Review

Der Plot von „Full Clip“ ist schnell erzählt. Jonathan Pope (Busta
Rhymes) kommt in das Viertel seiner Kindheit zurück, um seinem
verstorbenen Vater die letzte Ehre zu erweisen. Obwohl es zunächst so
aussieht, als ob der coole Pope mit seiner unverhofften Erbschaft und
einer netten Damenbekanntschaft mit seinem Besuch in Alabaster einen
Glücksgriff gelandet hat der ihm eine rosige Zukunft beschert, wendet
sich doch alles zum schlechten. Bereits nach kurzer Zeit muss er
erkennen, dass auch er dem Terror, den die korrupte Polizei um die
Sheriffs Wallace (Mark Boone Jr.) und McCloud (Shaun Baker) auf seine
Heimatstadt ausüben, nicht entgehen kann. Da er sich einer schier
unüberwindbaren Menge an Cops gegenüber sieht, die ihr Gehalt mit
Zuhälterei und Schutzgelderpressungen aufbessern, ruft er seinen alten
Kriegskameraden Duncan (Xzibit) zu Hilfe. Der kommt nicht nur mit einer
schlagkräftigen Truppe (u.a. Prodigy von Mobb Deep und Spliff Star vom
Flipmode Squad), sondern auch mit allerhand Kriegsgerät in die Stadt,
festentschlossen seinem ehemaligem Kollegen aus der Patsche zu helfen.
Als der Kampf  gegen die korrupten Polizisten gewonnen ist, erliegen
aber auch Duncan und seine Partner der Verlockung des schnellen Geldes
und übernehmen die illegalen Geschäfte der Polizei. Nun ist Pope auf
sich alleine gestellt und versucht die untragbaren Verhältnisse, die er
selbst in Alabaster geschaffen hat, wieder zurechtzurücken.

Im
Jahr 2004 in den USA erschienen, musste sich „Full Clip“ dort einiger
Kritik aussetzen. Trotz der zahlreichen bekannten Rapper im Cast würde
der Film den Zuschauern den „HipHop-Vibe“ nur ungenügend vermitteln und
sei eher ein B-Abklatsch eines Steven Seagal oder „The Rock“ Streifens,
die Hauptdarsteller seien zu steif und überbetont cool und die Witze,
die stellenweise eingeflochten werden, einfach nicht lustig.
Was
bei derartiger Kritik völlig unberücksichtigt bleibt ist der Anspruch,
mit dem der Film gedreht wurde. Zwar ist Regisseur Mink in der Tat auch
für den Seagal Film „Into The Sun“ verantwortlich, jedoch wirkt „Full
Clip“ eher wie eine Parodie als eine Low-Budget Version des Seagal
Action-Feuerwerks. So haben sich die Macher des Films hier weder das
Ziel gesetzt, eine weitere langatmige Hood-Studie mit HipHop-Vibe
umzusetzen, noch mit Busta Rhymes einen schwarzen Seagal als
zukünftigen Action-Helden der afroamerikanischen Bevölkerung zu
etablieren.
Stattdessen bietet „Full Clip“ einen ordentlichen
Genre-Mix aus Action und Comedy, der zu unterhalten weiß und durchaus
seine Momente hat. Schon alleine wie Pope mit seinem Leder-Trenchcoat
in bester Cowboy Manier mit grimmiger Miene in Alabaster einläuft
zaubert dem aufmerksamen Zuschauer, dem Ähnlichkeiten zu guten alten
Westernfilmen auffallen, ein Lächeln auf die Lippen.  Spätestens unter
diesem Aspekt betrachtet, wirkt der Auftritt von Busta Rhymes auch
nicht mehr „übertrieben“ oder gar „langweilig“ sondern weiß auf seine
ganz eigene Art und Weise zu unterhalten. Auch die nicht besonders
intelligente Gang um seinen Partner und späteren Gegner Duncan, die
gerne mit Waffen und Dynamitstangen hantiert, besticht durch große
Ähnlichkeit zu den „Daltons“ aus den Lucky Luke Comics und spätestens
der Bestattungsunternehmer macht klar, in welche Schlagrichtung die
zahlreichen Anspielungen des Filmes gehen.
Positiv zu erwähnen
bleibt außerdem noch der Auftritt von Wyclef Jean als Erzähler der ab
und an eingeblendet wird und ein paar unterhaltsame Sprüche zum besten
gibt.
Der Soundtrack ist gut gewählt und keinesfalls mit unpassenden
Songs der Schauspieler überladen. So gibt es explosive Tracks von DMX,
Jedi Mind Tricks und weiteren Größen der RnB und Rap-Welt zu hören.

Alles
in allem ist „Full Clip“ ein Film mit vielen Ideen, die Freunde des
B-Kinos mit Sicherheit ansprechen werden. Wenn man nicht mit der
Erwartung an den Film herangeht, ein tolles Action-Spektakel im Stile
von „Walking Tall“ und  „Hard To Kill“ oder einen HipHop-Movie a la
"Menace 2 Society" geboten zu bekommen, kann man sich am Dargebotenem
durchaus erfreuen.

Details
Ähnliche Filme