Warum werden solche Filme eigentlich nicht mehr gemacht? Filme mit zeitlosem Charme, mit unalbernem Witz, mit packenden Szenen. Filme über Menschen, über echte Freundschaft, über tiefste Gefühle.
Obwohl ich Birdy von Alan Parker seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und mich auch nicht mehr ganz an die Handlung und vor allem das Ende erinnern konnte, wusste ich dennoch, dass es ein fantastischer Film war, einer der Lieblingsfilme meiner Jugend. Und Szenen wie Birdys Flug, sein blutiger Schrei oder der Blick zum Fenster waren nach wie vor in meinem Gedächtnis eingebrannt, ebenso wie ein vermullter Nicolas Cage, der seinen gebrochenen Freund Matthew Modine weinend im Arm hält - Gänsehautszenen.
Nicolas Cage bevor er ein Star wurde, im ganzen Film von einem dicken Verband vermummt und mit schrecklich schiefen Szenen - er war nie besser. In The Rock war er souveräner, in Face Off cooler - aber diese Rolle war und ist für mich sein Meisterstück. Ok, Wild at Heart, aber da begann er leider schon zu overacten. Ganz anders Matthew Modine, der den Birdy spielt wie ein junger Schauspielgott. Mein Gott, wie brillant unschuldig, wie ergreifend, wie echt. Matthew Modine, wo bist du nur geblieben, während Nicolas Cage seine Zähne und seine Gagen richtete? Ok, in Full Metal Jacket zeigte er erneut sein Können und auch Short Cuts war toll. Aber ein Star wurde er nie. Er hatte wohl das Pech, dass mit Ethan Hawke oder Matt Damon plötzlich Epigonen auftauchten, vom Typ sehr ähnlich aber jünger und energischer. Schade, hier verschwand ein genialer Schauspieler in der Riege der Nebendarsteller.
Zum Inhalt will ich gar nicht viel erzählen. Es geht um Freundschaft, es geht um 2 Jungs aus Philadelphia, es geht um verschwundene Basebälle, verwurstete Hunde, verrostete Autos, es geht um den Wahnsinn des Krieges und den Wahnsinn des Lebens - und natürlich geht es um Vögel.
Birdy ist so ein Film, den man nicht wieder vergisst - ob man ihn mag oder nicht. Es sind diese skurillen Einfälle, nach dem Motto: nichts ist so verrückt wie das echte Leben. So unglaublich Birdys Geschichte ist - man kann sich damit identifizieren. Unverbrauchte, packende Schauspielerei, brillant inszeniert, allein die Beleuchtung der Zelle ein Hammer, dazu ein Soundtrack vom jungen Peter Gabriel, der die Emotionen um ein vielfaches noch verstärkt. Und Matthew Modine unter dem Waschbecken oder auf der Bettstange - unglaublich.
Muss man gesehen haben.