Review

DINOCROC

Ich bin bekannterweise Fan von Dinosaurier- und Krokodilfilmen und habe auch gegen Roger Corman-Produkte wie z.B. seine CARNOSAURUS-Trilogie nichts einzuwenden! Bei DINOCROC hingegen werden die Dinosaurier tatsächlich immer trauriger und heulen dicke, fette Krokodilstränen, während ich mich die ganze Zeit frage, was hier eigentlich so stinkt…

Die Firma "Gereco" (=Genetic Research Corporation) hat ein Verfahren entwickelt, welches sich "AGT" (=Accelerated Growth Technology) schimpft. Es beschleunigt das Wachstum von Lebewesen und wird auch gleich am vorsintflutlichen DINOCROC (=Dinosaurier-Krokodil) ausprobiert. Doch das DC fühlt sich unwohl im Labor, entfleucht ins nahe Naturschutzgebiet und beginnt damit, seinen Magen mit frischem Menschenfleisch zu füllen.

Währenddessen geht der junge Künstler Tom Banning (Matt Borlenghi) durch ein Wechselbad der Gefühle: Die Beziehung zu seiner Jugendliebe - der Tierschützerin Diane Harper (Jane Longenecker) - ist gerade wieder am aufflammen. Andererseits wird der dreibeinige Familienhund Lucky vermisst und dem nicht genug wird Toms kleiner Bruder Michael (Jake Thomas) vom DC mit einem leckeren Happy Meal verwechselt.

Gereco-Chefin Paula Kennedy (Joanna Pacula) will die Vorgänge natürlich vertuschen und sämtliche Verantwortung von sich wälzen. Also beauftragt sie Dr. Campbell (Bruce Weitz) - den "Vater" des DC - damit, die Echse unschädlich zu machen. Zu seiner Verstärkung lässt man schnell noch den australischen Echsenjäger und "Crocodile Dundee"-Verschnitt Dick Sydney (Costas Mandylor) importieren. Gemeinsam machen Tom, Dick, Diane und deren Vater - Sheriff Harper (Charles Napier) - Jagd auf das Dinosaurier-Krokodil…

Nach knappen 90 Minuten nervig-peinlichen CGI-Monsterschrotts ist die Frage, was hier so gestunken hat, beantwortet: Roger Corman's DINOCROC! Doch warum ist dieses Machwerk nicht einmal in trashiger Hinsicht konsumierbar? Hauptargument sind für mich erst einmal die Charaktere: Ich liebe es, wenn Gangster, Soldaten oder Spezialeinheiten den Kampf mit Monstern und Ungeheuern jeglicher Art aufnehmen! Was wäre ALIENS ohne die Marines? Was wäre OCTALUS ohne die schwer bewaffnete Räuberbande? STARSHIP TROOPERS ohne die titelgebende Truppe? Richtig! Praktisch undenkbar!
Und bei DC? Wenn man sich die Charaktere anschaut, die sich durch dieses Machwerk quälen, kann einem eigentlich nur schlecht werden: Nehmen wir nur mal den weinerlichen Trottel Tom, der sich z.B. vor lauter Blödheit mit einem Betäubungspfeil selbst außer Gefecht setzt, später aber ganz cool mit einem Flammenwerfer auf die Monsterechse losgeht. Oder aber seinen penetrant auf die Nerven gehenden Bruder Michael, der die ganze Zeit nur seinem dreibeinigen Köter hinterher wimmert: "Lucky! Wo bist du? Lucky!" :X

Die weiblichen Charaktere sind keinen Deut besser: Die dämliche Gereco-Chefin macht doch glatt die abgesperrte Höhle auf, in der das DC vor wenigen Minuten scheinbar vergast wurde und endet - Oh, Wunder! - sofort im Maul der quicklebendigen Monsterechse.
Diane und ihre blöden Köter sorgen dann für einen der wohl peinlichsten Momente der jüngeren Monsterfilmgeschichte: Als der Sheriff einige Hunde aus dem Tierheim als Köder für das DC benutzen will, schmeißt sich Diane selbstlos dazwischen, läuft die komplette Köderstrecke ab und befreit einen Hund nach dem anderen, wobei ihr das DC auf den Fersen ist, jedoch kaum mithalten kann und immer wieder mehrere Meter zurückzufallen scheint. Natürlich ist am Ende keinem einzigen Flohträger auch nur ein Haar gekrümmt worden…

Über die Umgebung kann man sich ebenfalls nur wundern! Wo bitte findet der ganze Scheiß denn nun statt? Rund um den so genannten Grant Lake? Wir haben da einen riesigen Laborkomplex, quasi gegenüber liegt ein Naturschutzgebiet und wenn man durch einen Eisenbahntunnel geht, kommt man zu einem riesigen Badesee. Einen Ort oder eine Stadt scheint es nicht zu geben; Charaktere sowie DC scheinen sich die ganze Zeit ziel- und planlos zwischen den wenigen Locations hin- und herzubewegen.

Das komplett am Rechner entstandene DC sieht irgendwie aus wie ein missratener Drachen, hat keinen einzigen nennenswerten Auftritt und sehenswerte Fressszenen gibt es auch keine: Ein Mann, der mitsamt eines Steges von einem CGI-Maul weggefressen wird und Menschen, die gleich an einem Stück verschluckt werden… das ist die traurige Tagesordnung! Lediglich der Tod von Toms kleinem Bruder ist relativ hart und überraschend, während sonst leider kaum einer der wichtigen Darsteller im Monstermagen endet!

Erwähnte ich schon, dass immer dann, wenn Hinweise oder Schilder im Bild zu sehen sind, ein Sprecher aus dem "Off" ertönt und diese Texte ins Deutsche übersetzt? Bei "Durchsagen" wie "Naturschutzgebiet! Betreten verboten!" oder "Frühstück für Michael!" fragt man sich, ob ein paar deutsche Untertitel an diesen Stellen nicht etwas weniger peinlich gewesen wären…

Laut Cover hat DC den "Golden Galaxy Award" von der "American Science Fiction Society" verliehen bekommen. Wofür dieser Award denn nun gedacht gewesen ist, konnte ich leider nicht feststellen. Fest steht aber: Wer DC einen Award verleiht, der hat auch Werke wie KOMODO - THE LIVING TERROR, PTERODACTYL - URSCHREI DER GEWALT oder STINGER auf seiner Nominiertenliste stehen… Nun gut, STINGER war etwas zu gemein! ;)

Wenn ich mir das Cover weiter anschaue, muss ich ehrlich zugeben, dass mir das DC irgendwie sogar Leid tut! Krokodile sind ja so etwas wie die letzten lebenden Dinosaurier und die Idee, beide Echsen zu einem Monster zu vermischen, finde ich grundsätzlich gar nicht mal schlecht! Würde sich DC bei all dem gezeigten Scheiß nicht selbst so unglaublich ernst nehmen, hätten wir am Ende eventuell sogar unterhaltsamen Trash zu sehen bekommen!

Schaut Euch lieber zum wiederholten Male Roger Corman's CARNOSAURUS-Trilogie oder aber einen lustigen Krokotrasher wie BLOOD SURF oder CROCODILE 2: DEATH ROLL an! DC hingegen würde ich nicht einmal im Free-TV empfehlen und den Verkauf meiner DVD im OFDb-Marktplatz kann ich nach diesem Review sicher auch vergessen! ;)

Unter Berücksichtigung der sympathischen Grundidee (Dinosaurier-Krokodil) und des coolen Covers gibt es für DINOCROC noch großzügig aufgerundete und unglaublich knappe…

3/10 Punkten, diBu!

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