Always Outnumbered - Mit dem Rücken an der Wand (8/10)
Laurence Fishburne spielt den Ex-Knacki (Sokrates Fortes), der zwei Menschen ermordet hat, im Leben mehr schlecht und recht über die Runden kommt, und der eines Tages Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen macht, der die Ermordung seines Freundes durch eine Gruppe Jugendlicher mit ansehen musste.
Dieser Film hat alles, was ich von einem guten Film erwarte: eine gute Story, gute Darsteller, und, was bei einem Thema dieser Art immer gefährlich ist, keine soziologisches Geschwafel über Schuld und Sühne.
Der Titel des Films ist zwar meiner Meinung etwas übertrieben. Sokrates muss zwar, um zu überleben, und weil er keine Arbeit findet, Dosen im Wagen verkaufen, und wird in einem Supermarkt wegen Lappalien abgewiesen. Dennoch ist er am Ende des Films, trotz der Schuld, die er in seinem Leben auf sich geladen hat, kein bloßer Verlierer.
Der Film unterlässt es auch, auf die moralische Zeigefingerart dem Zuschauer etwas unterjubeln zu wollen. Wir erfahren nur kurzen Rückblenden, in denen wir eine weinende Frau sehen, dass Sokrates etwas schlimmes getan haben muss. Zwei Menschen habe er getötet, gesteht er dem kleinen Jungen, der selber als Zeuge bei der Ermordung eines pummeligen schwarzen Jungen verwickelt ist. Trotzdem versucht Sokrates, dem Jungen zu helfen, um nicht seine Fehler zu wiederholen.
Fishburne ist dabei bei der Darstellung hervorragend zurückhaltend. Nur einmal, als der Einzelhändler seine Dosen ablehnt, gerät er in Wut und stößt seinen Einkaufswagen um, ein Ausbruch, der die ganze Frustration zum Vorschein bringt. Doch auch hier schafft es der Film, die Kurve zu kriegen, und nicht ins Moralische oder Weinerliche abzurutschen: sein Leben ist hart, ja, doch es geht immer vorwärts, und Sokrates wird dies später noch erfahren.
Was den Film aufwertet, ist zudem seine (platonische) Hingezogenheit zu der Frau eines Freundes. Und auch diese Beziehung wird wohltuend sachlich und nicht überzogen geschildert. Es wird nicht gezotet oder auf sexistisch gemacht, und Effekthascherei durch billige Bettszenen fehlen dem Film auch. Das macht ihn sympathisch.
Filme müssen nicht immer eine Botschaft haben, und wenn, dann reicht oftmals eine unterschwellige aus. In "Dead Men Walking" wird die Moral durch Schuldanerkenntnisse oder ähnliches gefühlsduseliges Geseiche so übertrieben, dass das Zusehen eine Qual wird. Nicht so in "Always outnumbered".
Der Film hat eigentlich keine feste Story, er schildert nur den Tagesablauf eines Menschen und seiner Umgebung, zurückhaltend, ohne Sexismus, fast mit einer zärtlichen Zuneigung zu seinen Figuren (so am Ende des Film beim Tod von Sokrates Freund). Die Personen werden nur beobachtet, nicht verurteilt oder bewertet. Und so bleibt am Ende des Film ein besserer Eindruck von den Charakteren, als das dauernde Widerholen irgendwelcher Moralsprüche.
"Dead Men Walking" hält den Zuschauer für dumm, für kleine Kinder, denen das Unmoralische andauernd erklärt werden muss. "Always outnumbered" erklärt nichts, er hält den Zuschauer für intelligent genug, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Wenn es denn nötig ist.
Sehenswert