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Es ist mal wieder Roger Corman Zeit. Ich wage jetzt nicht mal im Ansatz viele Worte über diesen Namen zu verlieren, denn wenn ich dies bei jeder Corman Produktion täte, würde mir irgendwann langweilig. Und mal ehrlich, wer mit dem Namen noch nicht kennt, jedoch anfällig für einschlägige Videokost wie diese ist, wird es schon noch lernen. Jedenfalls schafft Corman mal wieder einen lauschigen Arbeitsplatz für einen Regiedebütanten, der, man höre und staune, schon seit den Achtzigern irgendwo im Filmbizz rumspökelt, zum Beispiel auch im Bereich Visual Effects bei Dracula, Best Of The Best 2, Last Action Hero, Blade, Crocodile oder eben hier in Dinocroc, Ladies and Gentlemen: Kevin O'Neill! - Ach deeer! - Geeenaaau! Soll halt auch mal die Credits bekommen.
So und nun treffen zwei Welten aufeinander. Ich, der große böse Tiere mag, mangels Innovationsraum auch schonmal den gleichen statt denselben Film schaut, allerdings irgendwo zwischen Evolutionsaversion und Neophobie oder durch den geprägten Usus cinematischen Realismusses mit CGI Viehzeug nicht viel anfangen kann mit einer Produktion, die, im Jahre 2004 fast selbstverständlich, eben solche Technik nutzt.

Augen und Hut. Nein, das ist trotzdem nicht Clint Eastwood. Eher Crocodile Dundee, immerhin stammt die Eröffnungssequenz laut Untertitel aus Tralien, hat mit dem Film erstmal garnichts zu tun, aber ermöglicht ein schnappendes Krokodil einzubauen, bevor ein mit Starship Troopers Stilistik ausgeschmücktes Vorgeplänkel mal ganz schnell den Sprung über eine in Afrika gefundenen prähistorischen Zwischenstufe von Dinosaurier und - na klar - Kroko zum großen bösen Konzern Gereco (5 EUR in die Wortspielkasse, soll übrigens die Abkürzung für Genetic Research Corporation sein), die ihre neue Technologie zum beschleunigten Wachstum mal schnell an dieser Spezies antestet. Ich glaube in Zeiten, wo öffentlich gemacht wird, daß in Genlaboren Chimären gezüchtet wurden, kann man das fast als realistisch hinnehmen. Rumpopeln in Genen ist halt doof, weiß der Horrorfan. Studenten haben demnach kaum Zeit fürs Kino und müßten statistisch auch mehr Anhalter mitnehmen oder weniger Angst haben, wenn der Wagen in der Wallapampa krepiert. Dazu sollte man mal eine empirische Studie veranlassen.

Achja, der Film. Also die unscheinbar schöne Labortante ist anscheinend strohdümmer als erwartet. Da platscht schon Blut ans Sichtfenster und sie geht nicht nur trotzdem in die Kammer mit den Versuchstieren, sondern läßt auch noch die Tür offen. Bei so einer Einladung sich als Neozoon im angrenzenden Naturschutzgebiet, bzw. dem in diesem oder daneben befindlichen Badesee (so konkret wird man hier dazu glaube ich nicht), anzusiedeln, schnappt das Dinocroc zu.
Was dann kommt ist eigentlich mit der Variante "tougher Sheriff (Charles Napier!) mit wenigen Helferlingen und dem vom Konzern zwecks Vertuschungsabsichten angeheuerten Krokojäger nimmt es mit dem Riesenvieh auf" ausreichend erklärt. Nur klingt das viel zu spektakulär. Erstmal gibt es noch Tierliebe, einen dreibeinigen Hund, der ausgebüchst ist, eine neu entflammte Jugendliebe und in ein paar wenigen Kills zwei Szenen, die den CGI Einsatz wirklich rechtfertigen. Erstens kann so das Dinocroc aus dem Wasser jumpen und einen Wasserskifahrer im Flug inhalieren, zweitens kann der Film ganz B - Movie eine schön gemeine Szene präsentieren, die man sich in Hollywood nicht trauen würde. Ansonsten geht mir die Playstationoptik auf den Zeiger. Gut, daß man außer im Showdown ansonsten auch nicht viel vom Tierchen sieht.

Hier liegt eigentlich auch das Krokodil begraben. Dinocroc verhält sich genauso, wie altehrwürdiger Schlock, der ein kultiges Pappmonster einsetzt. Es gibt dank neuer Technik nicht etwa wesentlich mehr Action, sondern eine genauso flache Geschichte mit meist hölzernem Acting, das bei Trashfans immerhin ein kleines Lächeln hervorzaubert. Diese hätten aber mehr Spaß an echter, billiger Tricktechnik und ich bezweifle - auch wenn ich es nicht ausschließe -, daß man sich am Look der Kreatur in einigen Jahren ähnlich ergötzen können wird, wie man es jeher an den Effekten der alten Schule tat. Die zwei erwähnten technisch sinnvollen Upgrades im Genre können dies ebenso wenig aufwiegen, wie das Krokothema des Soundtracks, welches sich erfreulicherweise nicht bei Der Weisse Hai bedient, sondern bombastische Chöre im Stil von Das Omen aufgreift.
Insofern kann ich verstehen, daß man sich entrüstet, so man für Dinocroc wirklich eine amtliche Summe investiert hat. Im Fernsehen oder für einen obligatorischen Euro auf dem Gebrauchtmarkt finden Tierhorrorfans jedoch auch hier einen kleinen Zeitvertreib. Dieser wird kaum im Gedächnis bleiben. Mit ein paar Kumpels allerdings findet man bestimmt ein wenig Anstoß zum lauthälsigen Gelächter, sofern man Freunde hat, die für derartige Kost empfänglich sind. Alle anderen haben halt Pech und müssen sich mit knüppelharten Perversionen oder staubtrockener Kunst behelfen. Eigentlich habe ich jetzt doch eine ganze Menge zu Roger Corman gesagt.

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