Review

kurz angerissen*

Der Normalsterbliche würde vielleicht einen Schlüsseldienst anrufen, wenn er sich ausgesperrt hat. Dracula, der sein Schloss mit einem großen goldenen Kreuz verkeilt vorfindet, muss andere Wege finden, den Normalzustand wiederherzustellen...

Der folglich zwischen Wiesen, Stein und Dorfpflastern angelegte Film von Terence-Fisher-Ersatz Freddie Francis führt teils absonderliche Wege mit sich. Zusammen mit dem Vampirfürst wundert sich der Regisseur über eine Moderne, die selbst bis in die tiefsten Karpaten eingedrungen ist. Sündenfall, wohin man sieht, ganz oben ein Atheist, der seine ungewöhnliche Position zu Gott und dem Glauben gegenüber einem Priester auch noch völlig arglos preisgibt und dafür in einer beachtenswürdigen Szene getadelt wird. In der Dorfkneipe wird geflirtet, was das Zeug hält und Trinkspiele halten bei Laune. Jede Aktion für oder gegen Dracula ist mit der Bedeutung eines unausgesprochenen Glaubenskrieges aufgeladen, was Christopher Lee mit einer fast störrischen Beharrlichkeit quittiert, mit der er flankiert von blutroten über grün bis gelblich leuchtenden Farbfiltern die brennenden Augen auf seine Opfer richtet.

Dementsprechend hat Francis' Regie trotz der gewohnt altmodischen Kulissen nur wenig viktorianische Romantik zu bieten; ein bemerkenswertes Panorama über den Dächern des Dorfes gehört zu den optisch spektakulärsten Momenten des Films, der eher durch schnellen Setwechsel getrieben scheint und damit eine Allgegenwärtigkeit des Fürsten der Finsternis behauptet. Einzelnen Locations wird kaum gestattet, ihre Wirkung durch spezielle Ausleuchtung zu entfalten. So entwickelt "Draculas Rückkehr" in erster Linie als Zeitdokument mit Bezügen zu gesellschaftlichen veränderungen seinen filmhistorischen Wert, weniger über klassische Qualitäten.

*weitere Informationen: siehe Profil

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