Review

"Ein begnadeter Angeber, ein mitreißender Anführer und leider immer noch Jungfrau - letzteres will der 17jährige Ken nun schleunigst ändern. Im turbolenten Jahr 1969 ist ihm zwischen Stones und Studentenunruhen eigentlich nur eine wichtig: die engelsgleiche, unnahbare Lady Jane. - Schräg und komisch, über die Nöte des Erwachsenwerdens in der japanischen Provinz."
- Soviel zum Klapptext auf dem Buchrücken zum weitaus bekannteren Roman "69" von Ryu Murakami. Vor ein paar Tagen war es mir nun vergönnt einen Blick auf den filmischen Ableger zu Murakamis "Kult-Biografie" zu werfen.

Um eines vorweg zu nehmen: Nein, der Film kann natürlich nicht mit Buch mithalten - warum, soll im folgenden geklärt werden.

Zunächst einmal die positive Kritik:
Der Film hält sich (bis auf wenige Ausnahmen) an den Storybogen des Buches, die Witze und Pointen sind zum größten Teil alle erhalten geblieben, aber zu Gunsten der linearen Erzählung musste man bei der Umsetzung Kompromisse eingehen, weshalb einige Szenen verändert, gekürzt oder gänzlich entfallen gegenüber der Vorlage sind - durchaus gute Arbeit wurde bei der Auswahl der Schlüsselszenen geliefert. Die Erzählweise wurde ebenfalls abgeändert, Ken ist im Film nicht der Ich-Erzähler, sondern man beobachtet ihn und seinen Freund Adama subjektiv von außen.
Der Film versteht es ebenfalls sowohl die komischen als auch die melancholischen Seiten des Erwachsenwerden in Sasebo einzufangen - wobei der Höhepunkt der Handlung wohl bewusst auf das im Mittelpunkt stehende "Morgenlatten-Festival" verschoben wurde (im Buch geht die Geschichte noch etwas weiter und das Festival spielt eine überraschend kleine Rolle).
Besonders gefallen wollen ausgefallene Kameraeinstellungen und Gags wie die Lügengeschichten des Protagonisten in 2 Anläufen (auch direkt übernommen aus der Buchvorlage). Die Darsteller, vor allem die Protagonisten, verkörpern ihre Rollen alle weitgehend gut, wobei man nicht auf bekannte Gesichter hoffen sollte. Die musikalische Untermalung richtet sich auch eher an unseren westlichen Geschmack - typische Mucke, welche auch hierzulande und vor allem in den Staaten '69 lief.

Doch nicht nur die Stadt Sasebo, in der die Geschichte spielt, ist durch hauseigene U.S. Militätbasis amerikanisiert, vielmehr der ganze Film ist es, womit wir bei den negativen Seiten wären. Zwar fängt der Film auf diese "American Pie" - like Art recht gut das Feeling des Buches ein, aber manchmal ist weniger einfach mehr....über die Ekel-Szene im Buch in der ein Mitschüler auf dem Pult des Rektors sein Geschäft macht, konnte man noch geschickt überlesen, im Film wird sie allerdings in ganzer Pracht dargestellt. Ebenso ist der ziemlich überspitzte Humor mit Sicherheit Geschmackssache - den ein oder anderen Lacher gab es schon, aber es wirkt immer so, als hätte das Buch an der Stelle nicht genug hergegeben, weshalb hier mal schnell ein Rohrkrepierer eingebaut werden müsste. Man kann damit leben.

Fazit: Im großen und ganzen eine gelungene Adaption der Murakami Vorlage, wobei Kennern des Buches im Film vermutlich die letzte Würze fehlen dürfte, die den Roman so einmalig gemacht hat. Als Ausgleich halten japano-überzeichnete Slapstickeinlagen her. Meiner Einschätzung nach ist der Film für Nicht-Kenner des Buches insgesamt wenig interessant, weil zumindest für mich der größte Reiz darin lag, die ein oder andere Szene, die man vor Augen während des Lesens hatte, endlich einmal auf dem Bildschirm zu sehen!
7 / 10

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