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Blut tropft von einem Glockenseil und des Pfarrers Schicksal ist von dunklen Mächten besiegelt. Nein, es ist, trotzdem man es fast glauben könnte, kein Film von Lucio Fulci, sondern höchstens einer, aus dem er "adaptiert" hat. Kein Wunder wäre es, denn diese Hammer Verfilmung um den transsylvanischen Blutsauger kümmert sich außerordentlich oft um die Verhältnisse zwischen der katholischen Kirche und anderen Lebensphilosophien. Als Zeitdokument, dass die Beatnikgeneration und die 68er Studenten unterschwellig zu verarbeiten scheint, ist "Draculas Rückkehr" noch interessanter, als er gruselig im Sinne des Gothic-Genres ist. Mit einem abtrünnigen, vom Bösen besessenen Pfarrer, einem intoleranten Gutmenschen in Form des Monsignore (Rupert Davies), einem tapferen Prinzen, der einem Revoluzzer gleichkommt und einer inmitten von erotisierenden Szenen absolut sauberen Jungfrau, die sich dementsprechend als Ziel der Begierde für den Vampir anbietet und auf der anderen Seite gar schamlos außerehelichen Kontakten zwischen verschiedensten Geschlechtern, teils auch homoerotischer Natur. Was sich dort hinter der Gruselfilmfassade abspielt, ist ganz erstaunlich, zumal der Wechsel von Terence Fisher mit seiner technisch gelungenen Adaption im vorigen "Blut Für Dracula" mit seiner klassischen Gothic-Ausrichtung zu Freddie Francis ("Blumen Des Schreckens") der beliebten Dracula-Reihe mit seiner vom Zeitgeist gefärbten Attitüde nun auch optische Spielereien verbbreichte, wie die häufige Verwendung von kräftig orangefarbenen Filtern bei den etwas psychedelisch anmutenden Vampirszenen. Sonderlich viele magische Momente hat diese Fortsetzung, die tatsächlich ein Jahr nach dem eisigen Ableben Draculas im Vorgänger spielen soll, nicht zu bieten, dafür umso mehr Beziehungsdrama zwischen Paul (Roger Daltrey Lookalike Barry Andrews), Maria (Veronica Carlson) und einigen anderen Dorfbewohnern, die ebenfalls die Dorfschänke bewohnen. Ob die Trinkspiele zwischen den anscheinend stets dort saufenden Studenten, die leicht frivole Bedienung usw. nun der Atmosphäre zuträglich sind, mag jeder selbst entscheiden. Richtigen Schlossgrusel gibt es dafür nicht, da der Monsignore die Behausung bereits heldenmutig mit einem Kreuz am Tor versiegelt hat und Dracula mit seinem Gehilfen nun in das Dorf ziehen muss, verstehe das, wer will. Opulente Schlosssets gibt es also nicht, dafür einige Male die berühmten, blutunterlaufenen Augen von Christopher Lee. Der neben Bela Lugosi wohl bekannteste Vampir der Filmgeschichte ist mittlerweile wie ein guter Wein in seiner Rolle gereift, finster wie hypnotisch dreinblickend und mit einer magischen Anziehungskraft auf Frauen. Schön ist auch, wie lange Dracula dann stirbt, elendig und theatralisch mit dem Tod ringend, der, nach dem versöhnlichen Eingeständnis des Kirchendieners an den Atheisten, doch nur mit Gottes Segen eintritt. Amen.

Fazit: Dracula kehrt zurück und mischt Pfarrer sowie Jungfrau auf. Mit Freddie Francis kommt eine neue, etwas schräge Richtung in die Serie. 5,5/10 Punkten

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