handlung ebenfalls enorm.

So summieren sich mit fortschreitender Laufzeit die Längen zur Handlung. Das ist schade, denn etwa die Szenen von Altstar Lee Marvin als Pelzhändler und Ian Bannen als Staatsanwalt haben durchaus Klasse. Dagegen sieht William Hurt als Renko ein wenig blass aus, denn außer, daß er gerade, sauber, hartnäckig, geduldig und aufrecht ist, sind ihm wenig Ecken und Kanten gegeben, an denen man sich festhalten kann. Auch Joanna Pacula als spröder Love Interest bleibt ein Fragezeichen und ihre störrische Ungläubigkeit nervt irgendwann sehr.

Und als die Doppelbödigkeiten und betrügerischen Identitäten dann endlich aufgedeckt werden, versuppt das Ende in einem pseudo-kitschigen Matsch, da können auch ein paar krachige Schußwechsel und haufenweise Tote nichts mehr ausrichten.
Insgesamt bietet „Gorky Park“ aber einen brauchbaren russischen Look (in Helsinki gedreht) und kann die Genossen-Stimmung recht deutlich visualisieren, wenn auch nicht verständlich wird, was die Bewohner von Moskau an diesem Land und dem System denn nun so erträglich fanden.
Gute Ansätze, aber einige Thrillerklischees zu viel, das macht ordentliche, wenn auch nicht überragende Unterhaltung. (6/10)

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