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Die Tatsache, dass 1990 „Der mit dem Wolf tanzt“ dürfte die Weichen für „Halbblut“ gestellt haben, da es dann auf einmal wieder in war Indianer-Themen zu haben und der Stoff für Thrillerverhältnisse eher ruhig ist.
Titelgebendes Halbblut ist der FBI-Agent Ray Levoi (Val Kilmer), der zu einem Mordfall in einem Indianerreservat beordert wird. Dabei lässt „Halbblut“ keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um reine Politik handelt: Ray wird erst dorthin geschickt, weil die Ereignisse größere Wellen schlagen, doch es gibt unzählige ungelöste Mordfälle in dem Reservat. Zudem merkt Ray schnell, dass es wichtiger ist den Fall abzuschließen und einen Täter zu präsentieren als die Wahrheit herauszufinden.
In dem Reservat toben Machtkämpfe zwischen Traditionalisten und modernen Vertretern der Indianer. Letztere haben bewaffnete Schlägertrupps angeheuert und unterstützen das FBI, während sich in den Reihen der Traditionalisten auch mehrere Militante befinden. Ray merkt schnell, dass hinter Sache mehr steht und das Reservat einem Bürgerkriegsgebiet gleicht. Einer der wenigen ruhigen Menschen ist der indianische Cop Walter Crow Horse (Graham Greene).

Bei seinen Recherchen stößt Ray auf Unstimmigkeiten und beginnt im Gegensatz zu den anderen Beamten nach der Wahrheit zu suchen. Dabei stoßen er und Walter auf brisante Erkenntnisse…
„Halbblut“ gehört zu der eher ruhigen Art von Thriller, denn bei einer Lauflänge von 115 Minuten überschlagen sich die Ereignisse nicht gerade. Stellenweise ist die Handlung auch etwas konventionell, denn man ahnt recht schnell, wer in Wahrheit hinter den Morden steckt, nur das Motiv fehlt. Ein paar Überraschungen und unerwartete Wendungen hat die Aufklärung des Verbrechens doch zu bieten, unter anderem einen ziemlich unerwarteten Todesfall unter den Hauptfiguren.
Action ist dabei dünn gesät, selbst der Showdown ist recht unspektakulär. Ein paar kurze Schießereien gibt es auch, die jedoch auch handlungsimmanent sind. Doch trotz des Verzichts auf viel Action ist „Halbblut“ alles andere als harmlos, denn er zeigt auf recht drastische Weise, wie mit den Indianern umgesprungen wird und wie diese auch teilweise miteinander umspringen (Stichwort zwei Fraktionen). So besitzt „Halbblut“ neben seinem Unterhaltungswert auch eine politische Message, die aufgrund des aktuellen Szenarios eindringlich wirkt.

Die Ermittlungen werden zugleich für Ray ein innere Reise: Er hat seine indianische Wurzeln väterlicherseits verdrängt und verhält sich anfangs Walter gegenüber wenig brüderlich. Doch je mehr Einblick er in die Geschehnisse im Reservat erhält, desto mehr beginnt er sich seiner Vergangenheit zu stellen und sich verantwortlich für die unterdrückten Reservatsbewohner zu fühlen. Dabei charakterisiert „Halbblut“ seinen Helden eingänglich, wenngleich die gelegentlichen Visionen vielleicht doch etwas zuviel sind.
Schauspielerisch erbringt Val Kilmer hier noch keine Bestleistung, spielt aber besser als in manch anderem seiner Filme und bringt den FBI-Agenten überzeugend rüber. Gewohnt klasse ist Graham Greene, der dem Film zudem einen ironischen Touch verleiht (z.B. durch den Running Gag mit dem Stinkefinger). Sam Shepard als Rays Vorgesetzter ist OK, Fred Ward als Chef der Schlägertrupp ein überzeugender harter Knochen.

Alles in allem ist „Halbblut“ ein langsam erzählter, teilweise sehr konventioneller Thriller mit ambitionierter Botschaft. Dank des interessanten Reservatsszenarios, einiger Überraschungen sowie der dichten Erzählweise jedoch gute Thrillerunterhaltung.

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