Review

Ein doofer Vampirfilm: Irgendein Bosnier haust als Vampir in der Lagerhalle eines fiesen Familienvaters und beißt ihn. Der überträgt die Seuche auf seine Familie und einige Gangstas in da hood.
Also, „Become Vampire or Die Tryin`”.

In Dark Town ist aber auch eine Menge los: Das Spießbürgerdasein vom Familienvater wird direkt an seinem Geburtstag aus der Bahn geworfen. Nichts mehr mit Fremdgehen und Saufen, nur noch die übrigen Familienmitglieder aus seiner Thermoskanne Blut trinken lassen. Und weil die alle so bräsig sind und davon süppeln, ohne sich über den Geschmack zu wundern, werden sie auch zu Blutsaugern.
Währenddessen sind im Viertel die schwarzen Gangs unterwegs, man klaut PC-Monitore im Glauben, es seien Fernseher und rivalisierende Gruppen ballern sich über den Haufen, weil man sich über Zugehörigkeit, Geld und Drogen nicht einig wird.
Da man im Haus des Familienvaters eine Menge Geld bei der jüngsten Tochter (Freundin eines Gangsterbosses) vermutet, fährt man da hin, während einige innerhalb der Familie bereits lange Zähne und helle Kontaktlinsen tragen.
Ach, und das feiste Familienoberhaupt ist auch noch schuld am Unfalltod eines Gangmitgliedes, noch ein Grund, die Bude zu stürmen.

Man kann sich gewiss nicht darüber beklagen, dass dem Low Budget Streifen Tempo und häufige Szenenwechsel fehlen. Doch das täuscht natürlich nicht über die komplett einfallslose und im Detail auch reichlich unlogisch konzipierte Story hinweg.
Zunächst wird man mit sehr vielen, aber doch gleich aussehenden Gesichtern innerhalb der Gangs konfrontiert, nur, damit am Ende einer davon als Held hervorsticht, dessen Namen man sich noch nicht einmal gemerkt hat. Ihm zur Seite steht die Tochter des Gebissenen, eine Sozialarbeiterin und Lesbe. Die beiden dürfen schließlich versuchen, sich einer Vampir-Übermacht entgegenzustellen.

Dabei strauchelt die Story bisweilen in unentschlossenen Bahnen, ob man denn nun ein Gangsta-Drama oder einen Vampirfilm bieten soll.
Ähnlich ergeht es den Gebissenen, die nicht unweigerlich zu Vampiren mutieren. Töchterchen Lesbe kann sich gar entscheiden, auf welcher Seite sie stehen möchte, also mal mit und mal ohne Kontaktlinsen. Mal mit verzerrter Stimme, dann wieder ohne.

Noch lächerlicher ist allerdings die Szene, als sich der Vater die schwangere Schwiegertochter schnappt, mit ihr ins Feld geht, um den Fötus zu entfernen.
Was jetzt ganz schlimm und „Man Eater“ - verwerflich klingt, gestaltet sich zur Einstellung mit dem größten Fun Faktor des kompletten Humbugs.
Denn, natürlich sieht das nicht annähernd wie ein Ungeborenes aus, sondern wie eine ferngesteuerte, mit rotem Rotz übergossene Plastikpuppe, die mit den Augen klimpert und Blut spuckt. Wahrscheinlich hatten die Macher das Konstrukt noch irgendwo im Lager liegen und wollten es irgendwie unterbringen, - einen Sinn ergibt die Szene nämlich nicht.

Ein gewisser Trash Anteil ist demzufolge nicht von der Hand zu weisen, das mag einige ernsthaft interessierte Vampirfilmfreaks eventuell abschrecken.
Denn gebissen wird hier eher seltener und Ursachenforschung wird natürlich auch nicht betrieben. Viele laufen als Vampir durch die Gegend, ohne dass man etwas von der Verwandlung mitbekommen hat, wieder andere werden einfach aus der Handlung entfernt.

Spannend gestaltet sich das ohnehin kaum, direkte Konfrontationen zwischen Mensch und Blutsauger sind eher Mangelware, die FX beschränken sich auf Herz herausreißen oder herausstechen und es findet sich, bis vielleicht auf die lesbische Tochter, auch niemand zum Mitfiebern. Da fügt sich das lahme und wenig fesselnde Finale unmittelbar in die eher dilettantisch ausgearbeitete Geschichte ein.

Ansonsten finden sich noch zwei Nacktszenen in Form von Lesbenknutscherei und Vorstellung der Affäre des Vaters, eine Prügelszene unter Frauen, zwei Cops, die den schwarzen Survivor festnehmen wollen und eine gebissene Katze.
Im Visuellen äußert sich das mit einigen hektischen Inserts (das Wissen der Beißer wird an die Opfer transferiert) und ein paar Fast Forwards (Vampire schreiten zur Tat oder bewegen sich durch die Gegend, - fliegen können sie im Übrigen nicht).
Die Darsteller stoßen insgesamt nicht bitter auf und Janet Martin, die hier ihr Debüt als Heldin feiert, fällt zumindest nicht nur durch ihr ansprechendes Äußeres auf.

Klar, das ist im Gesamtbild kein empfehlenswerter Streifen, weder für Dracula Freaks noch für Trash-Fans. Doch der Ablauf gestaltet sich zügig, auch wenn Logik und Atmosphäre, sowie ein ausgearbeiteter roter Faden deutlich auf der Strecke bleiben.
Aber gerade im Bereich des Vampirfilmsektors habe ich schon weitaus schlechteres gesehen.
Wohlwollend knapp
4 von 10

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